Mit Brahms, Schubert und Guy Braunstein eröffnet Leo McFall die Sinfoniekonzerte – und erinnert zugleich an Otto Klemperer.

Es gibt Musik, die keinen Anlauf braucht. Ein paar Takte genügen, und der große romantische Apparat setzt sich in Bewegung. Das 1. Sinfoniekonzert des Staatstheaters Wiesbaden setzt genau darauf: Generalmusikdirektor Leo McFall eröffnet am 16. September, die Konzertsaison 2026/27 mit Brahms’ Violinkonzert und Schuberts neunter Sinfonie.

Kurhaus Wiesbaden, kurzgefasst

Konzert – Große Romantik, – und Klemperer klingt nachibung
Kosten: ab 20,00 Euro
Wann: Mittwoch, 16. September 2026, 19:30 Uhr (Einführung ab 18:45 Uhr)
Wo: Kurhaus Wiesbaden, Kurhauspl. 1, 65189 Wiesbaden

Für Johannes Brahms war die Violine nicht das eigene Instrument. Dass er dennoch eines der bedeutendsten Violinkonzerte des 19. Jahrhunderts schrieb, verdankte sich auch seiner Freundschaft mit dem Geiger Joseph Joachim. Aus ihrer Zusammenarbeit entstand das Violinkonzert D-Dur op. 77 – Brahms’ einziges Werk dieser Gattung.

Guy Braunstein spielt Brahms

In Wiesbaden übernimmt Guy Braunstein den Solopart. Der Geiger kennt die großen internationalen Bühnen ebenso wie das Innenleben eines Spitzenorchesters. Im Jahr 2000 beriefen ihn die Berliner Philharmoniker zu ihrem damals jüngsten Konzertmeister. 2013 gab Braunstein die Position auf und konzentrierte sich auf seine Laufbahn als Solist und Kammermusiker. Daneben arbeitet er als Dirigent, Festivalleiter, Komponist und Arrangeur.

Schuberts „Große“ musste erst gefunden werden

Auch hinter Franz Schuberts Sinfonie Nr. 9 C-Dur steht eine bemerkenswerte Geschichte. Das Manuskript tauchte erst elf Jahre nach Schuberts Tod wieder auf. Robert Schumann entdeckte es in Wien, erkannte die Kraft der Partitur und setzte sich dafür ein, dass das Werk aufgeführt wurde. Seine Uraufführung fand schließlich im Leipziger Gewandhaus statt.

Für Wiesbaden besitzt die „Große“ in dieser Saison noch eine zweite Bedeutung. Das Staatstheater stellt seine Sinfoniekonzerte 2026/27 unter das Motto „Hommage an Klemperer“.

Als Otto Klemperer Wiesbaden prägte

Otto Klemperer wirkte von 1924 bis 1927 als Generalmusikdirektor in Wiesbaden. Der später weltberühmte Dirigent brachte neue Klänge in die Stadt, wagte ungewöhnliche Programme und setzte auf große Sinfonik. Auch Schuberts Neunte dirigierte er während seiner Wiesbadener Jahre.

Daran knüpft die neue Saison an. Mit einer Ausnahme soll in jedem Sinfoniekonzert ein Werk erklingen, das Klemperer einst selbst in Wiesbaden dirigierte. So wird das 1. Sinfoniekonzert im Staatstheater Wiesbaden nicht nur zum Saisonauftakt. Es schlägt zugleich eine Brücke zwischen damaligem Aufbruch und heutiger Konzertkultur.

Foto – Konzentriert auf Takt und Ton: Die Streicher des Orchesters während eines Sinfoniekonzerts im Kurhaus Wiesbaden. ©2026 Volker Watschounek

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