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AUDIO: Halle wählt anders: Wie unterschiedlich wählen die Nachbarschaften? (3 Min)
Datenanalyse
Stand: 09.09.2026 05:00 Uhr
Weniger blau und schwarz, mehr grün und rot: Halle wählt anders als Sachsen-Anhalt. Detaillierte Karten zeigen, welche Parteien in den einzelnen Nachbarschaften besonders stark sind – und warum viele Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen offenbar taktisch gegen die AfD eingesetzt haben.

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Halle wählt traditionell ganz anders als der Rest von Sachsen-Anhalt, so auch bei der Landtagswahl am Sonntag. AfD (29,9 Prozent) und CDU (13,9 Prozent) schneiden deutlich schlechter ab als im landesweiten Durchschnitt, die Grünen holen dagegen mehr als jede fünfte Stimme (20,7 Prozent). Auch Linke (11,4 Prozent) und SPD (12,6 Prozent) erzielen in Halle bessere Ergebnisse als im ganzen Land. Das BSW liegt hingegen knapp unter 5 Prozent.
Aber auch Halle ist keine einheitliche Fläche, auch hier haben Parteien Hochburgen und schwächere Viertel. Um sie zu ermitteln, hat MDR Data die Stimmen der Brief- und Urnenwahlbezirke zusammengeführt und so für 60 Nachbarschaften die Ergebnisse der Landtagswahl berechnet. Sie zeigen, welche Parteien in welchen Straßenzügen besonders beliebt oder unbeliebt sind.
Ergebnisse in Halle: Grünes Zentrum, blaue Ränder
Insgesamt haben 134.559 Menschen in Halle ihre Stimme abgegeben, im Durchschnitt also etwas mehr als 2.000 pro Nachbarschaft. Färbt man die besiedelten Gebiete nach der stärksten Partei ein, dann ergibt sich eine Stadt mit grünem Kern und blauem Rand. Unbewohnte Flächen wie Felder oder Parks sind nicht eingefärbt.
In den meisten Nachbarschaften ist die AfD stärkste Kraft. Ihre besten Ergebnisse erzielt sie mit bis zu 51 Prozent in Silberhöhe und in der Südlichen Neustadt nahe dem Südpark. Auch in Kanena/Bruckdorf und Heide-Nord/Blumenau schneidet die AfD besonders stark ab. Im Zentrum hingegen liegen die Grünen vorne. Im Paulusviertel und in der Nördlichen Innenstadt kommen sie in manchen Straßenzügen auf fast jede zweite Stimme.

