1. Startseite
  2. Wirtschaft

DruckenTeilen

Neue Sanktionen der EU sollen Russlands Öl-Gewinne beschneiden. Der Ölpreisdeckel soll sinken. Allerdings gibt es eine Hürde für die EU.

Brüssel – Die niedrigen Ölpreise sorgen für Probleme in Russlands Wirtschaft. Erst kürzlich gab der Kreml bekannt, eine wichtige Finanzreserve anzapfen zu müssen, um die zu geringen Einnahmen zu kompensieren. Die jüngsten OPEC+-Entscheidungen beschneiden Russlands Gewinne noch zusätzlich. Mehrere wichtige russische Akteure warnten deutlich davor, dass die Kriegskasse schwächelt. Und jetzt kommt aus der EU neuer Druck in Form von härteren Sanktionen.

EU-Schlag gegen Russlands Wirtschaft – Öl-Preisdeckel schadet dem Kreml

Die Europäische Union könnte den wichtigen Preisdeckel auf russisches Öl weiter absenken. Offenbar sind die EU-Mitgliedsstaaten derzeit dabei, im Rahmen des 18. Sanktionspaketes einen neuen Vorschlag zur Verschärfung des Preisdeckels zu diskutieren. Aktuell liegt der Preisdeckel der G7-Nationen bei 60 US-Dollar pro Barrel. Jenseits dieser Preisgrenze dürfen westliche Käufer kein russisches Öl annehmen und auch keine Dienstleistungen für Schiffe bereitstellen, die russisches Öl für mehr als 60 Dollar pro Barrel transportieren.

Bildmontage aus Wladimir Putin und dem Berlaymont-Gebäude in Brüssel. Bildmontage aus Wladimir Putin und dem Berlaymont-Gebäude in Brüssel (Symbolfoto). Neue Sanktionen der EU sollen Russlands Öl-Gewinne beschneiden. Der Ölpreisdeckel soll sinken. Allerdings gibt es eine Hürde für die EU. © IMAGO / dts Nachrichtenagentur & IMAGO / ZUMA Press

Das Ziel des Preisdeckels ist es, Russland zu einem billigeren Verkauf seines Öls zu zwingen. Mit der neuen Mechanik wäre außerdem alle drei Monate eine Revision vorgesehen, um den Preisdeckel auf Basis von Marktpreisen anzupassen. Das berichtete das Nachrichtenportal Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache betraute Personen. Der aktuelle Plan sieht vor, dass der Preisdeckel rund 15 Prozent unterhalb der durchschnittlichen Marktpreise der jeweils vorigen zehn Wochen liegt.

Ausgehend davon würde der Preisdeckel zunächst auf 50 US-Dollar pro Barrel fallen. Die Quellen wollten dabei anonym bleiben. Ursprünglich war der Preisdeckel eine G7-Maßnahme, doch die USA haben sich seit Regierungswechsel als eher unzuverlässiger Sanktionspartner herausgestellt.

Angewiesen auf Öl-Exporte – EU-Preisdeckel trifft Russlands wirtschaftliche Achillesferse

Für Russland ist das ein erhebliches Problem. Zwar bestreitet der Kreml regelmäßig, dass westliche Sanktionen größere Auswirkungen auf Russlands Wirtschaft haben, aber die Zahlen sprechen dabei eine deutliche Sprache. Die Einnahmen aus dem Verkauf von fossilen Treibstoffen sind im zweiten Quartal 2025, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, um 18 Prozent eingebrochen. Laut dem Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) handelt es sich dabei um das schwächste Quartal seit der russischen Invasion im Februar 2022. Und das, obwohl Russland rein vom Volumen her acht Prozent mehr Öl exportierte.

Außerdem stellte CREA fest, dass Russland sich immer weniger auf die berüchtigte Schattenflotte verlässt, die eigentlich für die verlässliche Umgehung westlicher Sanktionen sorgen soll. Stattdessen transportieren Tankschiffe der sogenannten g7+ immer mehr russisches Öl. Die g7+ sind eine lose Sammlung von politisch instabilen Ländern. Zu den Gründungsmitgliedern gehören etwa Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo und Sierra Leone. Der Anteil von g7+ am russischen Öltransport beträgt mittlerweile 56 Prozent.

CREA spricht sich wiederholt für eine Verschärfung des Ölpreisdeckels aus – und eine rigorose Durchsetzung desselben. Wäre der Ölpreisdeckel „gründlich“ durchgesetzt worden, wären russische Exportgewinne um elf Prozent geringer ausgefallen (seit 2022).

Neuer Druck auf Russlands Ölmarkt – Sanktionen und Opec-Entscheidungen kosten Milliarden

Aus zwei weiteren Richtungen kommt zusätzlicher Druck auf Russlands Ölmarkt. Zum einen wirken sich die massiven Zölle der USA unter Präsident Donald Trump auf die globalen Marktpreise für Rohöl aus, indem sie für weitflächige Unsicherheit sorgen. Zum anderen wäre da die Förderausweitung des Ölförderkartells Opec+. Seit mehreren Monaten schraubt das Kartell die Ölproduktion hoch, was wegen der Sättigung des Marktes unweigerlich zu einem Absinken bei den Kaufpreisen führt. Im August soll die Produktion um 548.000 Barrel pro Tag steigen.

Besonders kritisch ist das für Russland, weil die Öl- und Gasexporte zu den wichtigsten Gütern des Landes gehören. Im Jahr 2024 machten die Gewinne aus Öl- und Gasverkäufen etwa 30 Prozent des Staatsbudgets aus. Bei der Jahreskalkulation ging Russland 2025 von einem wesentlich höheren Preis aus, als jetzt für seine Verkäufe abfällt. Aus diesem Grund musste Russland bei der Kalkulation bereits Anpassungen vornehmen.

Warnung für Russlands Wirtschaft – Kreml-Offizielle sehen Problemfelder

Einige Investitionen sind diesem Prozess bereits zum Opfer gefallen: Der Kreml musste entweder kürzen oder gar ganz streichen. Mittlerweile schlagen sogar Kreml-Offizielle diesbezüglich Alarm. Sowohl Elvira Nabiullina, Chefin von Russlands Zentralbank, also auch der russische Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow warnten im Juni, dass einige wichtige Finanzierungswerkzeuge, auf die sich der Kreml verlässt, beinahe erschöpft seien.

Wie geht es weiter? Aktuell hält die Slowakei das Fortkommen des 18. Sanktionspaketes auf und verlangt Zugeständnisse bei dem EU-Plan, sich von russischem Gas zu verabeschieden.