Welche sind die besten Krimis des Jahres? Die „Presse“-Redaktion hat sich durch das riesige Angebot an Büchern gelesen und eine Auswahl getroffen: 25 Neuerscheinungen, die unter die Haut gehen.

Die vorgestellten Bücher im Überblick

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Nick Harkaway: „Smiley“

Nick Harkaway tritt kein leichtes Erbe an: Mit „Smiley“ erweckt er die wichtigste literarische Figur seines Vaters, John le Carré, wieder zum Leben. Bisher war Harkaway eher für wilde literarische Ritte („Der goldene Schwarm“) bekannt sowie unter dem Pseudonym Aidan Truhen tätig, unter dem er mit „Fuck You Very Much“ eine blutige Killerstory im John-Wick-Stil schrieb. Nun folgt der Umstieg auf das deutlich seriösere Genre. Und dieser ist außerordentlich gut gelungen. Im Vorwort schildert der Sohn des Großmeisters des Spionageromans („Der Spion, der aus der Kälte kam“), wie sehr er die Welt von George Smiley bereits in seiner Kindheit inhaliert hat. Man merkt es auf jeder Seite dieses Romans, der viel mehr ist als ein simpler Abklatsch oder eine bloße Hommage an den Ausnahmeerzähler John le Carré. (phu)

Nick Harkaway: „Smiley – Ein John le Carré Roman“, übersetzt von Peter Torberg, Ullstein-Verlag, 366 Seiten, 26,50 Euro

Uketsu: „Hen Na E – Seltsame Bilder“ 

Ein elfjähriges Mädchen hat seine Mutter getötet. Die Polizeipsychologin lässt das Kind ein Bild zeichnen: ein Haus ohne Tür, das Mädchen in einem geblümten Kleid sowie ein Baum mit einer stacheligen Krone und einem kleinen Vogel im Inneren des Stamms. Es gibt zudem einen Blogeintrag mit weiteren Zeichnungen, die auf den ersten Blick nichts Rätselhaftes an sich haben (eine junge Frau von der Seite, ein Baby mit einem Polster, ein kleiner Junge und ein junger Mann), sich jedoch später als Teile eines Bilderrätsels herausstellen. Nur so viel: „HEN NA E – Seltsame Bilder“ ist ein hoch spannender Mysterykrimi aus Japan. Der Autor nennt sich Uketsu und macht auch als YouTuber und Zeichner von Mangas Furore, seine wahre Identität ist unbekannt. Für Rätselfüchse, die keine Angst vor literarischem Blut haben. (lin)

Uketsu: „HEN NA E – Seltsame Bilder“, übersetzt von Heike Patzschke, Lübbe-Verlag, 272 Seiten, 25,95 Euro

Leye Adenle: „Spur des Geldes“

Im Mittelpunkt der fantastischen Nigeria-Krimis von Leye Adenle steht die kämpferische Anwältin Amaka Mbadiwe, Tochter eines Botschafters und entsprechend gut vernetzt. Mit ihrer Organisation beschützt sie verletzliche Frauen vor gewalttätigen Männern. Als ein junges Mädchen vergewaltigt, verprügelt und danach, vermeintlich tot, im Straßengraben abgelegt wird, erklärt Amaka deren Peinigern den Krieg. Diesen Feldzug nützt Leye Adenle für einen Ausflug in das rabenschwarze Herz Nigerias. Im zweiten Teil der Amaka-Trilogie, „Spur des Geldes“, zeigt Adenle die hohe Kunst der Korruption in seinem Heimatland, anderswo besser bekannt als „Wahlkampf“. Beginnen sollte man dieses großartige Leseerlebnis allerdings mit Teil 1, „Zügel der Macht“. Ein spannender, realistischer, brutaler Noir, der den Glauben an den aufrechten Gang nicht verloren hat. (do)

Leyle Adenle: „Spur des Geldes – Ein Lagos Thriller“, übersetzt von Yasemin Dinçer, Verlag InterKontinental, 367 Seiten, 25,95 Euro 

