Nachdenkliche Töne und getragene Musik heute Nachmittag vor dem Solinger Rathaus. Fast alle Männer tragen die Kippa, die jüdische Kopfbedeckung. Sie wollen damit zeigen, dass die Juden in der Stadt nicht allein sind.
Unter dem Motto „Solingen gegen Antisemitismus“ setzt der Kippa-Tag ein sichtbares Zeichen gegen Judenfeindlichkeit – nach Wahlergebnissen wie zuletzt in Sachsen-Anhalt wichtiger denn je.
Juden erleben Antisemitismus im Bergischen
Auch im Bergischen werden Juden immer wieder angefeindet. Das berichtet unter anderem Julia Goldberg-Katz vom Büro zur Bekämpfung von Judenhass.
Eine Frau in Wuppertal sei von einer Mitarbeiterin im Krankenhaus nicht behandelt worden, weil sie einen Davidstern trug, sagt Goldberg-Katz.

„Ich selbst wurde letztens weggeschubst. Ganz offensichtlich wegen meines Davidsterns.“
Julia Goldberg-Katz, Büro zur Bekämpfung von Judenhass
Seit 8 Jahren gegen Judenfeindlichkeit
Seit 2018 wird mit dem Kippa-Tag ein Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gesetzt. Eingeladen haben die Stadt Solingen, die jüdische Kultusgemeinde Bergisch Land sowie der Freundeskreis Solingen / Ness Ziona.
Die Mitorganisatorin Gaby Lauenstein vom Freundeskeis hat in diesem Jahr viele Schulen angesprochen. Das sei besonders wichtig, weil Schüler die Zukunft seien. Sie müssten sich erinnern und gegebenenfalls auch gegen Antisemitismus Stellung beziehen.
Angst und Unsicherheit nach Wahlen
Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt habe in der jüdischen Gemeinde zu noch mehr Verunsicherung geführt, als ohnehin schon da war, sagt Lauenstein.

„Es ist erschreckender, als wir befürchtet haben.“
Gaby Lauenstein
Freundeskreis Solingen / Ness Ziona
Das Beunruhigende: In dieser Partei, der AfD, gebe es viele ,,die gerne die Vergangenheit vergessen und relativieren wollen“. Das mache Aktionen wie den Kippa-Tag so besonders wichtig.
Die Kippa als Zeichen der Solidarität
Die Kippa wird von Juden als Ausdruck der Ehrfurcht vor Gott getragen. Beim Kippa-Tag steht sie gleichzeitig für öffentliche Solidarität – Juden und Nichtjuden setzen mit dem Tragen der Kippa gemeinsam ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und die Sicherheit jüdischen Lebens.
Männliche Teilnehmer konnten sich die traditionelle Kopfbedeckung für die Veranstaltung auf dem Walter-Scheel-Platz in Solingen ausleihen. Die Botschaft: Wer eine Kippa trägt, soll das in Deutschland ohne Angst tun können.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 08.09.2026, 19:30 Uhr