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Russlands Wirtschaft steht kurz vor einer Krise. Steigende Zinsen und Arbeitsmarktprobleme verschärfen die Situation. Welche Lösungsansätze gibt es?

Moskau – Russlands Wirtschaft steht am „Rande der Rezession“, wie der russische Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow bereits im Juni warnte. Um dies zu verhindern, müsse die Zentralbank „ein bisschen Liebe für die Wirtschaft“ zeigen. Bisher hatte sich die russische Wirtschaft durch Militärausgaben über Wasser gehalten, was jedoch zu Warnungen vor einer Überhitzung führte. Nun steht eine Abkühlung bevor, und das Land droht in eine Rezession zu geraten.

Russlands Wirtschaft vor Rezession – Zentralbank will gegensteuern

Im ersten Quartal 2023 verzeichnete das Bruttoinlandsprodukt Russlands erstmals seit 2022 einen Rückgang. Obwohl die offiziellen Zahlen für das zweite Quartal noch ausstehen, erwarten Analysten ein Wachstum von „saisonbereinigt nahe null“. Dies würde Russland nur knapp vor einer technischen Rezession bewahren. Die Zentralbank hatte zuvor Maßnahmen ergriffen, um das Wachstum zu bremsen und die Inflation zu kontrollieren.

Bildmontage aus Wladimir Putin und einem Panzer der Internationalen Kampftruppe in Litauen.Bildmontage aus Wladimir Putin und einem Panzer der Internationalen Kampftruppe in Litauen (Symbolfoto). Die russische Wirtschaft steht vor einer Krise. Hohe Zinsen und Arbeitsmarktdefizite verschärfen die Lage. Welche Maßnahmen werden ergriffen? © IMAGO / Funke Foto Services & IMAGO / Russian Look

Die neuesten Prognosen der Analysten zeigen einen deutlichen Pessimismus. Dmitri Polevoi, ein Ökonom, prognostiziert ein Wachstum im zweiten Quartal von „saisonbereinigt nahe null“, wie die Moscow Times berichtet. Bloomberg hingegen erwartet, dass Russlands Wirtschaft „im Vergleich zum Vorquartal leicht“ zulegen wird. Analysten wie Liam Peach von Capital Economics und Stanislaw Muraschow von der Raiffeisenbank in Moskau rechnen mit einem Wachstum von 0,3 Prozent.

„Stagnation“ für Russlands Wirtschaft möglich – was sich geändert hat

Die Frage bleibt: Was hat sich verändert? Russland hatte zuvor wiederholt positive Wirtschaftszahlen präsentiert. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da der Kreml bestrebt ist, sich gegenüber dem Westen als widerstandsfähig und stark darzustellen. Das Problem liegt in der Art des bisherigen Wachstums.

In den Jahren 2023 und 2024 meldete Russland ein starkes wirtschaftliches Wachstum, das hauptsächlich auf massive Investitionen in den Rüstungssektor und die hohe Kriegsproduktion zurückzuführen war. Ökonomen warnten frühzeitig, dass dieses Wachstum nicht nachhaltig sei. Die produzierten Güter dienten nicht dem Fortschritt des Landes, sondern wurden auf den Schlachtfeldern in der Ukraine eingesetzt, wo sie einem hohen Zerstörungsrisiko ausgesetzt waren.

Schwächeres Wachstum im zweiten Quartal – Russlands Wirtschaft unter Druck

Verschiedene Risiken, die teilweise direkt aus dem Ukraine-Krieg resultieren, vermischen sich zunehmend. So musste Kreml-Chef Wladimir Putin mehrfach auf wichtige Reserven zurückgreifen, damit die Regierung den Haushalt versorgen konnte. Die Inflation erreichte ein Rekordniveau, und Kriegsdienst sowie Landflucht führten zu einem erheblichen Arbeitskräftemangel.

Dies wiederum trieb die Löhne in die Höhe, da Unternehmen in stärkeren Wettbewerb zueinander traten. „Zusammen genommen sorgen diese Faktoren voraussichtlich für eine Periode langsameren Wachstums, wenn nicht Stagnation“, analysierte der Thinktank Atlantic Council im Winter 2024.

Die Folgen sind deutlich: Die Industrieproduktion und die Ausgaben in Russland sind zuletzt stark gesunken. Der „Boost“ durch die Kriegsproduktion ist erschöpft. „Die Wirtschaft könnte, und wird wahrscheinlich, im Jahr 2025 schrumpfen“, so der Ökonom Wladislaw Inozemtsew in der Moscow Times.

„Rezession ist kein Fehler, sondern ein Merkmal“ – größere Schwierigkeiten für russische Unternehmen

Ein halbes Jahr später wagte Reschetnikow seine Warnung. Beim St. Petersburg Economic Forum im Juni 2025 erklärte er, Russland stehe am Rande einer Rezession. Elina Ribakova, Vize-Präsidentin für Auslandspolitik an der Kyiv School of Economics, gab bei bruegel an: „Die Rezession, die Russland nun droht, ist kein Fehler, sondern ein Merkmal seiner Militarisierungspolitik.“

Russland habe dem Militärsektor Vorrang vor der Landesentwicklung eingeräumt, was sich nun im Wirtschaftswachstum widerspiegele.

Die Zentralbank Russlands reagierte mit einer Erhöhung der Leitzinsen auf zwischenzeitlich bis zu 21 Prozent. Dies führte dazu, dass viele russische Unternehmen Schwierigkeiten bei der Rückzahlung ihrer Kredite haben. Selbst Putin bezeichnete dies als „alarmierendes Signal“ und betonte, dass es die Aufgabe der Regierung und der Zentralbank sei, eine „sanfte Landung“ der Wirtschaft zu gewährleisten. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten.