Peter Gatzweiler beschäftigt sich mit dem Fahrradparkhaus in Rothe Erde:
Für die Stadt Aachen wird es zeitlich nicht mehr möglich sein, das 2022 mit einer Machbarkeitsstudie begonnene und in 2023 beschlossene Projekt des Fahrradparkhauses in Aachen Rothe Erde bis Ende 2027 umzusetzen. Die Stadt wird die zugesagten Fördergelder zurückzahlen, immerhin rund 1,8 Millionen. Und das Parkhaus wird nicht gebaut. In den Stellungnahmen der unterschiedlichen Parteien zum Thema finden sich viele mögliche Gründe von den erforderlichen europaweiten Ausschreibungen bis hin zum Vorschlag, die Förderzeiträume zu verlängern. Was ich vermisse, ist die Selbsterkenntnis der Politik, dass sie sich selbst diese Fesseln auferlegt hat. Es ist höchste Zeit, dass die öffentliche Hand sich von all den Auflagen befreit, die sie massiv in ihrer Handlungsfähigkeit behindern und sich die Parteien parteiübergreifend, auch auf Bundesebene, dafür einsetzen, die Prozesse zu verschlanken.
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Der Streit um verweigerte Handwerkerparkausweise für Werkstattwagen beschäftigt unsere Leserinnen und Leser. Stefan Schulz merkt dazu an:
Es ist nicht mehr zu verstehen. Zuerst macht sich der Fachbereich lächerlich, indem er von den Pflegediensten, die in der Stadt ihre Klienten besuchen wollen, einen Einzelantrag verlangte, um in verbotene Bereiche fahren zu können. Was einen Verwaltungsaufwand darstellte, der jedes Mailkonto zum Bersten bringt. Nun die Handwerker, die einen Transporter haben müssen, um einen Handwerkerausweis zu bekommen. Wie war das noch gleich mit dem Verwaltungsirrsinn? Den wollten wir doch abbauen und unsere Energie für sinnvolle Dingen verwenden.
Christoph Clingen wird sarkastisch:
Wir Aachener können uns doch glücklich schätzen, eine so verwaltungsrechtlich versierte und führungskompetente Oberbürgermeisterin zu haben. Mit ihrem Ratschlag hat Frau Keupen eine ziemlich krumme Methode erfunden, einem Handwerker zu seinem erforderlichen Parkausweis zu verhelfen. Die restriktive Handhabung der Erteilung der Ausweise dient sicherlich der Reduzierung der Einnahmen aus der Gewerbesteuer, die zufällig an die Stadt Aachen gehen, aber Aachen ist auf dieses Geld ja nicht angewiesen. Auf der anderen Seite läuft sie einem Zirkusdirektor hinterher, der ganz klar gegen die Satzungen der Stadt verstoßen hat, und auf ihre Reaktion hin Forderungen stellt, als wären wir auf seine Kunst so versessen und die Verwaltung hätte zu Unrecht gehandelt.
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Zur Umsetzung des Radentscheids schreibt Wolfgang Bebronne:
Dass der Ausbau laut Team Radentscheid zu langsam vorangeht, muss man vielleicht auch mal positiv sehen. Es gibt wichtigere Dinge in Aachen, zum Beispiel im Sozialbereich, im Schulbereich, im Kulturbereich und so weiter, die zu finanzieren sind und Priorität haben (sollten). An für Radfahrer gefährlichen Stellen ist es ihnen wohl einmal zuzumuten, dass sie mal kurz absteigen und sicherheitshalber ihr Rad einige Meter schieben? Die ungenutzten Radbügel kann man auch wieder abmontieren und an anderer Stelle (Altstadt etc.) aufbauen, das spart Materialkosten und schont die Umwelt. Fahrradparkhäuser für teures Geld? Werden nicht oder kaum genutzt, 1,50 Euro sind zu teuer, man parkt lieber daneben auf dem Bürgersteig oder an einem Baum und stört Kinderwagen-/Rollatorfahrende, darüber ärgere ich mich immer wieder. Umbau Amsterdamer Ring, dafür werden 15 intakte Bäume gefällt, grünes Umweltdenken? Aber vielleicht ändert sich ab September die Verkehrspolitik, deshalb ist der langsame Ausbau zunächst zu begrüßen.
