Fans in Frankfurt erleben mit der neuen Sängerin Emily Armstrong einen emotionalen Einstieg in die Show. Ein selbstironisches Song-Intro bringt viele zum Lachen.
Jahrelang haben Linkin Park-Fans auf diesen Tag gewartet, von dem manche wohl dachten, dass sie ihn nie mehr erleben würden. Da ertragen sie auch noch den Ballermann-Song, den die Band bei ihrem Konzert in Frankfurt selbstironisch als Intro einspielen lässt.
Die kalifornische Nu-Metal-Band spielt an diesem Dienstagabend das erste ihrer beiden Konzerte im Deutsche Bank-Park in Frankfurt. Schon Stunden zuvor füllt sich das Stadion mit mehrheitlich schwarz tragenden Fans. Wer hier ist, hat viel Geld auf den Tisch gelegt: Die Preise lagen weit über 100 Euro.
Um 20.55 Uhr betreten Linkin Park nacheinander die Bühne. Jubel brandet auf, als Emily Armstrong und Mike Shinoda hinzukommen und in Zehntausende strahlende Gesichter blicken. Die Band eröffnet das zweistündige Konzert mit „Somewhere I belong“. Viele Fans fragen sich, wie die alten Hits mit der neuen Sängerin wohl ankommen werden.
Dass Chester Bennington nicht zu ersetzen sein wird, ist allen klar. Der Sänger der Band hatte sich 2017 das Leben genommen, er war depressiv gewesen. Erst mit seinem Tod wurde deutlich, woher die Texte, die so oft von Düsternis und Bitterkeit handelten, wirklich rührten. Die Bandmitglieder, von denen Mike Shinoda die Rolle des Frontmanns eingenommen hat, erwähnen ihn mit keinem Wort.
Nur einmal halten sie die Erinnerung aufrecht, als Shinoda einen handgeschriebenen Zettel hervorkramt und auf Deutsch sagt: „Danke, dass ihr heute gekommen seid. Den nächsten Song widmen wir euch.“ Und die Band spielt „The Emptiness Machine“ vom neuen Album „From Zero“. Der Song ist so etwas wie der Übergang vom alten ins neue Zeitalter, der bekannte Sound, die neue Stimme.
Überhaupt, Emily Armstrong: Während Shinoda die erste Stunde gehört, in der die Songs mit langen Rap-Parts laufen, zeigt die 39-Jährige in der zweiten Hälfte der Show, dass sie eine würdige Nachfolgerin Benningtons ist. Bei „Numb“, bei „Faint“, bei „Bleed it out“ in der Zugabe – Armstrong trifft sie die Töne auch beim Screamen und Shouten, was so typisch für Benningtons Gesangsparts war. Die Wucht, mit der Armstrongs Stimme die Arena erfüllt, reißt auch die letzten Zweiflerinnen und Zweifler mit.
Shinoda sucht indes die Nähe zum Publikum: Er springt in den Bühnengraben, schenkt einem Fan seine Cap und lässt sich dafür eine Einhornmütze anreichen. Während der Zugabe trägt er ein Shirt von Eintracht Frankfurt – die Band spielt „Papercut“, „Heavy ist the crown““ und „Bleed it out“. Und Mike Shinoda taucht noch einmal ab in den Bühnengraben, um möglichst viele Hände zu schütteln.