– Seit Jahren ist das Ladensterben in der Innenstadt ein Thema, das Politik und Einwohner beschäftigt. Zwei Neueröffnungen sollen bis vor kurzem leerstehende Flächen wiederbeleben – doch ist die Wahl auf die richtigen gefallen?

Zwei neue Geschäfte stehen in der Nürnberger Innenstadt in den Startlöchern: Am 28. August 2025 eröffnete „Apollo Optik & Hörakustik“ einen sogenannten Flagshipstore im ehemaligen „Hallhuber“ in der Karolinenstraße – nur wenige Gehminuten von der „Apollo“-Filiale in der Königstraße entfernt. Das Maklerunternehmen „Immopartner“ ist ab Mitte September auf drei Etagen in der Kaiserstraße, ansässig. Zuvor befand sich das Ladenbüro der Firma in der Färberstraße. Können diese Neuzugänge die Innenstadt wiederbeleben?

Monotonie und wenig Auswahl an bekannten Marken

Zu wenig Auswahl, monotones Angebot, wenig Grün und mangelnde Sauberkeit: Das sind ein paar der am häufigsten genannten Kritikpunkte von Nutzerinnen und Nutzern der sozialen Medien, unter nordbayern.de-Artikeln zum Thema „Ladensterben in Nürnberg“.

Eine aktuelle Studie des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) in Kooperation mit dem Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat der Stadt Nürnberg bestätigt diesen Eindruck von Facebook und Co.: Laut dieser fühlen sich Nürnbergerinnen und Nürnberger zwar mit ihrer Stadt verbunden, viele schätzen das Flair der Innenstadt, das gastronomische Angebot und die kurzen Wege.

Doch die Befragten äußerten gleichzeitig den „Wunsch nach einer größeren Auswahl an bekannten Marken und besonderen Produkten, mehr Aufenthaltsmöglichkeiten, einer ansprechenderen Gestaltung der Einkaufsstraßen, einer verbesserten Sauberkeit sowie nach guten und günstigen Parkmöglichkeiten im Stadtzentrum“, zitiert der „Stab Innenstadt“ auf seiner Website.

Zukunft Innenstadt: So möchte Nürnberg die Attraktivität steigern und Leerstand bekämpfen

Der eigens vom Nürnberger Wirtschaftsreferat gegründete Stab hat sich mit der „Zukunftsinitiative Innenstadt“ zum Ziel gesetzt, „die Nürnberger Innenstadt attraktiver und belebter zu machen“. Dazu gehöre eine gesunde Mischung aus Handel, Gastronomie, Freizeit, Bildung, Wohnen und Arbeiten, heißt es weiter.

Angebote seien „modern und lebendig“

Sind eine deutschlandweit vertretene Optik- und Hörakustik-Kette sowie ein Immobilienmakler in derart prominenter Lage, angesichts dieser Problematik die richtige Wahl?

Das Wirtschaftsreferat beantwortet diese Frage mit einem deutlichen Ja. Dass ein regionales Unternehmen mit Investitionen in einen größeren Standort mit Erlebnischarakter ein klares Bekenntnis zur Nürnberger Innenstadt setzt, spreche für die Attraktivität Nürnbergs und „unterstreiche die positive Dynamik“, so der Stab Innenstadt in einem Statement in Bezug auf die Eröffnung des Flagshipstores.

„Immopartner“ begründet seine Neueröffnung und den Umzug durch das Wachstum des Unternehmens: Man habe zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, Dienstleistungen erweitert und brauche daher schlichtweg mehr Platz. Laut Geschäftsführer Stefan Sagraloff profitierten Interessenten aus der gesamten Region von der zentralen Lage des Immobilienmaklerbüros, das seit 2003 in Nürnberg aktiv ist. Das Interesse von Passanten während der Umbauphase sei groß und bislang positiv gewesen, so Sagraloff auf Nachfrage unserer Redaktion. Daher habe man nicht den Eindruck, in der Kaiserstraße neben Kunstgalerie, Innenausstatter und Sportwagenhändler fehl am Platz zu sein.

Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine Neueröffnung, die das Shopping-Angebot in der Nürnberger Innenstadt aufwertet. Das Wirtschaftsreferat sieht genau darin allerdings einen Pluspunkt, der sich aus einem natürlichen Wandel der deutschen Innenstädte ergibt: „klassische Einzelhandelsflächen werden zunehmend durch andere Angebote ergänzt (…) Neue Nutzungen machen unsere Innenstadt somit modern und lebendig.“

Genau deshalb stünden die beiden Neueröffnungen auch nicht der „Zukunftsinitiative Innenstadt“ im Weg, die einen Branchenmix ausdrücklich vorsieht, um einer „Ketten-Monotonie“ entgegenzuwirken.

Neue Nutzungen aus unterschiedlichen Branchen tragen laut Wirtschaftsreferat dazu bei, das Angebot zu verbreitern. Ob es weitere Bewerber um die beiden Ladenflächen gegeben hat, möchte die Stadt aus „Gründen der Vertraulichkeit“ nicht preisgeben. Bei Einzelhandels-Ladenmieten von bis zu 50 Euro pro Quadratmeter (Stand 2024) in Nürnberger Toplage, dürften die Flächen in Kaiser- und Karolinenstraße jedoch auch nur für Händler einer gewissen Größenordnung infrage kommen.

Es gibt weitere Fortschritte – diese Geschäfte sind geplant

Die Umsetzung des Handlungsprogramms „Zukunftsinitiative Innenstadt“ zeigt dennoch bereits Wirkung: In diesem Jahr konnten laut Angaben des Wirtschaftsreferats bereits 40 Neueröffnungen in der Innenstadt gefeiert werden.

Auch nach dem Aus von „Kaufhof“ in Nürnberg im Juni 2023 gibt es zumindest Pläne für das leerstehende Haus in der Königstraße 14. Seit Oktober ist die Stadt offiziell Besitzerin des ehemaligen Kaufhofgebäudes. Seit September 2024 bringt die „Zukunftsmusik“ bereits Kunst und Kultur in die Innenstadt rund um das Gebäude. Und mit dem temporären 3000 Quadratmeter Modeoutlet von „Wöhrl“ sowie einem Pop-up-Store des schwedischen Möbelgiganten „Ikea“ zieht neues Leben in den leerstehenden Betonkoloss – aber eben auch nur vorübergehend.

Auch das Sorgenkind Breite Gasse soll schon bald in neuem Glanz erstrahlen: Nach Jahren des Leerstands und der Tristesse will die Stadt Nürnberg die Breite Gasse umfassend erneuern. Die Straße soll lebendiger werden, mehr bieten – und schon bald umgebaut werden. Schon Mitte September sollen die ersten Arbeiten beginnen. Bis Ende Mai 2026 soll hier ein neues Pflaster verlegt und mehr Grün installiert werden.

Auch das Gebäude, das 600 Jahre lang die Mohren-Apotheke an der Lorenzkirche beheimatet hat, hat Nachfolger gefunden: Dort finden sich derzeit ein Second-Hand-Laden. Die beliebte Kaufhauslette „TK Maxx“ eröffnet im kommenden Jahr eine neue Filiale im Herzen der Stadt, genauso wie der Sportwarenhändler „Decathlon“.

„Lago di Aufseß“ in Nürnberg: Von der Baugrube zum Ort für Gedankenspiel und Politikum

Um Leerstände zu vermeiden und leerstehende Ladenlokale durch Zwischen- oder Nachnutzung neu zu beleben, hat die Stadt einen digitalen Leerstands- und Gesuchsmelder ins Leben gerufen. Hier werden Anbieterinnen und Anbieter von Innenstadtimmobilien sowie suchende Gewerbetreibende zusammengebracht.