Was hatte es mit einer Gruppe „Wolfsrudel“ auf sich, die es im Wachbataillon gegeben haben soll? Im Prozess um Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung sagte am dritten Tag ein damaliger Kamerad der drei Angeklagten aus. Er habe von „Aufnahmeritualen“ gehört, so der 25-Jährige vor dem Berliner Landgericht. Auch von Übergriffen auf den Mann, der nun im Prozess Nebenkläger ist, sei ihm berichtet worden.
„Eine Gruppe Wolfsrudel gab es schon“, sagte der Zeuge in Uniform. Nach seinen Kenntnissen sei es allerdings keine rechtsextreme Gruppe gewesen. „Es wurde darüber geredet, wer ins Wolfsrudel wolle, müsse sich bestimmten Dingen unterziehen.“
Die Staatsanwaltschaft legt den angeklagten Ex-Soldaten der Bundeswehr zwei Übergriffe zwischen Februar und Mai 2021 zur Last. Tatort sei eine Stube in der Julius-Leber-Kaserne in Reinickendorf gewesen. In einem Fall sei ein inzwischen 24-Jähriger festgehalten und sexuell misshandelt worden. Bei einem weiteren Übergriff hätten sich nach gerufener Parole „Bombe“ sechs Kameraden auf den 24-Jährigen geworfen. Er sei bis heute traumatisiert.
Der Zeuge sagte, einer der Angeklagten habe ihm im Chat den sexuellen Übergriff beschrieben. Vermutlich, um sich darüber lustig zu machen, so der 25-Jährige. „Für ihn war es eher eine Spaßhandlung.“ Der Vorsitzende Richter fragte: „Diese Rituale – sind sie bundesweit oder speziell mit dieser Gruppe in Verbindung zu bringen?“ Sein „Gefühl“ sei, dass es in der kämpfenden Truppe „Aufnahmerituale gibt, um zu zeigen, wer das Sagen hat“, sagte der Zeuge.
Untersuchungen wegen des Verdachts einer mutmaßlich rechten Soldatengruppe, die sich „Wolfsrudel“ genannt habe, standen am Anfang der Ermittlungen. Der Verdacht auf Extremismus bestätigte sich nicht. Es blieben Gewaltvorwürfe. Der 25-jährige Soldat im Zeugenstand sagte, er sei im Oktober 2021 vernommen worden und habe zu Protokoll gegeben, was er gehört hatte. Er habe die Angeklagten damals auch namentlich erwähnt.
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Die angeklagten Ex-Soldaten gestanden über ihre Verteidiger. Der 35-jährige Robby B., damals Oberstabsgefreiter, ließ erklären, es sei eine „ritualisierte Form“ gewesen – „den Anfängern zeigen, wie es geht“. Diese Form sei bei der Bundeswehr „nicht ungewöhnlich“. Und „Wolfsrudel“ habe sie ein Vorgesetzter genannt – „wir Kameraden hatten ein sehr enges Verhältnis“.
Der 31-jährige Benjamin K. gab zu, das Opfer festgehalten zu haben – Tino Ka., ein 36-Jähriger, gestand, dabei nicht eingeschritten zu sein. Sie hätten sich häufiger auf seiner Stube getroffen. Als sich in einem anderen Fall mehrere Männer auf den jungen Kameraden warfen, habe er mitgemacht – ein „spontaner Spaß, infantil und überflüssig“. Am 2. September könnte es zu einem Urteil kommen.