
Finanziell steht die Gemeinde Ascheberg noch gut da. Doch die Schulden werden steigen. © dpa/Hurek (Archiv)
3 Min Lesezeit
Es klingt zu schön, um wahr zu sein: eine vollkommen papierlose und digitale Arbeitsweise. Auch wird nicht erst seit gestern immer wieder auf sämtlichen politischen Ebenen versprochen, Bürokratie abzubauen. In dieser Folge unserer Bilanz der ersten Amtszeit von Aschebergs Bürgermeister Thomas Stohldreier werfen wir einen Blick darauf, ob die Gemeinde wirklich einen Schritt nach vorne gegangen ist. Auch Wirtschaft und Finanzen werden wir analysieren.
Zu Beginn des Jahres 2022 hat die Gemeindeverwaltung einen digitalen Aktenplan eingeführt, der eine zentrale, digitale Ablage- und Bearbeitungsstruktur für die Akten schafft. Das Rats-Informationssystem gibt es nur noch digital, sämtliche Unterlagen stehen Politikern zu den jeweiligen Ausschüssen digital im „Sessionnet“ zur Verfügung. Auch die Bürger können diese abrufen.
„Auch die Verwaltung arbeitet in vielen Bereichen jetzt papierlos. So wurde die digitale Personalakte eingeführt, aber auch das Jobcenter arbeitet nun mit digitalen Akten, die Steuerakten liegen digital vor, im Ordnungsamt sind ebenfalls viele Dienstleistungen digital verfügbar, z.B. Terminvereinbarung, Anmeldung von Hunden“, erklärt Thomas Stohldreier. Insgesamt seien 114 Dienstleistungen im Service-Portal der Gemeinde Ascheberg digital hinterlegt, hinzu kommen noch 30 Online-Formulare.
Die Erweiterung des Gewerbegebiets Ondrup wurde bereits von Bürgermeister Dr. Bert Risthaus angestoßen.© Hans Blossey
Mehr Gewerbe
In Sachen Wirtschaft wollte der Verwaltungschef 2020 „örtliche Unternehmen unterstützen, den Kontakt pflegen und möglichst optimale Rahmenbedingungen für sie schaffen“. Zumindest sei Ascheberg als Standort attraktiv, denn die Gewerbesteuer zähle zu den niedrigsten, sie liege sogar unter den vom Land NRW geforderten Sätzen. „So sorgen wir dafür, dass unsere Gewerbetreibenden den Raum und die Möglichkeiten für ein gesundes Wachstum bekommen. Wie gut das gelingt, können wir am stetigen Wachstum unserer Betriebe, aber auch an besonderen Erfolgsgeschichten ablesen“, so der Verwaltungschef und nennt als Beispiele AY-KOM Rohrleitungsbau GmbH, die zu den besten fünf Unternehmen der Republik zählt, sowie die Firma Othmerding, die als innovativer Mittelständler ausgezeichnet wurden.
Stohldreier versprach, neue Gewerbegebiete zu schaffen „für die Erweiterung vorhandener Unternehmen und die Neuansiedlung von Betrieben“. Mit Vennkamp I bis III in Ascheberg und dem Gewerbegebiet Ondrup in Herbern ist einiges im Werden. Zumindest Ondrup kann Stohldreier nicht als eigenen Erfolg verbuchen. Denn die Planungsphasen fielen noch in die Amtszeit von seinem Vorgänger Dr. Bert Risthaus.
Bürgermeister Thomas Stohldreier (l.) freute sich 2021 mit den Wirtschaftsförderern Simone Böhnisch und Helmut Sunderhaus über die professionelle, neue Beschilderung im Gewerbegebiet Nord in Ascheberg.© Gemeinde Ascheberg (Archiv)
Schulden werden steigen
Die Gemeinde Ascheberg rühmt sich mit kompetenten Fachkräften, die einen soliden Haushalt im Blick haben. „Gesunde Finanzen dienen als Grundlage für Gestaltungsmöglichkeiten in der Zukunft“, ist Bürgermeister Stohldreier sicher. Der Gemeindehaushalt stehe nach wie vor gut da, Eigenkapital konnte erhöht werden. Aber so werde es nicht bleiben. In absehbarer Zeit müssen die Rücklagen angefasst werden, die Schulden steigen. „Das liegt unter anderem daran, dass wir viel in unsere Infrastruktur investieren: unter anderem den Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses in Herbern und den Bau des Profilschulcampus“, so Stohldreier.
Dennoch bestehe erst einmal kein Grund zur Sorge. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Ascheberg lag Ende 2023 bei unter 90 Euro. Zwar werde sich die wohl bis Ende 2025 knapp verzehnfachen, aber das sieht die Verwaltung noch recht entspannt. Mit Geld können die Verantwortlichen im Rathaus Ascheberg also offenbar gut umgehen. Wie sich die finanzielle Situation in den nächsten Jahren entwickelt, bleibt abzuwarten.
Nach einer Amtszeit lässt sich zusammenfassend sagen, dass Thomas Stohldreier die Digitalisierung vorantreiben konnte. Die Erweiterung der Gewerbegebiete hat er immerhin weiterverfolgt, hier wurde ihm ein gut bestelltes Feld hinterlassen.


