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Ein „Pick-up-Artist“ soll in Dortmunder U-Bahnstationen Frauen belästigen. Eine Betroffene teilt ihre Erlebnisse auf Instagram – und erstattet Anzeige.

Dortmund – Sogenannte „Pick-up-Artists“ sind auch in Deutschland unterwegs. Das zeigt ein aktueller Fall aus Dortmund. In einem Instagram-Video berichtete die 31-jährige Sarah-Alice von ihren Erfahrungen – und warnt vor einem aggressiven Mann, der Frauen in Dortmunder U-Bahnstationen belästigen soll. Sie selbst sei in den letzten zwei Jahren mehrfach auf der Strecke der U42 von ihm bedroht worden. Im Gespräch mit wa.de äußerte sie sich zu dem Vorfall.

Sarah-Alice ist auf dem Bild zu sehen. Sie steht alleine vor einem Feld und lächelt direkt in die Kamera. Sarah-Alice berichtet im Gespräch mit wa.de von ihren Erfahrungen mit einem „Pick-up-Artist“ in Dortmund. © Sarah-Alice

Sarah-Alice spricht bei dem Mann von einem „Pick-up-Artist“. Damit sind Männer gemeint, die sich an öffentlichen Plätzen gezielt aufhalten und versuchen, Frauen zu verführen. „Auch wenn das vordergründige Ziel sexuelle Handlungen sind, geht es im Kern um Kontrolle und Macht“, erklärt zum Beispiel die Dortmunder Frauenberatungsstelle in einem Instagram Post zu der Kampagne „nein heißt nein“.

Diese Männer nutzen psychologische Tricks, einstudierte Gesprächsstrategien und bestimmte manipulative Verhaltensmuster, um die Frauen ins Bett zu bekommen. Diese Strategien erlernen sie oft von selbst ernannten Dating-Coaches im Internet. Oftmals würden sie dabei mit der sogenannten „Negging“-Technik vorgehen. Beleidigungen oder Herabsetzungen werden dabei als vermeintliche Komplimente getarnt. Das Ziel sei es, das Selbstwertgefühl der Frau schwächen und sie dadurch emotional abhängig zu machen.

Instagram-Video sorgt für Aufsehen: Junge Frau in U-Bahn belästigt

Auch bei Sarah-Alice sei es ähnlich gewesen. Der Mann verfolge dabei eine typische Masche, erklärt sie in einem Instagram-Video. In den Bahnstationen würde er die Unterhaltung mit Frauen durch eine lockere Frage starten und dem Gegenüber ein Kompliment machen. Im weiteren Gespräch aber würde der Mann nach der Telefonnummer fragen und bei Ablehnung aggressiv reagieren, erzählt Sarah-Alice.

Vor sechs Monaten habe die Dortmunderin den Mann erneut an der Haltestelle Theodor-Fliedner-Heim getroffen. Auch nachdem sie ihn mehrmals gebeten hatte, wegzugehen, habe er sie nicht in Ruhe gelassen und sie am Bahnsteig verfolgt. „Was willst du machen, du bist nur eine Frau“, habe er sie angeschrien. Beide seien in die gleiche U-Bahn eingestiegen und auch dort habe er nicht mit den Beleidigungen aufgehört, wie die 31-Jährige auf Instagram berichtet. Passanten seien Sarah-Alice nicht zur Hilfe gekommen.

„Sie haben ihn wahrscheinlich nicht ernst genommen, weil er kleiner ist als ich“, erzählt sie im Gespräch mit wa.de. Sarah-Alice habe nach dieser Begegnung Anzeige gegen den Mann erstattet. Da nicht genügend Informationen über den Mann bekannt gewesen seien, wurde die Anzeige fallen gelassen, erzählt sie.

Nach Hochladen des Videos meldeten sich vielen Frauen bei Sarah-Alice – sie berichten, ebenfalls von dem Mann belästigt worden zu sein. Negative Kommentare zu dem Video würden fast ausschließlich von Männern kommen, die behaupten, die Story sei ausgedacht, sagt die 31-Jährige. Mittlerweile ist das Video nicht mehr online. Die Dortmunderin glaubt, das Instagram Reel habe bereits seinen Zweck erfüllt. Die vielen Benachrichtigungen haben Sarah-Alice zudem sehr gestresst, verrät sie gegenüber wa.de im Gespräch.

Zusammenarbeit von Polizei und Verkehrsbetrieben

Die Polizei ermittelt jetzt und konnte den Mann bereits identifizieren, erklärt eine Sprecherin der Polizei Dortmund auf Nachfrage von wa.de. Bei dem Tatverdächtigen handele es sich um einen 28-jährigen Dortmunder. Mehrere Frauen erstatteten Anzeige gegen den Mann, so die Sprecherin. Weitere Ermittlungen dauern an. Betroffene Personen sollen sich bei ähnlichen Belästigungen umgehend bei der Polizei melden – so könne sofort gehandelt und zum Beispiel Personalien des Tatverdächtigen aufgenommen werden.

Auch der Stadtbahn-Betreiber DSW 21 äußert sich gegenüber wa.de zu den Vorfällen. Sicherheitskräfte sollen entsprechend sensibilisiert werden und auch die Kameraüberwachung soll in betroffenen Bereichen verstärkt werden. „Derartige Themen nehmen wir grundsätzlich sehr ernst“, heißt es vom Betreiber. Sie würden eng mit der Polizei zusammenarbeiten.

Ein Betrunkener belästigt Passagiere im Zug von Rheda-Wiedenbrück nach Hamm. Trotz eines ersten Vorfalls wurde er schnell wieder aktiv. Die Polizei musste erneut eingreifen, um weitere Belästigungen zu verhindern. Auch die Kölnerin Yanni Gentsch ist Opfer von Belästigung geworden. Sie wurde von einem Mann beim Joggen gefilmt. Die Frau wehrte sich damals und startete eine Petition für strafrechtliche Verfolgung – mit Hunderttausenden Unterstützern.