Frank Göhre: „Sizilianische Nacht“

Seit über 50 Jahren schreibt der vielfach preisgekrönte deutsche Autor Frank Göhre Kriminalromane. Spezialisiert hat er sich zuletzt auf Stoffe, die keine 200 Seiten umfassen („Die Stadt, das Geld und der Tod“ oder „Harter Fall“), aber eindringlich nachwirken. „Sizilianische Nacht“ ist da keine Ausnahme. Angelehnt an wahre Geschehnisse erzählt Göhre von Paul Durand, einem exzentrischen Millionär und Erfinder des Wohnmobils, der im Palermo des Jahres 1933 unter mysteriösen Umständen zu Tode kam. In einem aufschlussreichen Nachwort gewährt der Autor Einblick in die Entstehungsgeschichte des Romans und in die historische Bedeutung jenes Hotels in Palermo, in dem ein Großteil der Geschichte spielt. Gewohnt minimalistisch, gewohnt gut, Göhre eben. (phu)

Frank Göhre: „Sizilianische Nacht“, CulturBooks-Verlag, 168 Seiten, 17,95 Euro

David McCloskey: „Damaskus Station“

Wer Syrien verstehen will, dem sei der Erstling von David McCloskey dringend empfohlen. Der ehemalige CIA-Analyst lässt in seinem packenden Thriller tief in die Abgründe einer Gesellschaft blicken, die von Gewalt, Rechtlosigkeit und Korruption nachhaltig zersetzt wurde. Das neue Syrien baut auf jenem auf, das McCloskey aufgrund seiner Geheimdienstvergangenheit genau kennt und gekonnt beschreibt: Mitläufer, Betrüger, Doppelagenten – kaum einer der sich die Hände nicht schmutzig machen muss, um zu überleben. Wie auch der CIA-Agent Sam Joseph, der die syrische Regierungsmitarbeiterin Mariam Haddad anzuwerben versucht. Lebensgefährlich wird es für beide, als sie ins Visier des mächtigen Geheimdienstchefs Ali Hassan und seines psychopathischen Bruders Rustum geraten. Ein echter Pageturner – nicht nur, wenn McCloskey packende Verfolgungsjagden durch Damaskus schildert. (gar)

David McCloskey: „Damaskus Station“, übersetzt von Michael Benthack, Gutkind-Verlag, 571 Seiten, 19,95 Euro

Beate Maly: „Gold aus der Wiener Werkstätte“

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Wien eine Hochburg der bildenden Kunst und des Jugendstil-Designs. Die Wiener Werkstätten glänzten mit Möbel, Schmuck, Stoffen und Keramik. Zum zweiten Mal spielen sie bei Beate Maly eine entscheidende Rolle. Wieder ermittelt Max von Krause, und wieder trifft er auf Lili Feigl, die inzwischen als Putzfrau dort arbeitet. Prostituierte werden brutal ermordet, die eine auffällige Kette der Wiener Werkstätten besaßen. Zu deren Kunden gehörten Prominente der Stadt, was die Ermittlungen erschwert. Zudem wehrt sich von Krauses arbeitsscheuer Chef vehement gegen die neueste Kriminaltechnik – Fingerabdrücke und Fotografie. Die österreichische Erfolgsautorin, die auch historische Romane schreibt, hat ein klassisches Whodunit vorgelegt, angereichert mit dem Flair der untergehenden Habsburgermonarchie. (cle)

Beate Maly: „Gold aus der Wiener Werkstätte“, Emons-Verlag, 256 Seiten, 19,95 Euro

Megan Miranda: „Sieben Stunden“ 

Eigentlich wollte Cassidy mit der Vergangenheit abschließen und die jährliche Zusammenkunft auslassen. Dann aber erhält sie eine SMS und reist doch zu diesem ungewöhnlichen Klassentreffen in den Outer Banks: Nur neun Schulkollegen haben einst den Busunfall ihrer Klasse überlebt, jedes Jahr treffen sich „the Only Survivors“ (so der Originaltitel) am Meer – auch, um sich zu vergewissern, dass alle weiter darüber schweigen, was damals wirklich passiert ist. Nun ist allerdings einer der Gruppe, Ian, tot. Hat er zu viel verraten? US-Autorin Megan Miranda zeigt in ihrem jüngsten Roman, was sie kann: abgründige Thriller schreiben. Alle Protagonisten haben Geheimnisse, niemandem ist zu trauen, in Rückblicken erfährt man nach und nach, was wirklich passiert ist. Der Aufbau ist wenig überraschend, funktioniert aber bestens: ein spannender Pageturner, dessen Verfilmung man beim Lesen schon vor Augen hat. (mpm)