- Wahlbezirke sind die kleinste räumliche Einheit, für die bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt Ergebnisse ermittelt werden.
- Für die Landtagswahl 2026 war Halle in 126 Urnenwahlbezirke und 60 Briefwahlbezirke aufgeteilt.
- Da sich die Ergebnisse der Briefwahl deutlich von denen der Urnenwahl unterscheiden, wurden die Urnenwahlbezirke für diese Analyse den jeweils geografisch überlappenden Briefwahlbezirken zugeordnet.
- Halle war in die vier Wahlkreise Halle I bis Halle IV eingeteilt. Nach Schließung der Wahllokale wurden die Stimmen zunächst in den Wahlbezirken ausgezählt und anschließend auf Wahlkreisebene zusammengeführt.
Die Karte der Zweitplatzierten ist bunter als die Gewinnerkarte. In den Außenbezirken, wo die AfD die meisten Stimmen holt, landet meist die CDU auf dem zweiten Platz. Ihre besten Ergebnisse erzielt sie in Dölau und Heide-Süd mit bis zu 23 Prozent.
In der Innenstadt teilen sich AfD, Linkspartei und SPD die zweiten Plätze. Die Linkspartei ist vor allem in den Nachbarschaften südlich des Rathenauplatzes stark und kommt dort auf bis zu 18 Prozent. Die SPD schneidet in Gesundbrunnen und Heide-Süd vergleichsweise gut ab (bis zu 17 Prozent).
BSW und FDP schaffen es hingegen in keiner einzigen Nachbarschaft unter die beiden stärksten Parteien. Das BSW erzielt seine besten Ergebnisse mit bis zu 7 Prozent in der Nördlichen Neustadt sowie in der Südstadt; die FDP liegt überall unter 5 Prozent.
Grüne, Linkspartei, CDU: Große Unterschiede zwischen Erst- und Zweitstimmen
Eine Besonderheit der Wahlergebnisse in Halle sind die riesigen Unterschiede zwischen Erst- und Zweitstimmen. Ausschlaggebend für die Sitzverteilung im Magdeburger Landtag ist zwar die Zweitstimme – aber wer in einem Wahlkreis die meisten Erststimmen auf sich vereint, zieht als Direktkandidat in den Landtag ein.
Die Linkspartei holt in Halle mehr als doppelt so viele Erst- wie Zweitstimmen (25 Prozent), auch die CDU schneidet bei den Erststimmen deutlich besser ab (19,4 Prozent). Die Grünen fallen hingegen vom zweiten Platz bei den Zweitstimmen auf den fünften Platz bei den Erststimmen zurück. Lediglich bei der AfD zeigen sich kaum Unterschiede.
Das legt nahe, dass sehr viele Menschen ihre Stimmen gezielt gegen die AfD eingesetzt haben. Vor der Wahl hatte die Initiative „Taktisch Wählen“ dazu aufgerufen, mit der Zweitstimme SPD oder Grüne zu unterstützen, um deren Einzug in den Landtag zu sichern und so eine absolute Mehrheit der AfD zu verhindern. Mit der Erststimme sollten die Wählerinnen und Wähler hingegen jene Kandidierenden unterstützen, die die größten Chancen hatten, die AfD zu schlagen – also je nach Wahlkreis Kandidierende von CDU oder Linkspartei.

In den Wahlkreisen Halle I und Halle IV im Süden und Westen der Stadt holten zwar die AfD-Kandidaten Paul Backmund und Alexander Raue die meisten Stimmen. In Halle II und Halle III setzten sich jedoch die Linken Jannik Balint und Gitta Hartenstein-Wiermann mit großem Vorsprung durch.
Erststimmen: Linke mit bis zu 54 Prozent im Stadtzentrum
Das spiegelt sich auch auf Ebene der Wahlbezirke wider. Färbt man die Wohngebiete nach der Gewinnerpartei bei den Erststimmen ein, leuchten die Innenstadt, das Paulusviertel und das Giebichensteinviertel plötzlich dunkelrot. In der Nachbarschaft rund um den Steintor-Campus holt die Linkspartei 53,6 Prozent der Erststimmen, die AfD kommt hier nicht einmal auf jede zehnte Stimme. In Dölau kommt die CDU auf 38 Prozent der Erststimmen und liegt damit knapp vor der AfD. In den meisten Nachbarschaften außerhalb des Zentrums bleibt jedoch auch die Karte der Erststimmen-Gewinner blau.
Die Ergebnisse in Halle entsprechen damit einem Muster, das auch in vielen anderen deutschen Großstädten zu finden ist: An den Rändern wählen die Menschen konservativ bis rechts, im Stadtzentrum schneiden linke Parteien besser ab.
Insgesamt gaben in Halle 76,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, damit war die Wahlbeteiligung in etwa so hoch wie in ganz Sachsen-Anhalt (77,8 Prozent).
Finden Sie heraus, wie Ihre Nachbarschaft abgestimmt hat
In der folgenden Tabelle können Sie Ihren Straßennamen suchen und so herausfinden, wie das Zweitstimmenergebnis in Ihrer Nachbarschaft ausfällt:
Und in dieser Tabelle finden Sie das Erststimmenergebnis:
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MDR (David Wünschel)