Grundsätzliche Gedanken zur Entwicklung der Stadt macht sich Klaus Schmidt:
Ich bin in Burtscheid geboren und am Fuße des Lousbergs aufgewachsen. Das Pontviertel war ,,mein“ Viertel, Aachen ,,meine“ Stadt. Sie ist es nicht mehr. Alteingesessene Geschäftsleute geben entnervt auf; wenn sie etwas von ,,Stärkung des lokalen Einzelhandels“ lesen, fühlen sie sich mindestens veräppelt. Die Baustellenkarte auf der Homepage der Stadt gleicht einem Wimmelbild. Wer sich engagiert, um seinen Betrieb am Laufen zu halten, dem werden von einem Sachbearbeiter Knüppel zwischen die Beine geworfen (Stichwort Handwerker-Parkausweis). Wohl nicht nur ich frage mich: Wer denkt sich so etwas aus unter den rund 6000 Angestellten der Verwaltung und bekommt vom Vorgesetzten auch noch das Okay? Wie weit muss jemand vom realen Leben entfernt sein, um meterbreite Routen für teures Geld rot lackieren zu lassen, damit alle drei Stunden ein Lastenfahrrad mit Zwillingen und dem soeben erworbenen neuen Schrank darüber rollen kann? Ich wohne seit drei Jahrzehnten in Richterich und entfliehe diesem Wahnsinn mittlerweile nach Kohlscheid, wo ich alles ohne Probleme erledigen kann. Nach Aachen fahre ich nur noch, wenn es sich nicht vermeiden lässt.
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Zur Diskussion über die Zukunft des Cineplex-Kinos in Aachen schreibt Rita Meiss:
Das geht gar nicht. Das Haus abzureißen und höher zu bauen mal wieder für Mauselöcher-Appartements. Hier zählt wieder nur der schnöde Mammon und nicht das Bild der Stadt. Das Kino passt wunderbar auf diesen Innenhof. Und ist auch ein Stückchen Kultur. Aber ich sage ja immer: Wir Bürger haben nichts zu sagen, die Investoren bestimmen das Stadtbild und die Stadt macht mit. Aber: Ist der Ruf erst ruiniert lebt‘s sich gänzlich ungeniert.
Jürgen Brilon vertritt diesen Standpunkt:
Ich glaube kaum, dass der Vater sonderlich glücklich wäre, wenn der Sohn seine Pläne umsetzte. Schließlich hat das renommierte Architekturbüro lngenhoven Overdiek und Partner seinerzeit das Kino mit der Ufa als Mieter geplant. Heute ist aus der städtebaulichen Problemzone zusammen mit dem wunderbaren Neubau von Kadawittfeld ein Prestigeobjekt geworden. lch hoffe wirklich, dass nicht wieder ein Frevel wie der Abriss des Kaufhauses Tietz am Markt oder der Abriss der Römertherme beim Neubau der Mayerschen verübt wird.
Zum Haus der Neugier meldet sich Hans Dieter Collinet zu Wort:
Bürgerengagement lohnt sich – vor allem uneigennütziges! Das ist die Erkenntnis aus dem Prozess zum Haus der Neugier. Erinnern wir uns. Noch Ende 2023 legte eine Ratsvorlage trotz eindeutiger gutachterlicher Empfehlungen nahe, die Entscheidung mit Ende offen zu verschieben. Vielleicht hatte man Angst vor den „Wutbürgern“, die über das 100-Millionen-Euro-Projekt herfallen würden. Es war dann das für viele Politiker überraschende bürgerschaftliche Engagement aus der Mitte der Gesellschaft von Initiative Aachen, Förderverein Aachen Fenster und Initiative Hotmannspief u.a. mit tollen Veranstaltungen, das zum Umdenken führte. Denn dieses Haus am städtebaulich besten Standort im ehemaligen Lust for Live-Gebäude ist die beste Investition in die Infrastruktur einer gefährdeten Demokratie.