Megan Miranda: „Sieben Stunden“, übersetzt von Melike Karamustafa, Penguin-Verlag, 416 Seiten, 16,50 Euro

Simon Mason: „Ein Mord im November“ 

Als eine junge Frau erwürgt im Arbeitszimmer von Sir James Osborne, dem Prorektor des ehrwürdigen Barnabas Hall College aufgefunden wird, läutet das Telefon bei Detective Inspector R. Wilkins. Eine fatale Verwechslung, denn statt des eleganten und gebildeten DI Ray Wilkins, Spross einer wohlhabenden britisch-nigerianischen Familie und selbst Oxford-Absolvent, wird sein neuer Kollege DI Ryan Wilkins angerufen: aufgewachsen im Trailerpark samt Gewalterfahrungen als Kind, Aggressionsproblemen und Hass auf die Oberschichten, allerdings auch Jahrgangsbester an der Polizeiakademie und liebevoller Vater. Der britische Autor Simon Mason treibt mit den Partnern Wilkins & Wilkins das Prinzip „good cop – bad cop“ manchmal sehr auf die Spitze. Dennoch: Der beste Oxford-Krimi seit Inspector Morse, wie der Verlag verspricht? Könnte hinkommen. (do)

Simon Mason: „Ein Mord im November“, übersetzt von Sabine Roth, Goldmann, 395 Seiten, 17,95 Euro

Johannes Groschupf: „Skin City“ 

In seinem vierten fulminanten Berlin-Thriller, „Skin City”, erfasst Johannes Groschupf die Essenz der Metropole, samt ihren zahlreichen Milieus. Dazu gehört die Polizistin Romina Winter, die als erste Romni die Berliner Polizeiakademie absolviert hat und in einer Einbruchserie ermittelt. Plötzlich verschwindet ihre Schwester und taucht einen Tag später brutal zusammengeschlagen wieder auf. Währenddessen steigen drei junge Georgier, Koba, Levan und Toma, im Auftrag ihrer Bosse in die Vorstadthäuser reicher Berliner ein und rauben Schmuck, Uhren und Bargeld. Bis ein Missgeschick passiert. Ein ungesundes Interesse am Leben der schönen und reichen Berliner hat auch Jacques Lippold, ein kunstsinniger Hochstapler, dem im Gefängnis seine Luxusuhr gestohlen wurde und der auf Rache sinnt. Ein Krimi, den man nicht so schnell aus der Hand legt. (gar)

Johannes Groschupf: „Skin City“, Suhrkamp-Verlag, 231 Seiten, 17,95 Euro

Claudia Piñeiro: „Die Zeit der Fliegen“ 

Inés ist frisch aus dem Gefängnis entlassen, 15 Jahre hatte sie bekommen für die Tötung der Geliebten ihres Mannes. Während dieser Zeit hat sie sich über Insekten schlau gemacht – vielleicht, weil sie aus einem Augenwinkel ständig eine Fliege sieht, die nicht wegzukriegen ist – und eröffnet gemeinsam mit ihrer ehemaligen Zellenkollegin Manca ein Zwei-Frau-Unternehmen. Inés ist für die biologische Schädlingsbekämpfung zuständig, Manca betreibt detektivische Recherchen. Die Welt hat sich in diesen 15 Jahren verändert, stellen die beiden fest, vor allem die Sprachcodes und die Frauen, die „unablässig ihre Forderungen“ gestellt haben, was irgendwann doch gefruchtet zu haben scheint. Eine Kundin aus dem Reichenviertel erkennt Inés von den damaligen Zeitungsberichten und macht ihr ein unmoralisches Angebot. Ein witziger und spannender Roman mit feministischem Ansatz aus Argentinien. (lin)

Claudia Piñeiro: „Die Zeit der Fliegen“, übersetzt von Silke Kleemann, Unionsverlag, 352 Seiten, 25,95 Euro

