Bei den Ukraine-Gesprächen verhandelten USA und Russland laut Insidern heimlich über Öl- und LNG-Deals, US-Technik und Tanker.
Nach Informationen von Reuters haben US- und russische Regierungsvertreter bei den jüngsten Ukraine-Friedensgesprächen auch mögliche Energiegeschäfte ausgelotet. Fünf mit den Gesprächen vertraute Personen bestätigten, dass diese Deals als Anreiz gedacht waren: Moskau solle zu Zugeständnissen im Ukraine-Krieg bewegt werden – Washington im Gegenzug Sanktionen lockern.
ExxonMobil und LNG-Projekte im Fokus
Nach Angaben von drei Quellen ging es konkret um eine mögliche Rückkehr des US-Konzerns ExxonMobil ins russische Öl- und Gasprojekt Sakhalin-1, aus dem er nach Kriegsbeginn ausgestiegen war.
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Vier der Insider erklärten, dass Russland zudem den Kauf von US-Technik für LNG-Projekte wie das sanktionierte Arctic LNG 2 ins Spiel gebracht habe. Arctic LNG 2 ist ein großes russisches Flüssigerdgasprojekt in der Arktis, geführt von Novatek. Trotz westlicher Sanktionen läuft die Produktion weiter – Russland nutzt „Schattenflotten“-Eistanker und chinesische Ersatzteile, um LNG nach Asien zu exportieren.
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Ein weiterer Vorschlag: Die USA könnten nuklearbetriebene Eisbrecher-Schiffe von Russland kaufen.
Blick auf Russlands größte LNG-Anlage in Murmansk (hier beim Bau) Trotz westlicher Sanktionen läuft die Produktion weiter. imago „Das Weiße Haus wollte unbedingt eine Schlagzeile“
Die Informationen stammen aus Kreisen, die direkt an den Treffen beteiligt waren oder deren Verlauf kennen – keine der Quellen wollte namentlich genannt werden, da sie nicht autorisiert waren, öffentlich über die vertraulichen Gespräche zu sprechen.
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Ein Insider sagte gegenüber Reuters: „Das Weiße Haus wollte unbedingt nach dem Alaska-Gipfel eine Schlagzeile präsentieren, die ein großes Investitionsgeschäft verkündet. So hat Trump das Gefühl, etwas erreicht zu haben.“
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Gespräche mit Putin und in Washington
Laut Reuters wurden die Energie-Deals unter anderem während des Besuchs des US-Sondergesandten Steve Witkoff in Moskau erörtert, als er Präsident Wladimir Putin und dessen Vertrauten Kirill Dmitriev traf. Zwei weitere Quellen berichten, die Vorschläge seien auch innerhalb des Weißen Hauses mit Präsident Donald Trump diskutiert worden.
Offizielles Schweigen – aber Drohungen bleiben
ExxonMobil, Rosneft und Novatek lehnten eine Stellungnahme ab. Auch Dmitriev ließ über einen Sprecher mitteilen, keinen Kommentar abzugeben.
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Das Weiße Haus erklärte auf Anfrage von Reuters lediglich, man sei weiter in engem Austausch mit Moskau und Kiew, um „das Töten zu beenden und den Krieg zu stoppen“. Details öffentlich zu verhandeln, liege aber nicht im nationalen Interesse.
Gleichzeitig erhöhte Trump den Druck: Sollte es bei den Friedensgesprächen keine Fortschritte geben, drohte er Russland mit zusätzlichen Sanktionen – und Indien, einem der größten Käufer russischen Öls, mit Strafzöllen.