Initiativen wie der Ernährungsrat Münster fordern eine klimafreundliche und gesundheitsfördernde Kita- und Schulverpflegung. (Foto: Fotos: Ernährungsrat Münster)

Drei Jahre nach Einreichung wartet ein Bürgerantrag zur Kita- und Schulverpflegung in Münster noch immer auf eine Entscheidung. Aktivisten machten am Mittwoch mit einer ungewöhnlichen Protestaktion vor dem Stadtweinhaus auf die Untätigkeit der Verwaltung aufmerksam. Ein über drei Meter hohes Skelett stand vor dem Rathaus – ein Symbol für das lange Warten. Auf einem Banner war zu lesen: „Er hat auf mehr Klimaschutz gewartet“.

Der Bürgerantrag stammt vom Ernährungsrat Münster, der Initiative „Münster isst veggie“ und dem Aktionsbündnis „Pestizidfreies Münster“. Die Organisationen fordern gesundheitsfördernde und nachhaltige Verpflegung in Kitas und Schulen. Lebensmittel sollen zu Beginn zur Hälfte, langfristig vollständig von Bio- oder Ökobetrieben aus der Region stammen. Für unvermeidbare Importprodukte wie Kakao oder Gewürze soll ausschließlich fairer Handel infrage kommen.

„Das ist mutlos, unambitioniert und nicht zukunftsfähig“

„Aktuell hält Münster an einem Bioanteil von 20 bis 30 Prozent fest. Das ist mutlos, unambitioniert und nicht zukunftsfähig“, kritisierte Marlies Quittmann. Andere Städte wie Freiburg, Essen oder Kopenhagen zeigten, dass mehr möglich sei.

Ein weiterer Bestandteil des Konzepts ist die drastische Reduktion von Fleisch und Fisch. Diese sollen laut Antrag nur noch maximal einmal pro Woche auf dem Speiseplan stehen – im Einklang mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die Caterer werden aufgefordert, sich diesen Standards anzupassen.

„Man verschanzt sich hinter komplexen Zuständigkeiten und vergaberechtlichen Hürden“

Auch der Klimaschutz spiele eine zentrale Rolle, so Heike Lehmann von „Münster isst veggie“: „Der Fleischkonsum macht rund ein Drittel aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus. Da die Stadt die Kita- und Schulverpflegung direkt und allein verantwortet, kann sie hier umgehend ihre Emissionen reduzieren. Münster will bis 2030 klimaneutral sein. Unsere Ideen tragen dazu bei. Umso unverständlicher ist es, dass der Rat den Vorschlag bisher einmal diskutiert hat. Stattdessen verschanzt man sich hinter komplexen Zuständigkeiten und vergaberechtlichen Hürden.“

Die Initiatoren haben konkrete Vorstellungen, wie der Wandel in der Verpflegung umgesetzt werden könnte. Eine Koordinierungsstelle soll Verantwortung bündeln und die Qualität sichern. Ein runder Tisch mit Beteiligten aus Jugend-, Schul- und Gesundheitsamt, Caterern, Leitungspersonal sowie Fachleuten und den Initiatoren selbst soll die Umsetzung begleiten.

Doch bis die Antragsteller tatsächlich mit am Tisch sitzen, dürfte es noch dauern. Auch bei der jüngsten Ratssitzung vor der Sommerpause fand sich der Antrag erneut nicht auf der Tagesordnung.