Tom Hillenbrand: „Thanatopia“ 

Im Jahr 2095 wird eine tote Frau aus der Donau geborgen. Kurz darauf taucht eine zweite Leiche auf, die der ersten bis aufs Haar gleicht. Kommissar Wenzel Landauer wird bald klar, dass es sich bei den Toten um „Gefäße“ handelt, also geklonte Körper, in die digitalisierte menschliche Gehirne („Cogits“) eingesetzt werden können. Mit diesen Gefäßen können Menschen, die ihr organisches Gehirn durch ein digitales haben ersetzen lassen („Quants“), für vier Wochen ihre „Stammkörper“ verlassen. Klingt verwirrend? Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn selten zuvor wurde man auf derart intelligente Weise aus der realen Welt entführt. „Thanatopia“ ist der dritte Band aus Tom Hillenbrands Hologrammatica-Welt. Die Lektüre von „Hologrammatica“ und „Qube“ empfiehlt sich als Einstieg. (phu)

 Tom Hillenbrand: „Thanatopia“, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 384 Seiten, 19,95 Euro

Liz Moore: „Der Gott des Waldes“

Eine Familie, aus der binnen 15 Jahren zwei Kinder verschwinden. Mysteriös – zumal diese Familie auf ihrem Grundstück seit Jahrzehnten ein Sommercamp betreibt, zu dem viele Upperclass-Kinder kommen. Die Geschichte pendelt zwischen den 1950er-Jahren und Sommer 1975, mit großem Personal und viel Raum zur Entfaltung. Verdächtig ist jeder, auch ein kürzlich geflohener Häftling. Es ist gewissermaßen ein Zeitstück, das Liz Moore vorlegt. Ihre Frauenfiguren wie auch die Männer am Rand der („besseren“) Gesellschaft untersucht Moore genauer, und sie zeigt, woraus die härteste Währung besteht: Status, Macht und Geld. Mit nichts davon kann man jedoch Integrität oder Menschlichkeit kaufen. Liz Moore weiß, wie Nervenkitzel geht – das bestätigt nicht nur Stephen Kings Zitat auf dem Cover. (ab)

Liz Moore: „Der Gott des Waldes“, übersetzt von Cornelius Hartz, Verlag C. H. Beck, 590 Seiten, 27,50 Euro

Margaret Doody: „Mord im alten Athen“

Schwer lasten die Sorgen auf Stephanos. Nach dem Tod des Vaters muss er mit 22 Jahren die Rolle des Familienoberhaupts übernehmen. Die Finanzen sind knapp, dann wird sein Cousin Philemon, der einst wegen eines Totschlags ins Exil verwiesen worden war, des Mordes an dem wohlhabenden Geschäftsmann Boutades beschuldigt. In den Augen der Öffentlichkeit ist Philemon schnell vorverurteilt. Da sucht Stephanos bei seinem alten Lehrer Aristoteles Trost und Rat, und der Meister der Philosophie stürzt sich mit Gusto in die Aufgabe, aus der Theorie Praxis zu machen. Die kanadische Literaturprofessorin Margaret Doody begann 1978 mit Aristoteles als Ermittler eine ebenso geistreiche wie unterhaltsame Krimiserie, auf deren Fortsetzung man sich nach dem ersten Band schon freuen darf. Ein Lesevergnügen. (gar)

Margaret Doody: „Mord im alten Athen“, übersetzt von Christine Frauendorf-Mössel, Kampa-Verlag, 328 Seiten, 25,95 Euro

Max Annas: „Tanz im Dunkel“ 

Köln, im Dezember 1959: Die ersten Rock‘n‘Roll-Platten haben es über den Atlantik geschafft. Doch so wie die Wunden des Kriegs noch allgegenwärtig sind, sind auch die alten Nazis nicht verschwunden. Als auf eine Synagoge ein Hakenkreuz geschmiert wird, steht die junge Bundesrepublik unter Schock. Zugleich nimmt ein Killer selbst das Gesetz in die Hand. In der vom Krieg weitgehend zerstörten Rhein-Metropole haust das Böse im selben Haus, in dem drei junge Menschen bei harmlosem Tanzvergnügen die ersten zarten Knospen der Liebe entdecken, aber auch ihre Bitternis schmecken müssen. Atmosphärisch unheimlich dicht und mit einer Sprache so hart und präzise wie Pistolenschüsse lenkt Max Annas in seinem neuen Buch alles auf einen gewaltigen Showdown hin. Man sollte es sich nicht entgehen lassen. (gar)

