Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Stand: 07.09.2026 04:21 Uhr

Die AfD ist die klare Wahlsiegerin in Sachsen-Anhalt, die anderen Parteien sind geschockt. Linke, Grüne und auch SPD-Vertreter machen die Bundesregierung für den AfD-Triumph mitverantwortlich, doch führende Unionsvertreter lehnen Konsequenzen in Berlin ab. Etwas anders sieht es Fraktionsvize Sepp Müller aus Wittenberg. Es dürfe kein „Weiter so“ geben. Wir haben bundespolitische Reaktionen gesammelt.

von MDR AKTUELL

Am Montag nach der verlorenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird CDU-Landeschef und Ministerpräsident Sven Schulze in Berlin erwartet. Fragen nach möglichen Konsequenzen hatte er am Sonntag offen gelassen. „Ich fahre morgen nach Berlin, da ist Bundesvorstand. Und morgen Abend ist dann Landesvorstand und da werde ich der CDU Sachsen-Anhalt einen Verfahrensvorschlag machen.“ Wozu er ein Verfahren vorschlagen wolle, ließ Schulze zunächst offen.

CDU/CSU spricht von „Zäsur“ – aber keine Merz-Debatte

Unionsfraktionschef Thorsten Frei hat das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Einschnitt bezeichnet. Erstmals sei eine vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Partei stärkste Kraft geworden. Die CDU müsse nun analysieren, warum sie die Menschen nicht mehr erreiche. Er verteidigte jedoch den Reformkurs und lehnte eine Debatte über Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz ab. Kanzleramtsministerin Nina Warken sagte im ZDF, „dieses Ergebnis ist eine Zäsur“. Es sei ein „sehr, sehr schwieriges Ergebnis“, auch für die Bundesregierung.

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann schloss indes bundespolitische Konsequenzen aus. Es beginne keine Diskussion über Merz‘ Regierung, sagte sie in der ARD. Zugleich bekräftigte sie im ZDF die Abgrenzung zur Linken, „die uns vorwirft, faschistische Politik zu machen“. Es werde „keine Zusammenarbeit mit Links- und Rechtsextremen geben“.

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CDU-Generalsekretärin Hoppermann: Keine Debatte über Merz (2 Min)

Unions-Fraktionsvize Sepp Müller sieht den Auftrag zur Regierungsbildung bei der AfD. Der Abgeordente aus Wittenberg sagte im ZDF: „Wir haben keinen Regierungsbildungsauftrag, der liegt jetzt bei der AfD.“ Müller bezeichnete das Abschneiden seiner Partei in Sachsen-Anhalt als „historische Niederlage“ und „schwarzen Tag“ für die CDU. Es könne „kein Weiter-so geben“.

Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Hoffmann, warnte die Koalition vor einem Abweichen vom Reformkurs: „Dieses schwierige Wahlergebnis ändert nichts am Reformbedarf unseres Landes“, sagte Hoffmann der „Rheinischen Post“. Jedoch müsse die Schlappe „uns auch in Berlin beschäftigen“.

AfD sieht Regierungsauftrag und die CDU als abgewählt

AfD-Co-Chefin Alice Weidel jubelte im ZDF über ein „historisches Ergebnis“ und sprach von einem „klaren Regierungsauftrag für die stärkste Partei“. Die Hand der AfD sei immer ausgestreckt: „Wir ziehen keine Brandmauer.“ Dabei sei der Landesverband Sachsen-Anhalt völlig eigenständig.

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„Man möchte einen politischen Wechsel in diesem Land haben“ (1 Min)

Co-Chef Tino Chrupalla sagte in Magdeburg: „Ulrich Siegmund wird unser neuer Ministerpräsident“. Und: „Wir haben die CDU halbiert, also von daher toller Abend“ (eine Anspielung auf das vor einigen Jahren von CDU-Chef Friedrich Merz angekündigte Ziel, die AfD zu halbieren). Ministerpräsident Schulze sei klar abgewählt, die Politik der Brandmauer gescheitert.

