Ein Mann (Peter Wawerzinek) mit Anorak vor einer weißen Holztür.

Stand: 19.08.2025 17:44 Uhr

Mit seinem Roman „Rom sehen und nicht sterben“ steht der in Rostock geborene Peter Wawerzinek auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Es geht um die eigenen Vergänglichkeit. Für ihn ist er trotzdem lebensbejahend.

von Kathrin Weigel

In seinem aktuellen Roman, der nun ins Rennen um den Deutschen Buchpreis geht und im September erscheint, begegnet Peter Wawerzinek nach einer Krebsdiagnose dem eigenen Tod und damit der Vergänglichkeit – ausgerechnet in der Ewigen Stadt: Rom. Für den in Rostock geborenen Autor ist das Buch trotzdem voller Optimismus. Da hält er es mit einerm Spruch seiner Mutter, wie er im NDR Gespräch.

Herr Wawerzinek, Sie sind mit Ihrem Roman „Rom sehen und nicht sterben“ auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Wie geht es Ihnen mit dieser Nachricht?

Peter Wawerzinek: Ja, hoch erfreut. Heute ist ja der 19. August. Ich bin das Kind der 19, also das ist meine Lieblingszahl. Und ich sage immer, Dinge, die wichtig sind, passieren am 19. Insofern war das wieder ein Beleg dafür, ein hoch erfreulicher.

Was ich bemerkenswert finde, Ihr Buch ist ja noch gar nicht erschienen, es erscheint im September. Was denken Sie denn darüber?

Wawerzinek: Ich habe ja auch damals den Bachmann-Preis mit einem Text gewonnen, der später als Buch erschien. Dieses Buch kam auch am 19. August heraus, also nach dem Bachmann-Preis. Für den Verlag war das gut, weil dann alle schon ganz neugierig auf den Roman waren. Ich glaube, dieser Effekt entsteht auch jetzt. Durch die Nominierung werden jetzt einige neugierig. Der Verlag ist ganz froh, dass es so gekommen ist.

Eine Hand greift zu einem Bücherstapel - darauf eine Sanduhr.

Mit Gesa Olkusz, Jehona Kicaj, Peter Wawerzinek und Feridun Zaimoglu haben es auch norddeutsche Autor*innen unter die Top 20 geschafft.

Der Roman heißt „Rom sehen und nicht sterben“. Wird er auch am 19. September erscheinen?

Wawerzinek: Der Verlag hat gerade angerufen, dass der Roman wegen der Nominierung nun eine Woche früher rauskommt. Er wird am 10.09. erscheinen. Also 10 und 9 ist ja auch wieder 19.

Worum geht es in dem Roman?

Wawerzinek: Ich wollte schon immer über meine drei Jahre in Rom schreiben. Das ist so der Ur-Anlass gewesen. Damals habe ich in Trastevere gewohnt. Bei einer Routine-Untersuchung in Berlin wurde Krebs festgestellt und zwar akut. Sie sagten, ich müsste mich sofort behandeln lassen. Aber ich habe zu dem Arzt gesagt: Nö, nö, nö, nö, mein Rückflug nach Rom ist jetzt geplant. Da will ich nochmal hin und nochmal alles zusammenräumen. Aber ich will auch noch sehen, was ich in Rom in den drei Jahren versäumt hatte und wozu ich wahrscheinlich nicht mehr kommen werde. Da war der Titel schon da. Also, Rom noch einmal sehen und dann möglichst durch die Operationen und durch die Chemo und den Krebs nicht sterben.

Wie würden Sie das Buch auf emotionaler Ebene beschreiben? Ist es eine Geschichte, die mich als Leserin traurig macht, wenn ich Sie da im Kampf gegen den Krebs begleite?

Wawerzinek: Nein, das ist ja das Hauptziel gewesen. Also Jammern ist das Allerletzte. Ich beschreibe, wie es ist und wie es psychisch wirkt, wenn man so eine Mitteilung, so eine Diagnose erhält. Und auch, wie man den Ort, das ewige Rom, plötzlich durch das Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit sieht und wie das in ein Verhältnis zu setzen ist.

Ein Mann (Peter Wawerzinek) mit Anorak vor einer weißen Holztür.

Die Schillerstiftung zeichnete den Schriftsteller am Freitagabend mit dem Ehrenpreis aus. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.

Dann folgte die Krebsbehandlung?

Wawerzinek: Ja, und die beschreibe ich auch teilweise mit einem Augenzwinkern, teilweise mit dem Optimismus. Denn das verläuft ja alles ganz gut und ich überlebe das – und ich verliebe mich. Ich bin jetzt von Berlin, quasi über Rom, nach Magdeburg gezogen, bin hier verliebt. Durch die Liebe konnte ich das Manuskript bewältigen. Das kommt alles im Buch vor. Es ist ein optimistisches, lebensbejahendes Buch nach dem Motto: Kinder, lasst euch nicht gleich runterziehen, wenn da eine Mitteilung ist, die negativ ist. Wie Großmutter Maria Stabke immer gesagt hat: Man weiß nie, was an der schlechten Botschaft wiederum auch gut ist.

Da hat Ihre Oma einen klugen Satz gesagt. Wie genießen Sie denn jetzt den Sommer 2025 in Magdeburg?

Wawerzinek: Vor allem auf Balkonien. Ich bin ja nicht so der reisefreudige Typ. Ich gehe regelmäßig spazieren. Da ich den ganzen Magen losgeworden bin, muss ich mich anders ernähren und noch Medikamente nehme. Da freue ich mich halt immer über kleine Spaziergänge, kleine Ausfahrten. Und hauptsächlich sitze ich gerne auf dem Balkon von den Pflanzen umgeben, die wir hier so haben, und gucke den Vögeln zu. Ich freue mich, so langsam wieder ins normale Leben zurückzufinden. Das ist ja immer eine längere Strecke. Da war ich auch ganz früh, dass ich die mit Schreiben überbrücken konnte. Da musste ich auch erstmal wieder reinkommen.

Wir freuen uns, dass Sie den Kampf gegen den Krebs gewonnen haben. Das Buch, mit dem Sie auf der Longlist stehen, erscheint im September. Herzlichen Glückwunsch nochmal und herzlichen Dank, dass wir miteinander sprechen konnten.

Wawerzinek: Ich danke auch und wünsche alles Gute.

Das Interview führte Kathrin Weigel.

NDR Redakteurin Anke Jahns und Peter Wawerzinek sitzen lächelnd an einem Tisch mit Büchern und Mikrofonen.

Im NDR 1 Radio MV Literaturcafe spricht Peter Wawerzinek offen und mit Witz über Alkoholismus, Krebs, Kindheitstraumata.

Ein Mann (Peter Wawerzinek) mit Anorak vor einer weißen Holztür.

Seine Romane wie „Rabenliebe“ gehen unter die Haut, Peter Wawerzinek kann aber auch singen, zeichnen und performen.