Max Annas: „Tanz im Dunkel“, Suhrkamp-Verlag, 246 Seiten, 17,95 Euro

Dana Stabenow: „Weit draußen in Alaska“

Eines schönen Morgens im Katmai-Nationalpark in Alaska schultert Roger McAniff seine neue Winchester, verlässt sein Haus in der kleinen Stadt Niniltna und erschießt in einem Amoklauf neun Menschen. Als sich herausstellt, dass eine der Toten, Lisa Getty, mit einem anderen Gewehr getötet wurde, wird das ein Fall für Kate Shugak. Die ehemalige Ermittlerin für die Staatsanwaltschaft Anchorage und gebürtige Aleutin lebt mit ihrer Wolfshündin Mutt zurückgezogen im Nationalpark. Autorin Dana Stabenow wurde für ihre Krimis rund um die beiden spröden Heldinnen Kate und Mutt mit dem Edgar-Award ausgezeichnet: Spannung trifft auf beeindruckende Naturschilderungen und Einblicke in ein hartes Leben, in dem „die Saat des Wahnsinns in jedem von ihnen angelegt war, eine Saat, die in Dunkelheit gezogen und von der eisigen Milch eines schier endlosen Winters genährt“ wird. (do)

Dana Stabenow: „Weit draußen in Alaska – Ein Fall für Kate Shugak“, übersetzt von Mechtild Ciletti, Kampa-Verlag, 240 Seiten, 19,95 Euro

Caro Carver: „Bad Tourists“

Sie kennen einander nicht lang, dennoch bezeichnen sie sich als Freundinnen: Darcy, Camilla und Kate. Die drei Frauen eint ein grausames Ereignis aus ihrer Vergangenheit: Kate überlebte einst in der britischen Einöde einen Massenmord, bei dem Darcy und Camilla Angehörige verloren. Viele Jahre später sprechen die drei Frauen aus, was sie seit Jahren umtreibt: Die Ermittlungen wurden damals stümperhaft geführt, der wahre Mörder ist noch immer auf freiem Fuß. Ein Privatdetektiv soll den Fall wieder aufrollen, während Darcy ihre neuen Freundinnen auf die Malediven einlädt, um ihre Scheidung zu feiern. Und dort, im Paradies, braut sich ein perfekter Sturm zusammen: Die Grenzen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart verwischen. So auch die Grenzen zwischen den vielen Lügen und Geheimnissen der Freundinnen. Ein Thriller für heiße Tage. (duö)

Caro Carver: „Bad Tourists“, übersetzt von Janine Malz, Fischer-Verlag, 448 Seiten, 18 Euro

M. W. Craven: „Der Gourmet“ 

Vor sechs Jahren hat Washington Poe den Spitzenkoch Jared Keaton wegen Mordes an dessen Tochter Elizabeth ins Gefängnis gebracht – allerdings ohne jemals die Leiche gefunden zu haben. Nun taucht Elizabeth wieder auf, ein Bluttest bestätigt ihre Identität. Doch Poe bleibt bei seiner Theorie. Denn Jared Keaton ist der gefährlichste Mann, dem er je begegnet ist („Als Koch ein Genie. Keinerlei Gewissen“). Allerdings muss Poe das Rätsel aller Rätsel lösen: Wie kann jemand gleichzeitig tot und am Leben sein? M. W. Craven bietet auch im dritten auf Deutsch erschienenen Teil der Serie rund um das Raubein Washington Poe Hochspannung, überraschende Wendungen und knifflige Rätsel. Dabei helfen ihm seine ebenso genialen wie sozial unterbelichteten Mitstreiterinnen, das Mathematikgenie Tilly Bradshaw und die forensische Pathologin Estelle Doyle. (do)

M. W. Craven: „Der Gourmet“, übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger, Droemer-Verlag, 442 Seiten, 17,95 Euro

Theresa Prammer: „Ausgespielt“ 

„Ausgespielt“ haben die Figuren in Theresa Prammers Thriller auf mehrfache Weise: Frauen, die über eine Agentur einen Partner suchen und dabei ihr Leben verlieren; Männer, die Frauen betrügen und belügen. Eine Serie aus brutalen Frauenmorden, die irgendwann aufhört, und nach mehr als dreißig Jahren wieder beginnt: Diese Thriller-Ingredienzien variiert die erfolgreiche österreichische Autorin auf beachtliche Weise. Kommissarin Olivia Dorn schlüpft als verdeckte Ermittlerin in diverse Rollen, zuerst ist sie eine abgehalfterte Bardame im Laufhaus, dann soll sie sich in die Partneragentur einschleusen. Man erkennt, dass Theresa Prammer selbst Schauspielerin und Regisseurin ist. Immer wieder wird man auf eine falsche Fährte gelockt, immer wieder nimmt die Handlung unerwartete Wendungen, bis sich die Fallstricke zuziehen – in jeder Beziehung. (cle)

