Nach dem Brandanschlag auf die Bahnstrecke Düsseldorf-Duisburg ist die bundesweite Hauptlinie der Bahn wieder für den Zugverkehr freigegeben. Die Sperrung sei nach Reparatur der beschädigten Infrastruktur sowie Probefahrten auf der Strecke seit den frühen Morgenstunden aufgehoben, teilte ein Bahnsprecher mit. An der Strecke deponierte Brandsätze hatten die wichtige Nord-Süd-Verbindung seit Donnerstag lahmgelegt. 

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) geht davon aus, dass die Taten von Linksextremisten begangen worden sind. „So, wie unsere Behörden diesen Sabotageakt gerade lesen und verstehen, waren das Linksextremisten, die versuchen, uns in eine vorindustrielle Zeit zurück zu bomben“, sagte Reul. 

Die Gruppe „Kommando Angry Birds“, die sich dazu bekannt habe, „kennen unsere Behörden als linksextremistische Mitmach-Kampagne. Die hat in den letzten Jahren im Raum Düsseldorf schon mehrfach sabotiert.“

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So gingen Anschläge auf Telekommunikationsmasten in dem Ort Langenfeld/Erkrath und ein Tunnelbrand an der A46 auf das Konto der Gruppe. Die Ermittlungen würden mit hohem Aufwand geführt, seien aber nicht ganz einfach, weil es sich nicht um eine fest gefügte Gruppe handele. 

Auf die wichtige Nord-Süd-Strecke der Deutschen Bahn in Düsseldorf war am Freitag ein weiterer Brandanschlag verübt worden. Der Brandsatz habe die gleiche Machart wie der am Donnerstag entdeckte, und es sei erneut Schaden entstanden, teilte die Polizei der Deutschen Presse-Agentur am Freitag mit.

Die Ermittler werten das Deponieren der beiden Brandsätze an der wichtigen Nord-Süd-Strecke der Deutschen Bahn in Düsseldorf strafrechtlich als eine Tat, so die Polizei.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer sprach von einem „immensen Schaden“ und kündigte nachdrückliche Strafverfolgung an. „Das ist kein Dumme-Jungen-Streich, das ist kein Kavaliersdelikt. Das wird sehr genau angeguckt, die Spuren werden verfolgt“, sagte der Grünen-Politiker am Freitag nach einer Besichtigung der Anschlagsstelle. „Die Strafbehörden werden alles unternehmen, um die Verantwortlichen zu finden.“

Angesichts der vielen Tausend Kilometer Strecke könne sich die Bahn nicht komplett gegen Anschläge mit krimineller Energie sichern, sagte der NRW-Minister. Die laufende Digitalisierung des Bahn-Netzes werde aber künftig die Situation verbessern. „Dann sind solche Kabelangriffspunkte nicht mehr da“, sagte Krischer.

Der Anschlag zeige, „wie verletzlich unsere kritische Infrastruktur ist“, sagte Reul. Umso wichtiger sei es, die Täter zu finden.

Zugreisende auf der viel befahrenen Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg hatten sich seit Donnerstag in Geduld üben müssen. Tausende Pendler und in den Urlaub startende Reisende sahen sich infolge der Kabelbrände in Düsseldorf massiven Verkehrsbehinderungen ausgesetzt.

Auf der linken Plattform „Indymedia“ war ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Das „Kommando Angry Birds“ reklamiert darin die erste Tat für sich. „Vieles würde unendlich viel besser gehen ohne das industrielle System“, heißt es in dem Schreiben. Deswegen habe die Gruppe „eine Störung verursacht“.

Welche Auswirkungen gibt es in Nordrhein-Westfalen?

Ein Düsseldorfer Polizeisprecher bestätigte, dass den Behörden das Schreiben auch vorliege. Die Polizei geht bei dem Brand von Sabotage aus. Der Staatsschutz ermittelt. Die Täter hatten offenbar eine Zündvorrichtung in dem Kabeltunnel platziert.

Auf der Anzeigetafel im Duisburger Hauptbahnhof steht ein Hinweis zum defekten Stellwerk und den daraus resultierenden Ausfällen und Verspätungen im Bahnverkehr.

© dpa/Christoph Reichwein

Ein Lokführer hatte Qualm aus dem Kabeltunnel quellen sehen und Alarm geschlagen, sagte ein DB-Sprecher. Bahnmitarbeiter hätten noch vor Eintreffen der Feuerwehr mit den Löscharbeiten begonnen. Die Kabel gehören zu einem Stellwerk in Duisburg, der Brand sei aber auf Düsseldorfer Stadtgebiet ausgebrochen.

Durch den Brand kam es zu massiven Beeinträchtigungen des Zugverkehrs. Betroffen war auch der Fernverkehr.

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Stressig war die Situation nicht zuletzt für Urlauber, die sich mitten in den nordrhein-westfälischen Schulferien darauf verlassen hatten, mit der Bahn zum Düsseldorfer Flughafen reisen zu können. Auf dem Bahnhofsgelände wiesen lila Hinweisstreifen die Gestrandeten zu den wartenden Ersatz-Pendelbussen. (dpa)