Die Sommerferien nahen und damit laufen auch in der Gesamtkirchengemeinde Syke-Barrien-Heiligenfelde die Vorbereitungen für die Sommergottesdienste. Im Mittelpunkt stehen dabei Bücher, die die Pastoren gerne gelesen haben und über die sie an sechs Sonntagen sprechen werden. Wie lange die Kirchengemeinde diese Art von Gottesdiensten schon anbietet, darüber herrscht Uneinigkeit. Elf Jahre oder sind es doch schon 15 Jahre? „Aber es ist auf jeden Fall eine Erfolgsgeschichte“, sagt Pastorin Katja Hedel. Nicht nur die Mitglieder der Kirchengemeinde kommen, sondern auch Besucher aus der gesamten Region.
Das liege wohl daran, dass „immer ein ganzes Potpourri von Themen“ in diesen Gottesdiensten besprochen werden, überlegt Katja Hedel laut. Und, dass es in diesen Gottesdiensten nicht zuvorderst um Glaubensfragen, sondern um Lebensfragen gehe, fügt Pastorin Albertje van der Mer hinzu. „Das kommt an“, ist sie überzeugt. Auch in diesem Jahr haben die Besucher Gelegenheit, wieder eine Vielfalt von Themen zu besprechen. Von Sonntag, 6. Juli, bis Sonntag, 10. August, bietet die Gesamtkirchengemeinde jeden Sonntag ab 10 Uhr einen Gottesdienst. „Wir wandern dabei von Kirche zu Kirche“, sagt Pastorin Katja Hedel. Los geht es in Heiligenfelde, der Schlusspunkt wird in Syke gesetzt. In jeder Kirche finden zwei Literaturgottesdienste statt.
Michaelskirche Heiligenfelde, 6. Juli, 10 Uhr, Katja Hermsmeyer – Trude Teigen: Als Großmutter im Regen tanzte

Trude Teige: Als Großmutter im Regen tanzte
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Fischer Verlag
„Dieses Buch kommt mit einem lieblichen Cover daher, doch es hat es in sich“, sagt Katja Hermsmeyer über ihre Auswahl. Das Buch beginnt in der Gegenwart. Juni kehrt ins Haus ihrer verstorbenen Großeltern auf einer kleinen norwegischen Insel zurück. Dort entdeckt sie ein Foto: Es zeigt ihre Großmutter Tekla als junge Frau mit einem deutschen Soldaten. Wer ist der unbekannte Mann? Ihre Mutter kann Juni auch nicht mehr fragen, also beginnt sie selbst nachzuforschen.
Die Suche nach der Wahrheit führt Juni nach Berlin und in die kleine Stadt Demmin im Osten Deutschlands, die nach der Kapitulation von der russischen Armee überrannt wurde. Juni begreift, dass es um viel mehr geht als um eine verheimlichte Liebe. „Was bestimmt uns? Was prägt uns, ohne, dass wir es wissen, weil nie darüber gesprochen wurde?“ Das seien Fragen, denen sie anhand dieses Buches nachspüren will, sagt Katja Hermsmeyer.
St. Bartholomäuskirche Barrien, 13. Juli, 10 Uhr, Pastorin Susanne Heinemeyer – Caroline Wahl: 22 Bahnen

Caroline Wahl: 22 Bahnen
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Dumont Verlag
Einen Coming-of-Age-Roman, „mit ganz viel Lebensfreude“ hat sich Susanne Heinemeyer ausgesucht. „22 Bahnen“ erzählt die Geschichte von Tilda. Tildas Tage sind strikt durchgetaktet: studieren, an der Supermarktkasse sitzen, sich um ihre kleine Schwester Ida kümmern und an schlechten Tagen auch um die alkoholkranke Mutter. Tilda hasst die Kleinstadt, in der sie lebt. Ihre Freunde sind längst weg, leben in Amsterdam oder Berlin. Tilda ist geblieben, denn irgendjemand muss für Ida da sein, Geld verdienen, die Verantwortung tragen. Eines Tages aber geraten die Dinge in Bewegung: Tilda bekommt eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt, und es blitzt eine Zukunft auf, die Freiheit verspricht. „Diese Zusammenfassung lässt an ein schweres Buch mit harten Themen denken“, sagt Susanne Heinemeyer über ihre Auswahl. Und ja, das sei es auch, aber die Protagonistin „beherrscht die Kunst, nicht darin unterzugehen.“ Das habe sie sehr gereizt.
Christuskirche Syke, 20. Juli, 10 Uhr, Pastorin Albertje van der Meer – Aline Brenk: Von Enden und Anfängen und allem dazwischen
Albertje van der Meer hat sich ein Buch ausgesucht, das sie in ihrer aktuellen Lebenssituation sehr angesprochen habe, bekennt sie. Im November wird sie in den Ruhestand gehen und damit „verschwinden“. Genau davon handele auch das Buch der Sykerin Aline Brenk, die sie schon lange kenne. Eine Nacht, ein Schnellrestaurant und vier Gläser Mangosaft. Zwei Menschen, die nicht da sind, wo sie hingehören und eine Hauptfigur, die beschlossen hatte, zu verschwinden. Oder? Die Handlung dieses Buches erstrecke sich über eine halbe Stunde – und doch beinhalte sie sehr viel mehr. Es sei eine Geschichte über nichts Bestimmtes und viele Geschichten über alles Mögliche. Anfänge, Enden, davor und danach. „Es lässt sich schwer einem Genre zuordnen“, verrät sie. Vielmehr seien es Gedanken, die fließen. „Das finde ich ganz spannend“, bekennt sie und räumt gleichzeitig ein, dass sie nicht erwarte, dass alle dasselbe darin finden, wie sie. Doch es gebe viele Anknüpfungspunkte. „Gibt es einen Plan, wonach mein Leben verläuft? Und wenn ja, wer macht den? Oder ist es einfach, wie es ist?“ Fragen, denen sie mit den Besuchern des Gottesdienstes auf den Grund gehen will.
Michaelskirche Heiligenfelde, 27. Juli, 10 Uhr, Lektorin Birgit Fellermann – Lucy Maud Montgomery: Anne auf Green Gables

Lucy Maud Montgomery: Anne auf Green Gables
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Anaconda Verlag
Einen Klassiker der Kinderbuchliteratur hat sich Lektorin Birgit Fellermann ausgesucht. „Weil ich auch die Familien und die Konfirmanden ansprechen möchte“, sagt sie zu ihrer Auswahl. In dem über 100 Jahre alten, aber zeitlosen Buch kommt das Waisenkind Anne Shirley zu den Geschwistern Marilla und Matthew Cuthbert nach Green Gables auf Prince Edward Island. Dort gewinnt Anne mit ihrer charmanten Art, ihrer Kreativität und ihrem großen Herzen bald die Herzen der Einwohner. Das Buch erzählt von ihren Abenteuern, ihren Freundschaften, ihren Träumen und Herausforderungen, die sie auf ihrem Weg meistert. Ein Weg, der Birgit Fellermann schwer beeindruckt hat. Denn, was das Pflegekind Anne erlebt habe, hätte andere zerbrechen lassen, ist sie überzeugt. Doch Anne Shirley deute alles, was ihr passiert ins Positive. Ihre Fantasie ermögliche es ihr, ihr Herz zu bewahren. Und: „Jedes Mal, wenn ich es gelesen habe, habe ich etwas Neues gefunden.“
St. Bartholomäuskirche Barrien, 3. August, 10 Uhr, Pastorin Katja Hedel – Amanda Peters: Beeren pflücken
Der Ratschlag, ein Buch niemals nach seinem Einschlag zu beurteilen, gelte auch bei der Wahl von Katja Hedel sagt sie selbst. „Beeren pflücken“, der Debütroman von Amanda Peters, erzählt, wie ein dramatisches Ereignis das Leben mehrerer Menschen über Jahrzehnte hinweg beeinflusst.
Juli 1962. Eine Mi’kmaq-Familie aus Nova Scotia kommt in Maine an, um den Sommer über Blaubeeren zu pflücken. Einige Wochen später ist die vierjährige Ruthie verschwunden. Sie wird zuletzt von ihrem sechsjährigen Bruder Joe gesehen, als sie auf ihrem Lieblingsstein am Rande eines Beerenfeldes sitzt. Ihr Verschwinden wirft Rätsel auf, die Joe und seine Familie verfolgen und fast 50 Jahre lang ungelöst bleiben. Derweil wächst in Maine ein Mädchen namens Norma als Einzelkind in einer wohlhabenden Familie auf. Ihr Vater ist emotional distanziert, ihre Mutter erdrückend überfürsorglich. Norma wird oft von wiederkehrenden Träumen geplagt. Mit zunehmendem Alter ahnt sie, dass ihre Eltern ihr etwas verheimlichen. „Trauer, Schuld, Zerrissenheit, Hoffnung und Sehnsucht – das sind die Gefühle, die diesen Roman bestimmen“, sagt Katja Hedel. Und davon habe sie sich gern mitnehmen lassen. Sie will mit den Besuchern des Gottesdienstes dem nachgehen, was es heißt, wenn Lebensbiografien durch dramatische Ereignisse aus den Fugen geraten und wie man vielleicht trotzdem nie die Hoffnung verliert.
Christuskirche Syke, 10. August, 10 Uhr, Pastor Christian Kopp – Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues
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Kiepenheuer & Witsch Verlag
Einen Klassiker der Weltliteratur hat Pastor Christian Kopp sich ausgesucht, den er für zeitlos aktuell hält. Eben noch hat Paul Bäumer die Schulbank gedrückt, nun liegt er in den Schützengräben an der Westfront. Sein Lehrer hatte ihm glühende Vorträge über Heldentum und die Liebe zum Vaterland gehalten – und jetzt spürt er die ganze Sinnlosigkeit des Krieges, die Angst vor dem Tod und das Sterben seiner Kameraden. „Wie sinnlos ist alles, was je geschrieben, getan, gedacht wurde, wenn so etwas möglich ist! Es muss alles gelogen und belanglos sein, wenn die Kultur von Jahrtausenden nicht einmal verhindern konnte, dass diese Ströme von Blut vergossen wurden.“