Theresa Prammer: „Ausgespielt“, Insel-Verlag, 412 Seiten, 12,95 Euro

Dirk Schmidt: „Die Kurve“

Einst leitete Carl das legendäre Jugendzentrum „Die Kurve“, ehe er beschloss, dort Mitarbeiter für ein kriminelles Unternehmen zu rekrutieren. Zu diesen zählen auch Ridley, der dabei ist, sich in eine Prostituierte zu verlieben, und Betty, die aus Verzweiflung ein Kleinkind entführt hat. Der deutsche Autor Dirk Schmidt hat ein Buch mit Ecken und Kanten geschrieben. Im Fokus stehen die Charaktere, die Handlung gerät in den Hintergrund. Die vielen Erzählperspektiven mögen manchmal ein wenig unübersichtlich sein, aber so erschafft sich Schmidt eine eigene Welt mit interessanten Figuren, von denen man gern mehr lesen würde. Er zeigt viel Sympathie für verlorene Seelen, die trotz ihrer schmutzigen Tätigkeit um ihre Menschlichkeit kämpfen. (phu)

Dirk Schmidt: „Die Kurve“, Suhrkamp-Verlag, 275 Seiten, 17,95 Euro

J. Robert Lennon: „Hard Girls“

Ein vermeintliches Werbe-E-Mail katapultiert Jane zurück in ihre Vergangenheit, zu ihrer Zwillingsschwester Lila, und schon geht eine wilde Spionagereise los: Wohin ist ihre Mutter, eine Diplomatentochter, einst abgetaucht, und welche Rolle hat ihr Vater, der vermeintlich zerstreute Professor, in Wirklichkeit gespielt? Wieso beherrschen die Schwestern die Kunst des Tarnens und Täuschens? Und was ist mit dem Highschool-Schauspiellehrer passiert? Der amerikanische Autor J. Robert Lennon legt in seinem Thriller „Hard Girls“ einige Fäden aus, um sie am Ende alle zusammenlaufen zu lassen. Der Weg dorthin ist steinig, rasant und riskant, aber ihn zu gehen lohnt sich für die Leser auf jeden Fall. (ab)

J. Robert Lennon: „Hard Girls“, übersetzt von Stefan Lux, Suhrkamp, 416 Seiten, 18,95 Euro

Dolores Redondo: „Wenn das Wasser steigt“

Verbissen verfolgt Inspector Noah Scott die Aufklärung einer Serie von Frauenmorden in Glasgow, die seine Kollegen gern längst zu den Akten gelegt hätten. Selbst als der Arzt ihm mitteilt, dass er nur mehr wenige Monate zu leben hat, und ihm strengste Ruhe verordnet, ist er nicht zu stoppen. Um Haaresbreite entwischt ihm der Killer, doch Scott findet ihn in Bilbao wieder. Hier muss der Inspector erkennen, dass er nicht der einzige Ermittler in der englischsprachigen Gemeinde ist: Die irische IRA versorgt nämlich die baskische ETA mit Waffen für Terroranschläge. In einem packenden Wettlauf macht sich Scott auf, einen weiteren Mord zu verhindern, während ein historisches Hochwasser die Stadt zu verschlingen droht. Redondo packt viel in einen spannenden und facettenreichen Thriller. (gar)

Dolores Redondo: „Wenn das Wasser steigt“, übersetzt von Anja Rüdiger, BTB-Taschenbuch, 565 Seiten, 17,95 Euro

