Fragen & Antworten

Standdatum: 14. Oktober 2025.

Autorinnen und Autoren:
Alexander Schnackenburg

Ein Polizist und eine Autofahrerin betrachten einen Verkehrsunfall zweier PKW (Vorfahrt genommen)

Die Polizei sichert Beweise nach einem Unfall. Bei Verstößen gegen die Rechts-vor-Links-Regel lässt sich mitunter schwer erkennen, ob der Crash provoziert gewesen ist.

Bild: dpa | Maximilian Koch

Knallt es im Straßenverkehr, muss das kein Unfall sein. Versicherungen gehen von vielen vorsätzlichen Zusammenstößen aus. Täter spielen dann Opfer, sagt die Polizei Bremen.

Mindestens 16-mal soll ein Mann Verkehrsunfälle provoziert haben, unter anderem in Bremen. Das mutmaßliche Ziel dahinter: Haftpflichtansprüche bei Versicherungen geltend zu machen. Ein Einzelfall? Keinesfalls, sagt Kathrin Jarosch, Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Rund zehn Prozent aller gemeldeten Schadensfälle betrachteten die Versicherungen als verdächtig und somit als „prüfwürdig“. Das betreffe insbesondere viele Schäden an Kraftfahrzeugen.

Wie aber sieht ein typischer Versicherungsbetrug durch vermeintliche Verkehrsunfälle aus? Und wie können Opfer das üble Spiel durchschauen? buten un binnen hat darüber mit dem GDV, mit der Polizei Bremen und mit Ralph Orléa gesprochen. Er ist stellvertretender Obermeister der KFZ-Innung Bremen.

Wie sehen falsche Verkehrsunfälle typischer Weise aus?

Die Polizei Bremen unterscheidet zwischen zwei Typen, teilt Polizei-Sprecher Nils Matthiesen mit: zwischen provozierten und fingierten Unfällen. Bei den provozierten Unfällen nutze das vermeintliche Unfallopfer absehbare Fahrfehler oder auch eine unklare Verkehrslage aus.

Als Klassiker hierfür gilt der provozierte Auffahrunfall. Wie aus dem Nichts bleibt das Auto vor dem eigenen Wagen auf einmal stehen. Die Zeit, um rechtzeitig zu bremsen, reicht nicht. Ehe man sich versieht, knallt es. Die Schuld bekommt in solchen Fällen im Regelfall der auffahrende Fahrer zugewiesen, teilt der ADAC dazu mit und fügt hinzu: „Etwas anderes gilt nur, wenn der Vorfahrende ohne triftigen Grund und nicht verkehrsgerecht abgebremst hat und der Hintermann dies auch beweisen kann.“

Fingierte Verkehrsunfälle sind Matthiesen zufolge Ereignisse, bei denen bereits vorbeschädigte Fahrzeuge an einem gestellten Unfall beteiligt sind – mit dem Ziel, die vorhandenen Schäden gegenüber der Versicherung abzurechnen, möglicherweise sogar zum wiederholten Mal.

Vor einem Auffahrunfall mit 2 PKW telefoniert ein Mann mit einem Mobiltelefon

Auffahrunfälle lassen sich durch plötzliches Bremsen besonders leicht herbeiführen. Wer in einen solchen Unfall verwickelt ist, sollte unbedingt die Polizei rufen.

Bild: dpa | Shotshop/Monkey Business 2

Wie gehen die falschen Unfallopfer typischerweise vor?

Neben dem Auffahrunfall als typisch gelte etwa der konstruierte Verstoß gegen die Rechts-vor-Links-Regel, sagt Ralph Orléa, stellvertretender Obermeister der KFZ-Innung Bremen. In besonders dreisten Fällen zeige das angebliche Unfallopfer dem falschen Täter per Handzeichen an, auf sein Vorfahrtsrecht verzichten zu wollen –  um dann plötzlich Gas zu geben. „Danach wird das Auto notdürftig im Hinterhof repariert. Aber gegenüber der Versicherung wird mithilfe eines selbst gesuchten Gutachters ein hoher Schaden geltend gemacht“, beschreibt Orléa das Vorgehen nach dem Crash.

Woran kann man erkennen oder wenigstens erahnen, dass etwas faul ist?

Typische Warnzeichen dafür seien ein unauffälliger Alleinfahrer auf der einen Seite und ein auffällig hochwertiges Fahrzeug mit forsch auftretendem Fahrer auf der anderen Seite. Zumal dann, wenn dieser auch noch für sofort verfügbare Zeugen sorgen könne, sagt Polizei-Sprecher Matthiesen. Mitunter komme unlogisches Fahrverhalten des falschen Opfers hinzu: plötzliches Abbremsen, Ausbremsen oder auch beschleunigtes Wegfahren nach dem Einfädeln.

Wie das Provozieren eines Unfalls beim Einfädeln von statten gehen kann, schildert der GDV so: „Meist winkt der Täter dem Fahrer im Auto hinter oder neben ihm, er könne die Fahrbahn wechseln oder einscheren, um dann im geeigneten Moment aufs Gas zu treten und sein Opfer, am besten allein im Auto sitzend, zu rammen oder sich rammen zu lassen. Der so in den Unfall Verwickelte ahnt oft nicht, dass er in eine Falle geraten ist und sich meist gleich mehreren Tätern gegenübersieht, die seine angebliche Schuld später bezeugen.“

Was sollte man tun, wenn man das Gefühl hat, in einen provozierten Unfall verwickelt worden zu sein?

„Wenn Sie den Verdacht haben, Opfer eines Betrügers zu sein – handeln Sie sofort“, rät Matthiesen: „Machen Sie Fotos von der Unfallstelle und von allen Fahrzeugen.“ Dabei solle man auch auf mögliche Vorschäden an den Autos achten. Zudem solle man sich die Personalien von Zeugen und Beifahrern notieren und sich merken, ob sich diese Personen neutral verhalten. Auch solle man die Polizei zur Unfallstelle rufen, seinen Verdacht schildern und umgehend die Versicherung informieren.

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
Bremen Eins, Nachrichten, 1. Oktober 2025, 7:30 Uhr