Tagelang misshandelt
Frankreich geht nach Tod von Streamer gegen Plattform Kick vor

26.08.2025, 19:17 Uhr

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Der Tod des Video-Streamers „JP“ vor laufender Kamera sorgt für Entsetzen. Zuvor wird er zwei Tage lang von mindestens zwei Männern misshandelt. Jetzt will Frankreich gegen die australische Plattform Kick vorgehen, wo der Stream gelaufen ist.

Frankreich will nach dem Tod eines Video-Streamers vor laufender Kamera juristisch gegen die australische Plattform Kick vorgehen. Digitalministerin Clara Chappaz sagte, Kick habe „nicht alles unternommen, um die Ausstrahlung gefährlicher Inhalte zu stoppen“. Damit sei ein Gesetz von 2004 zur Regulierung von Online-Inhalten verletzt worden.

Der als „Jean Pormanove“ oder „JP“ bekannte französische Video-Streamer, mit bürgerlichem Namen Raphael Graven, war am Montag vergangener Woche während einer Liveübertragung auf der Streaming-Plattform Kick gestorben, nachdem ihn mindestens zwei andere Männer tagelang misshandelt hatten. Eine Autopsie schloss nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Nizza aber ein Fremdverschulden aus. Der Streamer sei nicht durch die Gewalteinwirkung Dritter, sondern aus einem medizinischen oder toxikologischen Grund gestorben.

Noch untersucht werde der Ablauf der letzten Übertragung, während der der 46-Jährige in der Nacht zum Montag vor den Augen der Zuschauer starb. Die französische Staatsanwaltschaft teilte zudem mit, sie habe Ermittlungen gegen die Plattform eingeleitet. Es solle geprüft werden, ob Kick „wissentlich Videos vorsätzlicher Angriffe auf die persönliche Integrität“ ausgestrahlt habe, erklärte die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau.

Ermittler sollen zudem untersuchen, ob Kick sich an die Richtlinien des Gesetzes für digitale Dienste (Digital Services Act – DSA) der Europäischen Union hinsichtlich der Moderation von Online-Inhalten hält. Bei Missachtung drohen bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro.

Schlagen, würgen und beleidigen

Der Tod des 46-Jährigen war am Montag während der Übertragung eines Livestreams auf der Plattform Kick festgestellt worden. Die Kameras liefen vor seinem Tod bereits seit fast zwei Wochen. Während dieser Zeit habe sich Graven unter anderem schlagen, würgen und beleidigen lassen, sagten Internetnutzer, die Teile der Aufnahmen gesehen hatten.

Nach Gravens Tod am Montag leitete die Staatsanwaltschaft im südfranzösischen Nizza erneut Ermittlungen ein. Die letzten Videoaufnahmen hatten Nutzern zufolge gezeigt, wie der tote Streamer unbeweglich unter einer Decke lag. Im Raum waren demnach zwei Männer, von denen einer mit einer kleinen Wasserflasche nach Graven warf. Das Video war kurz darauf nicht mehr verfügbar.