Wochenende – das heißt für viele: endlich Zeit für ein gutes Buch, einen Film oder in Ruhe in das neue Album der Lieblingsband hineinzuhören. Wir haben in der Redaktion Tipps für entspannte Wochenendunterhaltung gesammelt:
Wer stirbt, wird nachgedruckt
Wenn Mickey Barnes (Robert Pattinson) stirbt, dann druckt man ihn einfach neu aus. Dass dies für ihn okay ist, hat er zuvor so unterschrieben – zugegebenermaßen ohne sich den Vertrag genau durchzulesen. Aber alles war ihm lieber, als dem Mafiaboss in die Hände zu fallen, der ihm für einen Macaron-Laden Geld geliehen hat, welches er nicht zurückzahlen kann. Mickey wird also Teil einer Weltraummission, auf der er immer dann rausgeschickt wird, wenn es für alle anderen – Strahlung, Keime, fremde Wesen – zu gefährlich wäre. Eines Tages jedoch wird versehentlich bereits ein neuer Mickey nachgedruckt, obwohl Mickey 17 noch gar nicht tot ist. Klar ist: Beide können nicht bleiben, aber welcher muss gehen? Der Film von Bong Joon-ho ist mal witzig, mal gesellschaftskritisch, mal ein wenig zu satirisch-albern. Die ungewöhnliche Geschichte unterhält, ist mit über zwei Stunden Laufzeit aber etwas lang geraten.

Mickey 17. Erhältlich als Download, DVD, Blu-ray und 4K Ultra HD Steelbook-Edition. Lauflänge: 137 Minuten. Studio: Warner Bros. (Universal Pictures)
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Warner Bros. Home Entertainment
Wie ein Englischlehrer in Japan Fuß fasst

Chris Broad: Abroad in Japan – Meine Abenteuer im Land der aufgehenden Sonne. Kiepenheuer & Witsch, Köln. 350 Seiten, 18 €
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Kiepenheuer & Witsch
Wer je Japan bereist hat, weiß, wie schlecht es um die Englischkenntnisse dort bestellt ist. Selbst das Lehrmaterial von Grundschülern strotzt vor Fehlern. Wie gut also, dass sich jährlich einige tausend Lehrer aus aller Welt trauen, an japanischen Schulen ihre englische Muttersprache zu unterrichten. Wie Chris Broad aus London, der 2012 als 22-jähriger Universitätsabsolvent in die Großstadt Kobe (ja, die mit den Rindern) reist. Von seinem Kulturschock zwischen Sommerglut und Schneebergen, Badehaus und Liebeshotel, zeichnendem Arzt und Schoko-Pommes erzählt er in „Abroad in Japan“. Auch der Schulalltag hat seine kuriosen Momente: So stellt Broad einen Störenfried ruhig, indem er ihn – sehr britisch – „supercalifragilisticexpialigetisch“ sagen lässt: „Man sollte niemals die Kraft von Mary Poppins unterschätzen.“
Neues von den dänischen Rock-Giganten

Volbeat: God of Angels Trust. Zehn Songs, Laufzeit ca. 45 Minuten. Label: Vertigo/Universal
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Vertigo/Universal
Mit ihrem mittlerweile neunten Studioalbum beweisen Michael Poulsen, Jon Larsen und Kaspar Boye Larsen, die drei dänischen Rocker von Volbeat, einmal mehr, dass melodische Songs und harte Gitarrenriffs sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Die Band bricht seit 20 Jahren mit Konventionen und bleibt ihrem Stil auch auf dem neuen Album treu: Melodischere, großartig komponierte Nummern wie „Acid Rain“ oder „Time Will Heal“ treffen auf härtere, wildere Klänge mit ordentlich Saiten-Geschrabbel wie in „Demonic Depression“ oder „By A Monster’s Hand“. Auch Rockabilly-Einflüsse und Country-Elemente finden sich auf dem Album und machen die Musik von Volbeat so besonders. Stets mittendrin: die trotz mehrerer Stimm- und Halsoperationen unverkennbare Stimme von Sänger Michael Poulsen. Im Herbst gehen Volbeat auf Europatour. Die Konzerte in Hamburg und Hannover sind bereits ausverkauft.
Als Thomas Mann in seine Heimat zurückkehrte

Julian Voloj, Friedhelm Marx, Magdalena Adomeit: Thomas Mann 1949. Knesebeck, München. 96 Seiten, 24 €
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Knesebeck Verlag
Thomas Mann wird gebeten, sich ins Gästebuch des Bayreuther Traditionshotels „Zum goldenen Anker“ einzutragen – und findet sich in „bester“ Gesellschaft wieder: Goebbels, Himmler, Göring, „die ganze Teufelsbrut“. Nach der Verleihung des Goethe-Preises in der Frankfurter Paulskirche sinniert der Autor: „Wie viel Blut wohl an all den Händen klebt, die ich heute habe drücken müssen?“ Konsequent lenkt die Graphic Novel „Thomas Mann 1949“ den Blick auf die Problematik, die die Visite des vor 150 Jahren geborenen USA-Emigranten im Nachkriegsdeutschland mit sich brachte: Als moralische Instanz war er vielen unbequem. Für zahlreiche Originalzitate bürgt Experte Friedhelm Marx, Julian Voloj für die verdichtete Erzählweise, die auch Rückblicke auf die Nürnberger Prozesse oder den Besuch Klaus Manns beim Komponisten Richard Strauss umfasst. Magdalena Adomeit findet eine angemessen sachliche Bildsprache in matter Farbigkeit.
Das Musik-Manuskript, das die Nazis stahlen

Codex Krasinski – Musik des 15. Jahrhunderts aus Krakau. Ensemble Dragma, Ensemble Peregrina. 3 CDs. Dauer: 3 Stunden. Label: Raumklang
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Raumklang
Nach dem Warschauer Aufstand 1944 setzten die deutschen Besatzer die erst 1928 gegründete polnische Nationalbibliothek in Brand – dreieinhalb von sechs Millionen Büchern wurden Opfer der Flammen. Was erhalten blieb, war oft zuvor als Raubgut nach Deutschland gebracht worden. Wie der „Krasinski-Codex“, den man nach dem Krieg in München entdeckte. Das königliche Manuskript von 1426 enthält fast 40 mehrstimmige Werke; Sängerin Agnieszka Budzinska-Bennett legt mit ihren Ensembles Dragma und Peregrina die erste Gesamtaufnahme vor, sortiert nach Marienliedern aus Krakau (CD 1), Liedern für das Königshaus (CD 2) und Werken europäischer Meister (CD 3). Begleitete wie unbegleitete Vokalwerke und reine Instrumentalstücke (inklusive Orgel) im steten Wechsel sorgen für Farbe, auch wenn die reinen Männergesänge etwas raustimmig wirken. Zu hören ist, wie gut sich die polnische Musik vor 600 Jahren im europäischen Kontext profilierte.