2024 waren weltweit rund 35 Millionen Passagiere an Bord und bis 2040 wird mit mehr als 40 Millionen Kreuzfahrer jährlich gerechnet. Dennoch werden auch die kritischen Töne in Hinblick auf Kreuzfahrt-Tourismus keineswegs leiser. So hat sich der Naturschutzbund Nabu mit 14 der größten Reedereien der Welt in Verbindung gesetzt, um das Nachhaltigkeits-Ranking 2025 zu erstellen. Ein trauriger Trend aus deutscher Sicht: Hiesige Anbieter nicht mehr zur Elite, aber etablieren sich im vorderen Mittelfeld.
Nach welchen Kriterien wurden die Kreuzfahrt-Anbieter gerankt?
14 Reedereien wurden durch den Nabu für sein aktuelles Kreuzfahrt-Ranking angeschrieben und nach ihren Klimazielen, Treibstoffstrategien und technischen Maßnahmen befragt. Insgesamt zwölf haben die kritischen Fragen der Organisation beantwortet. Bewertet wurden folgende Kriterien:
Deutsche Kreuzfahrt-Marken gehören nicht zur Elite
Im Ergebnis erreichten gerade mal zwei Anbieter die Hälfte aller möglichen Punkte. Ganz oben steht der norwegische Anbieter Havila, gefolgt von der ebenfalls norwegischen Reederei Hurtigruten und Ponant aus Frankreich. Und wo stehen die deutschen Marken?
Zwar schaffen es Mein Schiff und Aida immerhin es ins vordere Mittelfeld – allerdings einem Abstand von bis zu zwei Punkten auf Branchenprimus Havila. Während Mein Schiff wie im Jahr 2024 den vierten Platz belegt, klettert Aida im Vergleich zum Vorjahr einen Rang und schließt auf Platz 5 ab. Dennoch ein deutlicher Rückschritt, lag die Rostocker Reederei 2022 noch auf Platz zwei, und musste sich nur dem damaligen Champion Hurtigruten geschlagen geben.
Am unteren Ende des Rankings finden sich die großen Konzerne aus den USA wie Carnival, Norwegian Cruise Line und Royal Caribbean. Zwei Anbieter – Phoenix Reisen und Viking Ocean Cruises – reagierten wie auch schon öfter in der Vergangenheit gar nicht auf die Nabu-Anfrage und wurden deshalb nicht gewertet.
Aida und Mein Schiff: Vor allem der Kraftstoff bleibt ein Problem bei Kreuzfahrten
Für viele deutsche Urlauber sind Aida und Mein Schiff die beliebtesten Marken auf See – mit vertrautem Service, deutschsprachiger Reiseleitung und großem Unterhaltungsangebot. Umwelttechnisch sieht das Bild aber optimierungsbedürftig aus.
Beide Reedereien setzen zwar zunehmend auf Landstrom im Hafen, um die Motoren während der Liegezeit abzuschalten. Mein Schiff ist hier laut Nabu sogar vollständig ausgerüstet. Auch beim Energiemanagement und der Effizienz an Bord gibt es Fortschritte: bessere Routenplanung, optimierte Rumpfformen, weniger Verbrauch.
Doch ein zentrales Thema bleibt die Achillesferse beider Reedereien: Kraftstoff. Aida und Mein Schiff setzen – zugegebenermaßen wie viele Konkurrenten – auf LNG (verflüssigtes Erdgas) als Zwischenlösung. Das klingt zunächst klimafreundlicher, ist es aber nur auf den ersten Blick. Dessen Hauptbestandteil Methan sei laut Nabu nämlich über einen kurzfristigen Zeitraum gesehen mehr als 80-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Die Naturschützer kritisieren diesen Kurs deutlich: Statt auf LNG sollten die Reedereien ihrer Meinung nach stärker in erneuerbare Treibstoffe (eFuels) investieren. Einen kleinen Lichtblick gibt es allerdings: Mein Schiff betreibt bereits ein methanolfähiges Schiff – bislang aber ein Einzelfall.
Wo die Kreuzfahrt-Branche insgesamt schwächelt
Es sind aber nicht nur Aida und Mein Schiff, die Nachholbedarf haben. Auch international komme die Kreuzfahrt-Branche laut Nabu nur langsam vom Kurs fossiler Abhängigkeit weg. Große Kritikpunkte der NGO sind:
Insgesamt bleibt in der Bewertung der einzelnen Reedereien zu beobachten, dass sich die Ergebnisse 2025 eher verschlechtert haben und Nabu kommt für sich zum harten Urteil: „die nachhaltigste Kreuzfahrt die, die nicht stattfindet“. In den vergangenen beiden Jahren konnten immerhin noch vier beziehungsweise sechs Reedereien die 50-Prozent-Marke knacken – waren es nur noch zwei.
Kreuzfahrt-Reedereien offenbaren auch Fortschritte mit Potenzial
Immerhin sei aber nicht alles schlecht, bilanziert der Nabu in seinem Ranking und so gebe es vor allem in folgenden Punkten erhebliche Verbesserungen:
Das Nabu-Ranking in der Übersicht:
Auf geteiltem letzten Platz 13, da durch ausbleibende Antworten keine Wertung möglich war, sind Phoenix Reisen und Viking Ocean Cruises.