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Bis zu dem außerordentlichen Freudentaumel, der ihre blockbusterreife Reunion-Tour 2025 begleitete, war es leicht, die Wirkung von Oasis als selbstverständlich hinzunehmen. Noel und Liam Gallaghers vitale, aus der Arbeiterklasse stammende Band singt gewaltige Hymnen über das Ewigleben, die Freiheit und den Glauben aneinander. Sie waren wohl die letzte britische Band, die wirklich zählte – auch wenn ihr bestes Werk Mitte der Neunziger entstand.
Mit „Don’t Look Back in Anger“ haben die Regisseure Will Lovelace und Dylan Southern – gemeinsam mit dem auf eigentümliche Weise als Creator/Writer kreditierten Steven Knight – eine gewichtige, emotional aufgeladene Konzertdokumentation abgeliefert, die keine Enthüllungen bereithält, aber haargenau zeigt, warum diese Band so vielen so viel bedeutet.
Nachdem die Geschichte der Band anhand von Nachrichtenarchiven und Fan-Aufnahmen skizziert wird – vom schnellstverkauften Debütalbum der britischen Musikgeschichte mit „Definitely Maybe“ im Jahr 1994 bis zum Desaster der Trennung vor einem Pariser Konzert rund 15 Jahre später – erhält man stillen, aufschlussreichen Einblick in die Reunion-Proben.
Proben und Bühnenmagie
Über einen Zeitraum von sechs Wochen sieht man, wie Noel die Band präzise zusammenführt, die Arrangements seiner Songs schärft, während Liam seine unsterbliche, punkige Energie in jedes geknurrte Wort legt. Es wäre auch ein großartiger Film geworden, hätten wir nur zwei Stunden lang die Band vor leerem Haus spielen sehen.
Das Herzstück des Films ist freilich die Musik von den Konzerten in Europa, Nord- und Südamerika. Die Fans empfangen „Hello“ beim Tourauftakt in Cardiff mit Begeisterungsstürmen, „Bring It On Down“ reißt Seoul von den Sitzen, während „Don’t Look Back in Anger“ in Wembley einen Mitsing-Moment für die Ewigkeit auslöst.
Lovelace und Southern, die zuvor die Indie-Szenen-Doku „Meet Me in the Bathroom“ über das New York der frühen Nullerjahre gedreht haben, fangen die Band und ihre weinenden, tanzenden und jubelnden Fans mit echter Zuneigung und Sorgfalt ein. Jeder Song ist zwar gestutzt, aber durch Interview-Schnipsel mit einem Fan, Noel oder Liam zusammengebunden. Es gibt sogar typisch komische Ausschnitte aus dem ersten gemeinsamen Interview der Brüder seit der Reunion sowie einen ernsten Moment, in dem Noel leidenschaftlich erklärt, die Band gehöre allen – nicht der Rechten.
Fans, Fußball und Gefühle
Eine Frau, die ihren Hund nach dem Gitarristen und einzigen anderen noch aktiven Gründungsmitglied der Band Bonehead benannt hat, ist eine besondere Freude – und Noel zollt ihm persönlich Tribut. „Live Forever“ berührt in São Paulo noch tiefer als sonst, wo Liam den Song der Stone-Roses-Legende Gary „Mani“ Mounfield nach dessen Tod widmet.
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In einer treffenden Reminiszenz an die Liebe der Band zu Fußball und Manchester City fordert Liam das Publikum auf, der Band den Rücken zuzukehren und für „Cigarettes and Alcohol“ den Poznań zu tanzen – jener Jubel, der auf den Rängen des polnischen Vereins Lech Poznań erfunden und unter anderem von den Fans Manchester Citys populär gemacht wurde. Unterstrichen wird das auf amüsante Weise durch das lebensgroße Pappaufstell von Gallagher-Bruderheld und damaligem City-Trainer Pep Guardiola, der jeden Abend die Bühne ziert.
Diese Dokumentation erfindet das Genre nicht neu. Aber wer sie gesehen hat, wird sich danach glücklich, positiv und mit neu entfachtem Swagger fühlen – genau so, wie man sich nach den besten Oasis-Songs fühlt.
Dieser Artikel erschien ursprünglich bei ROLLING STONE UK.