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Ignorierte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (76) wenige Tage vor dem 7. Oktober konkrete Terror-Warnungen? Und hätte das Massaker womöglich verhindert werden können? Diese Fragen erschüttern Israel nach der Veröffentlichung erster Auszüge aus dem Enthüllungsbuch „Kidnapped: 843 Days of Abandonment“ der Journalisten Shlomi Eldar und Ruth Yuval.
Neue Enthüllungen zum 7. Oktober: Ignorierte Netanjahu konkrete Warnungen?
Quelle: BILD09.09.2026
Demnach warnte der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan (65), Netanjahu rund zehn Tage vor dem Massaker: Hamas-Chef Yahya Sinwar plane eine große Operation gegen Israel. Das 45-minütige Telefonat habe vom Präsidentenpalast in Abu Dhabi aus stattgefunden. Bin Zayed habe vor Blutvergießen, regionaler Destabilisierung und einer Gefährdung der Abraham-Abkommen gewarnt.

Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate: Was wusste Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan (65, Abkürzung: MBZ) über die Terror-Pläne der Hamas?
Foto: Susan Walsh/AP/dpa
Angeblich mehrere Warnungen
Netanjahu soll geantwortet haben, er erwarte eher eine Hamas-Operation im Westjordanland – und Israel sei auf jedes Szenario vorbereitet. Die Buchautoren, deren Recherchen jetzt vorab von der linksliberalen, Netanjahu-kritischen Zeitung „Haaretz“ veröffentlicht wurden, berufen sich unter anderem auf drei hochrangige ausländische Quellen sowie einen Berater von Mohammed bin Zayed Al Nahyan mit direkter Kenntnis des Gesprächs.
Auch aus Ägypten soll eine Warnung gekommen sein. Der damalige Geheimdienstchef Abbas Kamel habe Netanjahus Büro gewarnt, Hamas plane „etwas Außergewöhnliches, eine schreckliche Operation“. Brisant: Am 1. Oktober soll auch Shin-Bet-Chef Ronen Bar (60) Netanjahu gewarnt haben, Hamas bereite „etwas Extremes“ vor. Er habe sogar den Begriff „Erdbeben“ benutzt und empfohlen, Sinwar und weitere Hamas-Führer gezielt zu töten. Netanjahu habe dies abgelehnt.
Vater von Terroropfer spricht in BILD
Ruby Chen, Vater des am 7. Oktober getöteten Soldaten Itay Chen (19), sagt zu BILD: „Was wäre gewesen, wenn an diesem Morgen doppelt oder dreimal so viele Soldaten dort gewesen wären? Vielleicht hätte es deutlich weniger Opfer gegeben. Mein Sohn wäre vielleicht noch am Leben.“ Chens Sohn fiel im Kampf gegen Hamas-Terroristen. Seine Leiche wurde nach Gaza verschleppt und erst im November 2025 nach Israel zurückgebracht. Chen fordert seit langem eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission. Netanjahus Regierung lehnt eine solche bislang ab.

Ruby Chen verlor durch den Terror der Hamas seinen Sohn
Foto: Malte Krudewig/BILD
Die Enthüllungen treffen den Premierminister mitten im Wahlkampf. Am 27. Oktober wählt Israel ein neues Parlament. Oppositionspolitiker greifen Netanjahu scharf an. Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot erklärt: „Netanjahu hat Dutzende Warnungen vor dem 7. Oktober erhalten und hat sie alle ignoriert.“ Und Yonatan Shalev, der für die Partei B’Yachad bei den Parlamentswahlen antritt, sagt zu BILD: „Netanjahu persönlich trägt unmittelbare Verantwortung dafür, eine eindeutige Warnung ignoriert, die Führung der Sicherheitsbehörden nicht alarmiert und das Land nicht vorbereitet zu haben.“
Netanjahu: „Absolute Lüge!“
Netanjahus Büro weist den zentralen Vorwurf des Buches jedoch kategorisch zurück: „Eine absolute Lüge! Ministerpräsident Netanjahu hat in dem fraglichen Zeitraum nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate gesprochen und keinerlei Warnung von ihm erhalten.“
Militärhistoriker Danny Orbach von der Hebräischen Universität Jerusalem mahnt zugleich gegenüber BILD: „Auch die Sicherheitsbehörden müssen sich fragen lassen, warum sie ihre Einsatzbereitschaft trotz eigener Warnungen nicht erhöht haben. Auch sie sind vom Angriff völlig unvorbereitet getroffen worden.“ Die Frage, wer für das historische Sicherheitsversagen Verantwortung trägt, könnte nun zu einem der entscheidenden Themen der israelischen Wahl werden.