Alice Hopfinger ist 87 Jahre alt und wurde als Alice Dominiak im Sudetenland geboren. Ob sie sich vor 80 Jahren schon hätte vorstellen können, dass sie in der Pfalz ihre große Liebe findet? Die Frage kann sie nicht beantworten. „1944 musste ich mit Mutter und Bruder aus unserer Heimat flüchten und kam zunächst bei den Eltern der Mutter im Böhmerwald in einem Lager an der Grenze zu Österreich unter“, erzählt Alice. Ein Jahr später landete das Dreiergespann dann in Eußerthal, „wo eine Schwester meiner Mutter lebte“.
Das war auch die Heimat des 88-jährigen Bernhard Hopfinger. „1950 kam ich aus der Volksschule und hatte eine Lehrstelle bei Schneider Minges aus Annweiler zugesagt bekommen“, erinnert er sich. Als er sie antreten wollte, sei ihm aber mitgeteilt worden, dass jemand anders den Zuschlag erhalten habe, weil er einen großen Schinken mitgebracht hatte. „Was soll ich denn da machen?“, habe der Schneider gefragt.
In der Praxis des Vaters getroffen
Bernhards Onkel Eugen Grünewald hatte aber als Bürgermeister von Eußerthal eine Firma aus Altenglan mit dem Wasserleitungsbau beauftragt, bei der er als Laufbursche aushelfen durfte: „Danach nahm mich der Inhaber mit nach Altenglan.“ Bei ihm und seiner Frau habe er ein schönes Leben gehabt, das Paar habe ihn sogar adoptieren wollen, aber das ließen Bernhard Hopfingers Eltern nicht zu, also kehrte er acht Jahre später nach Eußerthal zurück. Dort fing er in der Versicherungsagentur seines Onkels an und wurde nach ein paar Jahren Bezirksinspektor.
Alice war ihm vorher schon mal in Eußerthal „über den Weg gelaufen“, erinnert er sich. Sie war inzwischen bei ihrem aus dem Krieg zurückgekehrten Vater, einem Zahnarzt mit Praxis in Godramstein, angestellt. Den suchte ihr späterer Ehemann gelegentlich auf: „Ich hatte öfters Zahnschmerzen.“ Bernhard besaß in der Zeit auch ein Auto. Deshalb fragte er Alice, ob sie mit ihm zum Tanzen fahren möchte „und schon waren wir überall unterwegs“, erzählt er strahlend. So fand er seine große Liebe: 1960 wurde am 26. August standesamtlich und 27. August kirchlich geheiratet.
Prinzenpaar in Annweiler
In dieser Zeit war der Ehemann noch bei der Allianz beschäftigt. „Das gefiel ihr aber nicht so gut. Wahrscheinlich war ich zu viel unterwegs“, meint Bernhard. In Hauenstein gab es seinerzeit die Schuhfabrik „Jubo“, die eine Filiale in Silz hatte. Für sie wurde dann Bernhard Hopfinger dann als Einkäufer tätig. 1961 kam Sohn Thomas, 1965 sein Bruder Frank auf die Welt. „Im Jahr der Geburt von Thomas ist mein Vater gestorben“, erinnert sich Alice Hopfinger. Da habe sie aufgehört zu arbeiten.
1967/68 verbrachte das Paar eine Zeit in Annweiler, was ein Bild als Prinzenpaar belegt, das sie stolz präsentieren. 1968 wechselte Bernhard dann als Materialdisponent zu Daimler in Wörth. Mit diesem Wechsel folgte auch der Umzug nach Wörth und in den 70er Jahren der Bau des Eigenheims. Ab 1973 war auch Alice bei Daimler tätig, 1998 gingen beide gemeinsam in den Ruhestand.
Fußball und Aquagymnastik
Die Fasnacht war für die Hopfingers immer ein Erlebnis – und Bernhard auch Präsident in Eußerthal. Ein weiteres Hobby: Angeln im Verein in Eußerthal. Gemeinsam mit Alice hat er gekegelt, war lange Mitglied beim KSC und treuer Besucher der Spiele. Außerdem fuhr er früher gern nach Pirmasens zu Spielen des FKP und kam schließlich durch Sohn Frank zum 1. FCK.
Bei Alice standen Walking und Yoga auf dem Hobbyplan. Jetzt ist sie einmal in der Woche in der Rheumaliga mit Aquagymnastik in Bad Bergzabern, während Bernhard jeden Montag seine Skatrunde in Wörth hat. Inzwischen haben sie auch Freude an ihren drei 2003, 2005 und 2008 geborenen Enkelkindern: Vivien, Marius und Marlon.