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Annemarie Strähhuber mit ihrer Tochter Ruth und dem früheren Jexhof-Leiter Reinhard Jakob, der Herausgeber des Buches ist. Die Schafe hinten sind die ehemaligen Jexhof-Schafe. © Osman
35 Jahre lang hat Annemarie Strähhuber am Jexhof „Geisterlesungen“ veranstaltet. Nun hat sie die Geschichten in einem Buch zusammengefasst – damit sie nicht verloren geht.
Rottbach/Schöngeising – „Am Jexhof erzählt.“ heißt das 107-Seiten-Werk. Den Punkt hinter dem Titel darf man symbolisch als Schlusspunkt verstehen, denn Lesungen am Jexhof wird es von Annemarie Strähhuber bis auf Weiteres nicht mehr geben. Die Museumsleitung hat gewechselt, aus dem Team sind bekannte Gesichter verschwunden.
Die 83-Jährige hatte jedoch keine Mühe, für die Präsentation ihres Buches einen alternativen Veranstaltungsort zu finden – eine große luftige Scheune auf dem Gelände der Pferdehaltung von Ruth Strähhuber in Rottbach. Die zahlreichen Besucher, die sich auf einem Sammelsurium an Stühlen und Sitzbänken niederließen, konnten feststellen, dass Spukgeschichten nicht nur in Novembernächten ihre Wirkung entfalten. Auch an einem Sommerabend lässt es sich trefflich gruseln, wenn im Ampermoos ein Gespenst ortsunkundige Wanderer ins Verderben lockt. Wenn Germeringer Kuhhirten von Geisterhunden verfolgt werden oder man um Mitternacht im Wald bei Oberweikertshofen dem furchteinflößenden „Kreischer“ begegnet.
Die leidenschaftliche Vorleserin verlieh mit ihrer dunklen Stimme den Geschichten die passende Atmosphäre, hier und da angereichert durch akustische Akzente von Enkelin Hannah Stupitzky, die ihre Jazzgeige klingen ließ wie eine knarzende Tür oder ein unheimliches Geräusch aus dem Wald. Für weitere musikalische Auflockerung sorgte ein Duo, das Annemarie Strähhuber über 20 Jahre lang bei ihren Lesungen begleitet hat – Ehemann Alfons an der Gitarre und Karl Grassi an der Zither.
Einnahmen gehen an Jexhof-Förderverein
In dem von Ruth Strähhuber illustrierten Buch findet man zu den Geschichten auch den Kontext aus Historie, Volks- und Aberglauben. So galt früher die Nacht auf den 2. November als Freinacht. Es hieß, dass unerlöste Seelen aus den Gräbern steigen und ihre Familien besuchen würden. Man stellte ihnen Essen bereit und unterließ geräuschvolle Tätigkeiten.
Jeder hatte von jungen Männern gehört, die sich trotz des ungeschriebenen Verbots zum „Kammafensterln“ aufmachten und unterwegs von Geistern heimgesucht wurden. Manchmal lagen den Schauergeschichten praktische Erwägungen zugrunde: Kindern machte man mit Erzählungen von Moorgeistern Angst, damit sie sich von gefährlichem Sumpfgelände fernhielten.
„Es ist ein Buch für alle Sinne geworden“, sagt Ruth Strähhuber. Die Seiten sind in gedeckten Farben gehalten, die Bilder und Fotos wirken wie durch Nebel verschleiert. Gedruckt wurde auf Recyclingpapier in einer Öko-Druckerei. Herausgeber ist der frühere Museumsleiter Reinhard Jakob, finanziert wurde das Projekt vom Förderverein Jexhof, an den die Einnahmen aus dem Buchverkauf zurückfließen.
Kaufen kann man das Buch in den Buchhandlungen in Olching und Eichenau für 20 Euro. Über den Jexhof-Förderverein (E-Mail an foerderjex@gmx.de) kann man es zu 15 Euro zuzüglich Versandkosten bestellen.
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