Normalerweise würden Spieler, deren PC nach Feuer riecht, Panik bekommen. Geht die teure Hardware etwa gerade in Flammen auf? Ein paar virtuelle Meter weiter riecht es zum Glück nach Wald und Wiese. Die Gerüche kommen aus der kleinen Box unterm Monitor und sind Teil der Immersion. Bis zu zehn verschiedene Gerüche kann die „Scentbar“ des Kölner Start-ups „Zestum“ parallel ausgeben. Eine KI-gestützte Erfassung des Geschehens auf dem Bildschirm errechnet, welcher Duft gerade der passendste ist. Auf der Gamescom in Köln präsentieren die drei jungen Gründer in den kommenden Tagen ihren Prototypen.
Die inzwischen 15. Ausgabe der weltgrößten Messe für Computer- und Videospiele wird voraussichtlich wieder deutlich über 300.000 Menschen anziehen. Der Veranstalter, die Koelnmesse GmbH, hat auf 233.000 Quadratmetern Platz für über 1500 Aussteller geschaffen. Letztere kommen aus 72 verschiedenen Ländern, Partnerland ist in diesem Jahr Thailand.
Offiziell eröffnet worden war die Messe bereits am Dienstagabend mit der „Gamescom Opening Night Live“. Die Show, auf der zahlreiche Hersteller ihre Spiele mit aufwendigen Trailern ankündigen, läutet seit 2019 die Messe ein und wird moderiert von Geoff Keighley, einem international bekanntem Spielejournalisten und Moderator.
In diesem Jahr geben sich die Fortsetzungen die Klinke in die Hand. Was nicht heißt, dass diese nicht mit großer Spannung erwartet werden. Gleich zwei renommierte Horror-Reihen stehen mit dem nächsten Teil in den Startlöchern. Nachdem im vergangenen Jahr mit „Silent Hill 2“ ein Klassiker von 2001 neu aufgelegt worden war, ist mit „Silent Hill F“ die nächste richtige große Auskopplung der Serie seit 2012 für September angekündigt.
„Resident Evil“-Fans bekommen mit „Requiem“ ebenfalls einen neuen Ableger, allerdings erst im Frühjahr 2026. Wir durften uns das Spiel vorab anschauen und müssen gestehen: Wir sind nicht weit gekommen, bis uns die schaurige Kreatur den Garaus gemacht hatte. Aber das gehört zur Reihe dazu. Es ist düster, es ist unheimlich und kann ziemlich schnell enden.
Aus Deutschland und ebenfalls noch in diesem Herbst soll ein neuer Teil der „Anno“-Serie erscheinen. Nach Abstechern in die nahe und ferne Zukunft sowie in die Epoche der Industrialisierung steht nun die Antike auf dem Programm. „Anno 117“ wird die Spieler in das römische Reich versetzen, wo es in gewohnter Manier gilt, Städte zu bauen, Produktions- und Warenketten zu managen und dieses Mal auch wieder verstärkt zu den Waffen zu greifen.
In seine eigenen, nicht weniger tiefen Fußstapfen will Entwickler-Urgestein Volker Wertich treten. Mit „Pioneers of Pagonia“ will er die Seele der „Siedler“-Reihe, die er einst selbst begründete, wieder zum Leben erwecken. Wir konnten einen exklusiven Blick erhaschen und können sagen: Es wuselt ganz arg auf dem Bildschirm. Bis zu 3000 kleine Pioniere gehen ihrem Tagwerk nach und errichten, was wir ihnen auftragen. Erscheinen soll das Spiel im Dezember.
Weiterhin hoch im Kurs ist das Spielen unterwegs. Nintendo konnte im Juni bereits in den ersten vier Tagen nach Veröffentlichung 3,5 Millionen Exemplare der neuen Switch 2 verkaufen, Hochrechnungen gehen von knapp 20 Millionen verkauften Geräen im ersten Jahr aus. Dieses Geschäft will sich auch Xbox-Hersteller Microsoft nicht entgehen lassen und zeigt auf der Gamescom erstmals den neuen „ROG Xbox Ally“, der in Kooperation mit Asus entstanden ist. Das Gerät soll im Oktober im Handel erhältlich sein.
Spieleentwickler in NRW sind in diesem Jahr erneut gut vertreten. Ein kleines Team aus Düsseldorf-Bilk hatte bereits im Jahr 2001 mit ihrem Brettspiel „MicroMacro“ großen Erfolg und den Kritikerpreis „Spiel des Jahres“ einheimsen können. Jetzt haben Sie die Mischung aus Detektiv- und Wimmelbild-Spiel fürs Handy umgesetzt. In dem Spiel geht es darum, in einer riesigen, schön gezeichneten Szenerie Hin- und Beweise zu finden, um den Täter eines Verbrechens zu überführen. Fans der Brettspielvorlage finden dort komplett neue, für die Handy-App entwickelte Fälle vor, wie uns die Entwickler an ihrem Stand verrieten.
Von drei jungen Menschen aus Köln kommt „Media Circus“ und der Name ist Programm. Das Spiel nimmt satirisch den Zirkus aufs Korn, der sich rund um Medien so abspielt. Als Chefredakteur schickt der Spieler allerhand tierische Reporter los, um die heißesten Storys der Stadt aufzudecken. Welchen Dreh die Geschichte und wie viel Platz sie in der Zeitung bekommt, entscheidet darüber, welche Auswirkungen die Berichterstattung erzeugen wird – und wie erfolgreich sich die Ausgabe verkauft. Das Spiel ist kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt, spielt aber in einem fiktiven Ostblockstaat, der vor der Wahl steht: Kapitalismus oder Sozialismus, Demokratie oder Diktatur? Der Spieler soll mit seiner Berichterstattung maßgeblich Einfluss darauf nehmen können.
Mit schaurig-schönen Abenteuern kennt sich das Team des Essener Entwicklers „Backwood Entertainment“ aus. Bereits 2018 veröffentlichten sie mit „Unforseen Incidents“ ein klassisches Point-and-Click-Adventure über eine Verschwörung um eine geheimnisvolle Krankheit. Auf der Gamescom präsentieren sie gleich zwei neue Werke. In „We stay behind“ erforscht eine Journalistin eine mysteriöse Kleinstadt, deren Bewohner sich trotz drohendem Unheil weigern, die Koffer zu packen. Und mit „Morriton Manor Stories: Nordic Whispers“ wird klassischer Lovecraft’scher Horror serviert. Eine Privatermittlerin macht sich auf, ein düsteres Geheimnis zu lüften rund um ein altes Anwesen, in dem es ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugeht.