Stand: 26.08.2025 09:14 Uhr

Die deutsche Autoindustrie baut in der Krise massiv Stellen ab. Laut einer Studie sind in einem Jahr mehr als 50.000 Jobs verloren gegangen – so viele wie in keiner anderen Branche.

Die deutsche Industrie steckt tief in der Krise – und besonders hart trifft es die Autobranche. Innerhalb eines Jahres sind dort rund 51.500 Stellen verloren gegangen, das entspricht fast sieben Prozent der Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Beratungsgesellschaft EY, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert. Keine andere Branche hat so viele Jobs abgebaut.

Sinkende Umsätze – nicht nur in der Autobranche

Insgesamt waren zum 30. Juni rund 5,42 Millionen Menschen in der deutschen Industrie beschäftigt – 114.000 weniger als vor einem Jahr. Binnen zwölf Monaten wurden damit 2,1 Prozent der Jobs gestrichen. Seit 2019, also dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, sind sogar etwa 245.000 Jobs verschwunden. Das entspricht einem Rückgang von 4,3 Prozent.

Die Stellenstreichungen spiegeln die schwierigen Geschäftsbedingungen wider: Im zweiten Quartal schrumpften die Umsätze in der Industrie um 2,1 Prozent – es war das achte Minus in Folge. Bis auf die Elektroindustrie verbuchten alle Branchen Rückgänge, wie EY feststellte.

„Massive Gewinneinbrüche“ und Sparprogramme

In der Autobranche belief sich das Umsatzminus auf 1,6 Prozent. Die Autobauer leiden unter Absatzflauten, starker Konkurrenz aus China und dem teuren Umstieg auf Elektromobilität. Hinzu kommen hohe Energiepreise, Bürokratie und der Zollstreit mit den USA, der deutsche Exporte verteuert.

Hersteller wie Mercedes-Benz, VW oder Zulieferer wie Bosch und Continental haben bereits Sparprogramme angekündigt. Porsche will seine Batterietochter Cellforce weitgehend einstellen.

„Massive Gewinneinbrüche, Überkapazitäten und schwächelnde Auslandsmärkte machen einen deutlichen Stellenabbau unumgänglich – gerade in Deutschland, wo Management-, Verwaltungs- und F&E-Funktionen angesiedelt sind“, sagt EY-Experte Jan Brorhilker. F&E steht für Forschung und Entwicklung.

Kommt es zur „Deindustrialisierung“ Deutschlands?

Dabei sind auch andere Industriezweige von Stellenstreichungen betroffen: Im Maschinenbau fielen mehr als 17.000 Stellen weg, in der Metallerzeugung gut 12.000. Kaum Jobs gingen dagegen in der Chemie- und Pharmabranche verloren.

Unterm Strich leidet die deutsche Industrie unter teurer Energie, Bürokratie und einer schwachen Binnennachfrage. Zuletzt kam noch der Zollstreit mit den USA als Belastungsfaktor hinzu. „Der massive Rückgang der Exporte in Richtung USA hat die deutsche Industrie zuletzt empfindlich getroffen“, so Brorhilker.

Diese Entwicklungen werfen eine grundsätzliche Standortfrage auf. Kritiker sprechen bereits von einer „Deindustrialisierung“ Deutschlands. Dabei ist die Beschäftigung in der Industrie in einer längeren Betrachtung sogar noch gewachsen: Ende 2024 lag sie laut Statistischem Bundesamt um 3,5 Prozent oder 185.000 Menschen höher als 2014.

Harte Zeiten für Ingenieure

Brorhilker erwartet, dass sich der Abwärtstrend bei den Industriejobs fortsetzt, da sich Sparprogramme verzögert in der Statistik zeigen. Das seien schlechte Nachrichten für Schul- oder Hochschulabsolventen. „Die Automobilindustrie und der Maschinenbau stellen heute deutlich weniger junge Menschen ein als in den vergangenen Jahren.“

Der Arbeitsmarkt etwa für junge Ingenieure werde ungemütlich, viele dürften sich neu orientieren müssen. „Wir werden eine steigende Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolventen sehen – etwas, was es in Deutschland lange nicht gab.“