
Der amtierende Oberbürgermeister Thomas Westphal muss sich gegenüber Alexander Kalouti in der Stichwahl behaupten. © Stephan Schuetze
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Die Oberbürgermeisterwahl in Dortmund hat ein Ergebnis hervorgebracht, das auf den ersten Blick Klarheit verspricht, bei genauerem Hinsehen aber auch Unwägbarkeiten birgt. Amtsinhaber Thomas Westphal (SPD) erreichte 27,5 Prozent und lag damit von Beginn an deutlich vor seinen Konkurrenten.
Sein Vorsprung von zehn Prozentpunkten auf den Zweitplatzierten Alexander Kalouti ist solide und erinnert in seiner Dimension an die Wahl von 2020, als Westphal ebenfalls mit einem klaren Abstand in die Stichwahl ging. Doch damals schrumpfte der Vorsprung im zweiten Durchgang auf ein knappes 52 zu 48 Prozent gegen den CDU-Kandidaten Andreas Hollstein. Die Frage, ob sich dieses Szenario wiederholen kann, steht nun erneut im Raum.
Favorit ohne Mehrheit
Westphals Ergebnis ist insofern bemerkenswert, als er ohne ernsthafte Gefahr den ersten Platz sichern konnte. Allerdings bleibt die Tatsache, dass nicht einmal ein Drittel der Wählerinnen und Wähler ihn gewählt hat.
Für eine Großstadt wie Dortmund bedeutet das: Der Amtsbonus ist vorhanden, aber die absolute Mehrheit muss hart erkämpft werden. In der Stichwahl wird Westphal auf zusätzliche Unterstützung angewiesen sein – und die hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Grünen und die Wählerinnen und Wähler kleinerer Kandidaturen positionieren.
Zweikampf um Platz zwei
Während Westphal an diesem Sonntag kaum zittern musste, blieb der Kampf um Platz zwei spannend. Alexander Kalouti konnte sich letztlich mit etwa 17 Prozent durchsetzen, musste aber zusehen, wie Martin Cremer (parteilos) und Heiner Garbe (AfD) mit rund 14,5 Prozent dicht aufschlossen. Kathrin Lögering (Grüne) erreichte ebenfalls 14 Prozent und bestätigte damit weitgehend die Prognosen. Dass Kalouti dennoch unangefochten in die Stichwahl einzieht, zeigt die Zersplitterung der Konkurrenz – und verdeutlicht, dass er seine Chance nicht aus eigener Stärke, sondern durch fehlende Geschlossenheit der anderen Bewerber wahrte.
Für die Stichwahl kommt den Grünen eine Schlüsselrolle zu. Schon jetzt ist klar, dass ihre Wählerinnen und Wähler den Ausschlag geben könnten.
Grüne als Zünglein
Noch gibt man sich zurückhaltend: Man will Gespräche mit beiden verbliebenen Kandidaten führen, bevor eine Entscheidung getroffen wird, erklärte Katrin Lögering. Inhaltlich wies sie aber auf große Differenzen vor allem mit Kalouti und dem konservativen Lager hin, das stark auf Sicherheit, Ordnung und Kritik an der Innenstadt setzt. Diese Tonlage stößt bei vielen Grünen-Mitgliedern auf Skepsis. Am Dienstag soll eine Mitgliederversammlung erste Weichen stellen – ob es zu einer offiziellen Wahlempfehlung kommt, ist offen.
Ob die Grünen, hier OB-Kandidatin Katrin Lögering, Westphal unterstützen, ist ungewiss – ihre Entscheidung gilt als Schlüssel für den Ausgang der Stichwahl.© Stephan Schuetze
Cremer ohne Empfehlung
Martin Cremer, der im Wahlkampf durchaus Akzente setzen konnte, hat bereits signalisiert, dass er keine Empfehlung für die Stichwahl abgeben will. Seine Anhänger könnten daher zur entscheidenden Unbekannten werden. Ob sie sich enthalten, zu Westphal tendieren oder in Teilen doch Kalouti unterstützen, bleibt abzuwarten.
Erfahrungsgemäß entscheidet in solchen Fällen weniger eine geschlossene Bewegung als vielmehr die individuelle Abwägung der Wählenden.
Dynamik der Stichwahl
Das Zusammenspiel dieser Faktoren macht die kommende Stichwahl spannend. Westphal startet mit einem klaren Vorsprung, darf sich aber keineswegs sicher fühlen. Kalouti kann nur dann aufholen, wenn er sowohl Wählerinnen und Wähler aus dem konservativen Lager mobilisiert als auch zumindest Teile der grünen Anhängerschaft anspricht.
Ob ihm das gelingt, ist fraglich, ebenso wie die Frage wie geschlossen er die CDU-Basis hinter sich hat. Westphal hingegen wird versuchen, die Grünen inhaltlich näher an sich zu binden und gleichzeitig auch unentschlossene Cremer-Wähler einzufangen.
Klarheit mit Fragezeichen
Die Dortmunder Oberbürgermeisterwahl hat damit ein Bild gezeichnet, das auf den ersten Blick stabil wirkt, im Detail aber viele offene Fragen hinterlässt. Die Grünen müssen entscheiden, wie weit sie bereit sind, für Einfluss auf die Stadtpolitik eine Wahlempfehlung zu geben.
Und im Hintergrund steht der wachsende Druck durch die AfD, die das Parteiensystem in Dortmund zunehmend durcheinanderwirbelt. Die eigentliche Entscheidung fällt erst in zwei Wochen – und sie könnte, wie schon 2020, knapper ausfallen, als es das erste Ergebnis vermuten lässt.