A. A. Milne: „Das Geheimnis des roten Hauses“

Ehe er mit Winnie-the-Pooh eine Figur der Weltliteratur schuf, versuchte sich A. A. Milne in verschiedensten Genres, darunter auch als Krimiautor. 1922 erstmals veröffentlicht, ist „Das Geheimnis des roten Hauses“ ein englisches Kammerspiel in einem Landhaus mit vertrautem Personal – reicher Erbe, verruchter Bruder, Witwe mit heiratsfähiger Tochter, herrische Haushälterin – und alles in der gewohnten Atmosphäre von abgewetzter Noblesse und saftiger Parklandschaft. Ein plötzlicher Mord ist bereits der Höhepunkt an Handlung, der Reiz dieses amüsanten Krimis liegt in seiner Auflösung, für die der Leser mit Hinweisen auf so manche (falsche) Fährte geschickt wird. Milne konstruiert die Lösung geschickt als Denksportaufgabe, die erkennen lässt, dass der Autor einst Mathematik und Logik studiert hat. (gar)

A. A. Milne: „Das Geheimnis des roten Hauses“, übersetzt von Elisabeth Simon, Dörlemann-Verlag, 256 Seiten, 20,95 Euro

Stuart Turton: „Der letzte Mord am Ende der Welt“

Nach einer globalen Katastrophe leben nur noch 122 Menschen auf einer Insel scheinbar friedvoll miteinander, umgeben von einem tödlichen Nebel. Geführt wird diese Gemeinschaft von den drei „Ältesten“, deren Autorität nur von der jungen Emory hinterfragt wird. Stück für Stück offenbart der britische Autor Stuart Turton ein Inselgeheimnis nach dem anderen. Immer wieder betrachtet man die Bewohner mit neuem Blick. Was am Anfang wie ein klassischer Krimi in apokalyptischem Setting wirkt, entpuppt sich als deutlich tiefgehender. Stuart Turton hat ausgefeilte Täuschung und Verwirrung zu seinem Markenzeichen gemacht, so auch in „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“. Nach der Lektüre von „Der letzte Mord am Ende der Welt“ hat man viel über das Menschsein nachgedacht. (phu)

Stuart Turton: „Der letzte Mord am Ende der Welt“, übersetzt von Dorothee Merkel, Tropen-Verlag, 454 Seiten, 26,95 Euro

Ingar Johnsrud: „Echokammer“ 

Norwegen befindet sich mitten in einem schmutzigen Wahlkampf, die Arbeiterpartei liegt dank der harten Immigrationslinie ihrer ehrgeizigen Vizechefin voran. Da deckt die Polizei Anschlagspläne einer rechten Terrorgruppe auf, die offenbar über die Biowaffe Rizin verfügt. Das ungleiche Ermittlerduo Liselott Benjamin, ehemalige Geiselunterhändlerin, und Martin Tong, brillanter Anti-Terror-Experte mit einem Alkoholproblem, übernehmen. Ingar Johnsrud greift in diesem packenden Thriller Norwegens tiefsitzende Angst vor rechtem Terror auf und verbindet die erstaunlichsten Fäden: von vermögenden Kreisen, die eine neue Weltordnung herbeisehnen, bis zu Terroristen, die im Kampf gegen den Islamischen Staat in Syrien zu gewissenlosen Tötungsmaschinen wurden. „Echokammer“ ist der preisgekrönte Auftakt zu einer Trilogie. (do)

Ingar Johnsrud: „Echokammer“, übersetzt von Daniela Stilzebach, Droemer-Verlag, 448 Seiten, 17,95 Euro

Sarah Goodwin: „Die Yacht“

Sie sind alte Freunde, die immer den Jahreswechsel gemeinsam feiern, auch wenn ihre Leben kaum unterschiedlicher sein könnten: Libby hat unglaublich reich geheiratet, Mags ein erfolgreiches Modelabel aufgezogen und Harry ist Künstler geworden. Nur Hannah hat einen schlecht bezahlten Job und ist als Loser abgestempelt. Dass die Nobelparty auf der Yacht, zu der die scheinbar superreiche Libby einlädt, außer Kontrolle gerät, ist programmiert. Nach einer exzessiven Nacht wird eine Person vermisst, keiner kann das Boot steuern. Was folgt, sind Vorhaltungen, Misstrauen und Handgreiflichkeiten – und der Kampf ums Überleben. Auch wenn einiges in diesem Krimi überzogen ist, hat Sarah Goodwin überraschende Wendungen eingebaut, die dafür entschädigen. (zoe)

Sarah Goodwin: „Die Yacht“, übersetzt von Holger Hanowell, Lübbe-Verlag, 400 Seiten, 14,95 Euro

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