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SPD-Chef Klingbeil spricht von einem „Signal an Berlin“

SPD-Co-Chef Lars Klingbeil sieht in der Politik der Bundesregierung einen Grund für das Wahlergebnis. Die Zahlen seien „auch ein Signal an Berlin“, sagt Klingbeil im ZDF. Viele Menschen seien unzufrieden mit dem Reformkurs. Das Ergebnis sei ein Grund, über die Politik der Bundesregierung nachzudenken.

Die Co-Vorsitzende Bärbel Bas sagte in der ARD: „Vielen Menschen macht das Ergebnis Angst, nicht nur in Sachsen-Anhalt.“ Bas sieht jedoch keinen Grund für Personaldebatten in ihrer Partei. „Ich glaube, das schließt bei uns eher die Reihen, weil wir hier einen ganz anderen Kampfauftrag haben – nämlich diese Demokratie aufrechtzuerhalten“.

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SDP-Chefin Bas sieht Bildung von demokratischen Mehrheiten als Aufgabe der SPD (1 Min)

Generalsekretär Tim Klüssendorf zeigte sich zufrieden mit dem SPD-Ergebnis: „Wir leisten unseren Beitrag, dass wir eine andere Mehrheit (ohne AfD) bilden können“, sagt Klüssendorf im ZDF.

Linke Reichinnek: Ein Ergebnis schlechter Bundespolitik

Die Linksfraktionschefin im Bundestag Heidi Reichinnek nannte das AfD-Ergebnis „katastrophal“. und Ergebnis der Politik der Bundesregierung. „Die AfD ist nicht deswegen so stark, weil sie so gute Konzepte hätte, sondern weil die Regierung auf Bundesebene alles dafür tut, den Nährboden für sie zu bereiten“, sagte Reichinnek dem TV-Sender phoenix.

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Reichinnek: „Ihr seid nicht allein, habt keine Angst“ (1 Min)

Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner räumte ein, das Ergebnis sei für viele in ihrer Partei enttäuschend. Zu einer möglichen Zusammenarbeit mit der CDU sagt sie im ZDF: „Die Politik der Bundesregierung ist Teil des Problems.“ Die rechtsextreme AfD dürfe nicht an die Schalthebel der Macht kommen. Doch die Linke wolle „über Inhalte reden und nicht bloß wahltaktische Manöver machen“.

Grünen-Bundeschef Banaszak sieht „dramatische Zustände“

Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak zeigte sich „bestürzt“ von den starken Stimmenzuwächsen der AfD. „Das sind dramatische Zustände.“ Es würden zwei Herzen in seiner Brust schlagen, sagte er mit Blick auf die Stimmengewinne der Grünen und das aller Voraussicht nach beste Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt.

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Banaszak: Das sind dramatische Zustände (2 Min)

Co-Chefin Franziska Brantner sagte in der ARD, wenn sie das Ergebnis der AfD sehe, sei einem „nur zum Heulen zumute“. Alle anderen Demokraten seien jetzt in der Verpflichtung, gemeinsam Gespräche zu führen, um eine AfD-Regierung zu verhindern. Auch die Bundespolitik sei gefragt, „Deutschland endlich wieder eine Perspektive zu geben, und dass diese Regierung endlich mal ihr Handwerk macht“.

BSW-Chefin Mohamed Ali will weder Schulze noch Siegmund

BSW-Co-Chefin Amira Mohamed Ali hat angekündigt, dass sich ihre Partei beim Einzug in den Landtag für eine überparteiliche Regierung einsetzen werde. Sie sage in der ARD: „Wir haben vor der Wahl gesagt, dass wir weder Herrn Siegmund noch Herrn Schulze zum Ministerpräsidenten wählen werden.“ Mohamed Ali warf den Thüringer BSW-Abweichlern vor, der Partei in Sachsen-Anhalt einige Stimmen gekostet zu haben.

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BSW-Chefin Ali: Streit in Thüringen hat BSW im Wahlkampf geschadet (1 Min)

dpa/ MDR AKTUELL (ans, ksc)

Eine Frau wirft ihren Stimmzettel in eine Wahlurne

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Die Flagge von Sachsen-Anhalt vor dem Gebäude des Landtags.

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