Nvidia hat sein rasantes Wachstum im vergangenen Quartal fortgesetzt und Rekordumsätze erzielt. Allerdings schlagen sich die geopolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und China im Geschäft nieder. Wegen zwischenzeitlicher Exportbeschränkungen hat der amerikanische Halbleiterkonzern nach eigener Aussage im abgelaufenen Quartal keine seiner speziell für den chinesischen Markt entwickelten Chips an dortige Kunden verkauft. Obwohl US-Präsident Donald Trump diese Restriktionen kürzlich aufgehoben hat, bleibt das derzeit wertvollste Unternehmen der Welt mit Blick auf China vorsichtig und hat auch in seiner Prognose für das kommende Berichtsquartal noch keine Umsätze in dem Land berücksichtigt.
Die Nvidia-Aktie notierte im nachbörslichen Handel rund zwei Prozent im Minus. Der Kurs ist seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel gestiegen, nachdem er sich 2024 schon fast verdreifacht hatte. Im Juli wurde Nvidia zum ersten Unternehmen, das mit seinem Börsenwert die Marke von 4 Billionen Dollar überschritt. Mittlerweile sind es sogar 4,4 Billionen Dollar.
Die hohe Bewertung spiegelt die gegenwärtige Investitionswut rund um Künstliche Intelligenz wider. Nvidia dominiert bislang das Geschäft mit KI-Chips und hat hier Schätzungen zufolge einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent.
Ringen um Export von Chips nach China
Die beherrschende Position in dem als politisch besonders sensibel geltenden Markt für KI-Chips hat sich in jüngster Zeit aber zunehmend als Herausforderung entpuppt. Schon unter Trumps Vorgänger Joe Biden wurden Restriktionen beschlossen, die den Verkauf der fortschrittlichsten KI-Chips in China untersagten. Darauf reagierte Nvidia mit der Entwicklung einer weniger leistungsstarken Variante aus seiner Chipreihe Hopper mit dem Modellnamen H20 speziell für den chinesischen Markt. Sie brachte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 17 Milliarden Dollar ein. Im April hat Trump dann aber auch für diese Chips Exportbeschränkungen verhängt, weshalb Nvidia im vergangenen Geschäftsquartal in China keinerlei Umsätze mit ihnen verbucht hat.
Mittlerweile hat sich die Ausgangslage wieder verändert. Auf Drängen des Nvidia-Vorstandschefs Jensen Huang hob Trump die Exportrestriktionen im Juli wieder auf. Allerdings handelte der Präsident aus, dass Nvidia fortan 15 Prozent seiner Umsätze in China an die US-Regierung abführen muss. Dieser ungewöhnliche Exportzoll soll auch für Nvidias Wettbewerber Advanced Micro Devices gelten.
Trotzdem bleibt noch fraglich, inwiefern Nvidias Geschäft in China nun wieder an Fahrt aufnimmt. Medien berichteten, die chinesische Regierung habe Unternehmen im Land aufgefordert, wegen Sicherheitsbedenken keine H20-Chips von Nvidia zu kaufen. Derweil ist im Gespräch, dass Nvidia stattdessen eine schwächere Variante seiner neuen Blackwell-Chips in China anbieten könnte. Blackwell ist die Nachfolgegeneration von Hopper. Trump hat gesagt, er sei offen dafür, falls die Chips um 30 bis 50 Prozent weniger leistungsfähig seien als in den USA. Auch Huang beschrieb jetzt einen Verkauf von Blackwell-Chips in China in einer Telefonkonferenz als “echte Möglichkeit“.
„Trump ist Amerikas einzigartiger Vorteil“
Inmitten der schwierigen geopolitischen Lage sah sich Huang in jüngster Zeit gezwungen, verstärkt den Kontakt zu Politikern zu suchen und eine Art Chipdiplomatie zu betreiben. Er hat wiederholt Trump getroffen und versucht, ihm zu schmeicheln. Kürzlich sagte er auf einer Konferenz: “Amerikas einzigartiger Vorteil, den kein anderes Land jemals haben könnte, ist Präsident Trump.“
Das China-Geschäft ist Huang offenbar sehr wichtig. Er bezifferte jetzt das derzeitige potentielle Marktvolumen für Nvidia-Produkte in dem Land auf 50 Milliarden Dollar, und er sagte, er rechne mit einem jährlichen Wachstum von 50 Prozent. Finanzchefin Colette Kress sagte, sollte sich die geopolitische Lage entspannen, könnte Nvidia noch im nächsten Quartal H20-Chips mit einem Umsatzvolumen zwischen 2 Milliarden und 5 Milliarden Dollar nach China liefern – auch wenn dies in der Prognose noch nicht berücksichtigt sei. Entsprechendes Interesse gebe es in China, und einige Lizenzen an chinesische Kunden seien auch schon genehmigt worden. Allerdings seien noch Fragen offen. Und auch für den mit Trump vereinbarten Exportzoll seien noch keine offiziellen Dokumente vorgelegt worden.
In einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC beschrieb Nvidia das Abkommen mit Trump in auffällig negativen Worten, die sich von Huangs überschwänglichen Tönen gegenüber dem Präsidenten stark abheben: “Jede Aufforderung der US-Regierung, einen Prozentsatz des Umsatzes zu zahlen, könnte uns Klagen aussetzen, unsere Kosten steigern, sowie unsere Wettbewerbsposition beeinträchtigen und Wettbewerbern nützen, für die solche Vereinbarungen nicht gelten.“
Diskussionen über KI-Blase
Insgesamt meldete Nvidia für die vergangenen drei Monate ein Umsatzwachstum von 56 Prozent auf 46,7 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit 46,1 Milliarden Dollar gerechnet hatte. Allerdings lag der Umsatz in der Sparte, zu der die KI-Chips gehören, leicht unter den Erwartungen, was eine Erklärung für den Kursrückgang an der Börse sein könnte. Große Betreiber von Rechenzentren wie Microsoft, Google, Amazon oder Meta stehen für die Hälfte dieses Umsatzes. Mit den Blackwell-Chips, die im vergangenen Jahr auf den Markt kamen, hat Nvidia 17 Prozent mehr Umsatz erzielt als noch in den drei Monaten zuvor, Huang sprach von „außergewöhnlicher Nachfrage“.
Der Nettogewinn stieg um 59 Prozent auf 26,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie von 1,05 Dollar war um 4 Cent höher als erwartet. Für die kommenden drei Monate sagt Nvidia einen Umsatz von 54,0 Milliarden Dollar voraus. Das war etwas mehr als erwartet und würde einem Anstieg von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen.
In jüngster Zeit gab es verstärkt Diskussionen über eine mögliche Blase mit Blick auf KI. Sie wurden sogar von Sam Altman befeuert, dem Vorstandschef des ChatGPT-Entwicklers Open AI. Nach einem Bericht der Techpublikation “Verge“ sagte er kürzlich bei einer Veranstaltung, er beobachte unter Investoren derzeit “übermäßige Begeisterung“ rund um KI. Für Aufsehen sorgte kürzlich auch eine Studie des Massachusetts Institute of Technology, wonach 95 Prozent aller KI-Projekte in Unternehmen sich finanziell nicht ausgezahlt hätten. Nvidia-Chef Huang zeigte sich jetzt indessen zuversichtlich, dass sich die hohen Wachstumsraten auf dem Gebiet auch in Zukunft fortsetzen. Er sagte, bis zum Ende des Jahrzehnts rechne er mit Investitionen in die KI-Infrastruktur von 3 Billionen bis 4 Billionen Dollar.