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Haselnussmangel sorgt für steigende Schokoladenpreise. Verbraucher müssen tiefer in die Tasche greifen: Nutella und andere Produkte verteuern sich.

Kassel – Deutsche Verbraucher müssen tiefer in die Tasche greifen. Ein verheerender Kälteeinbruch im April hat in der Türkei, dem weltweit größten Haselnussproduzenten, weite Teile der Ernte vernichtet. Der staatliche Getreiderat rechnet mit einem dramatischen Rückgang um 36 Prozent auf etwa 450.000 Tonnen, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu.

Viele Schokoladen-Produkte im Supermarkt werden teurer. (Symbolbild)Viele Schokoladen-Produkte im Supermarkt werden teurer. (Symbolbild) © R. Rebmann/imago

Die Preise für Haselnusskerne sind seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel gestiegen. Eine Tonne türkischer Haselnusskerne kostet mittlerweile rund 9.400 Euro. Verbraucher bemerken den Preisanstieg gleich doppelt. Denn auch Kakaopreise sind extrem gestiegen. Zwischen Anfang 2024 und Mitte 2025 hat sich der Weltmarktpreis für Kakao laut Investmentweek zeitweise verdreifacht.

„Schnee hat alles ruiniert“: Haselnussprodukte werden teurer in Deutschland

Laut Landwirtschaftsminister Ibrahim Yumakli war dies einer der „ärgsten Agrarfröste in der Geschichte der Türkei“. Hauptgrund sei der Klimawandel, der Extremwetterereignisse häufiger werden lässt. „Der Winter war hart hier. Der Schnee im April hat alles ruiniert“, schilderte eine Erntehelferin aus der Türkei. Auch ein Sprecher von Seeberger bestätigt laut ZDF heute: „Die aktuelle Entwicklung ist auch Ausdruck der zunehmenden Klimarisiken für die Landwirtschaft.“

Am härtesten dürfte die Krise den italienischen Konzern Ferrero treffen, der als weltgrößter Haselnuss-Abnehmer rund ein Viertel der türkischen Ernte verarbeitet. Obwohl Haselnüsse nur 13 Prozent von Nutella ausmachen, ist der beliebte Aufstrich seit 2022 bereits um 27 Prozent teurer geworden, berichtet Investmentweek. Dass es zu Lieferunterbrechungen komme, verneint Ferrero aber. Haselnüsse beziehe das Unternehmen auch aus Italien, Chile und den USA. 

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Auch deutsche Unternehmen spüren den Preisdruck massiv. Ritter Sport benötigt jährlich etwa 4.000 Tonnen Haselnüsse, größtenteils aus der Türkei. Ein Unternehmenssprecher erklärt: „Wir registrieren mithin eine massive (Doppel-)Belastung auf der Rohstoffseite.“ Das Unternehmen reagiert mit dem Aufbau eigener Haselnussfarmen in Frankreich. Auch der Snackanbieter Seeberger aus Ulm ist betroffen. „Die aktuelle Entwicklung ist auch Ausdruck der zunehmenden Klimarisiken für die Landwirtschaft“, heißt es von Unternehmensseite.

Schokoladen-Schock im Supermarkt: „Haselnusspreis ist derzeit sehr hoch“

Um den steigenden Kosten zu begegnen, ändern auch viele andere Produzenten ihre Strategien und greifen etwa zur „Shrinkflation“ – gleicher Preis bei kleinerer Menge. Netto reduzierte bei seiner „Lieblings Nuss-Nougat-Creme“ den Haselnussanteil von 20 auf 13 Prozent. Auch zu Ostern waren die Preise für Schokolade deutlich gestiegen.

Rainer Lückenhausen vom Hamburger Handelshaus Schlüter & Maack sieht Mandeln als Alternative: Diese seien „preislich interessanter“. Immerhin rechnet er nicht mit weiteren drastischen Preissprüngen: „Mit gravierenden weiteren Ernterückgängen wird derzeit nicht gerechnet.“ Aber: „Der Haselnusspreis ist derzeit sehr hoch“, weiß der frühere Händler Alexander Sterk. Deshalb werden ihm zufolge Haselnüsse zurzeit kaum gehandelt – anders als etwa Erdnüsse. Zu Jahresbeginn waren auch die Kosten bei Milka-Schokolade gestiegen. (kas/cgsc/dpa)