Ein weiß geschminkter Schauspieler auf einer Bühne

AUDIO: Freundschaft und Feindschaft von Klaus Mann und Gustaf Gründgens (3 Min)

Stand: 26.10.2025 15:05 Uhr

Vor 100 Jahren ist das Stück „Anja und Esther“ am Theater Hamburger Kammerspiele ständig ausverkauft. Das Stück über gleichgeschlechtliche Liebe mit Klaus Mann und Gustaf Gründgens ist der Beginn einer wahren Geschichte, die klingt wie aus einem Roman.

von Danny Marques Marçalo

1925 ist „Anja und Esther“ eine Sensation. Doch der Erfolg hält nicht, es entwickelt sich eine Geschichte von Liebe, von Verrat und von Rache und Feindschaft. Die in einem teuflischen Roman endet.

Theaterstück über gleichgeschlechtliche Liebe

Das Stück erzählt von jungen Menschen in einem Heim. Anja und Esther scheinen eindeutig verliebt zu sein. „Wirr, langatmig, abgehoben“, schreibt die Presse damals. Aber einer aus dem Ensemble fällt auf: Gustaf Gründgens. „Er glitzerte und sprühte vor Talent. Der charmante, einfallsreiche, hinreißen gefallsüchtige Gustaf. Ganz Hamburg stand unter seinem Zauber“, schreibt Klaus Mann über Gründgens. Klaus hat „Anja und Esther“ geschrieben, spielt wie seine Schwester Erika mit. Die Manns, Kinder von Thomas Mann, und Gründgens sind eng befreundet. Sehr eng. Erika und Gustaf heiraten später. Obwohl jeder damals weiß: Gründgens liebt Männer. Genau wie Klaus Mann. Es gibt Gerüchte.

Ich bin der Geist, der stets verneint und das mit Recht. Denn alles was entsteht, ist es wert, dass es zugrunde geht.

Johann Wolfgang von Goethe „Faust I“

Jahre später wird Gründgens als Mephisto im Faust ein Superstar. Die Hamburger Jahre sind etwas kleiner. Wegen der homosexuellen Untertöne im Stück, aber auch hinter den Kulissen, ist das Stück aber ein Hit. Es dauert wenige Jahre, da trennen sich die Wege der Manns und Gründgens‘.

Gustaf Gründgens in seinem Kostüm als Mephisto im Interview am Filmset zu Faust

Der Schauspieler äußert sich im Juni 1960 zu seiner Rolle als „Mephisto“ in der „Faust“-Verfilmung von Peter Gorski.

Gründgens wird Lieblingsschauspieler von Hermann Göring

„Er litt an seiner Eitelkeit, wie an einer Wunde. Es war diese passionierte Gefallsucht, die seinem Wesen den Aufschwung gab. An der er sich aber auch buchstäblich zu verzehren schien. Wer sich seiner selbst sicher wäre, gäbe auch nicht so an“, schreibt Klaus über Gustav.  

Als die Nazis die Macht ergreifen, emigrieren die Manns in die Schweiz. Gründgens bleibt. Wird Teil der Berliner High Society, der Lieblingsschauspieler von Hermann Göring, der ihm hohe Posten in der Kultur verschafft. Gründgens sieht darin später kein Problem. „Ich möchte einmal der gewesen sein, der die Flamme in einer dunklen Zeit bewahrt und behütet hat“, sagt er.

Klaus Mann von Gustaf Gründgens enttäuscht

Aus dem Exil beobachtet Klaus Mann Gründgens‘ Karriere in der Nazi-Diktatur, wütend und enttäuscht. Er schreibt: „Ich stellte mir meinen Ex-Schwager vor, Gustaf Gründgens als Verräter par Excellence vor. Die makabere Verkörperung der Korruption und des Zynismus. ( Sein Verhalten konnte nicht anders verstehen als den Verrat an unserer gemeinsamen Vergangenheit.“

Gustaf Gründgens, deutscher Schauspieler und Regisseur, beim Einstudieren seiner Rolle als "Mephisto" im leeren Deutschen Schauspielhaus in Hamburg am 15.06.1959.

Politisch umstritten, als Schauspieler, Regisseur und Intendant legendär. Auf Hamburgs Bühnen begann und endete Gründgens‘ Karriere.

„Mephisto“ und „Friedemann Bach“

Klaus Manns „Mephisto – Roman einer Karriere“ erscheint 1936, allerdings nicht in Deutschland. Der „Held“ ist ein Schauspieler, der sich den Nazis anbiedert. Alle, die das Buch lesen, wissen wer gemeint ist. Gründgens antwortet nicht öffentlich, macht 1941 aber einen bemerkenswerten Film. „Friedemann Bach“.

Der große Vater hat seinen Sohn als Vertreter geschickt. – Welche Komposition will er denn spielen? – Wenn es gestattet ist, meine eigene Komposition, Majestät.

Filmzitat

Gustaf Gründgens sitzt in seiner Rolle als Wilhelm Friedemann Bach an einem Tisch, vor ihm Noten und eine Kerze.

Gustaf Gründgens als Friedemann Bach im gleichnamigen Film (Deutschland 1941; Regie: Traugott Müller; Buch: Helmut Brandis und Eckart von Naso).

Der Film erzählt vom Sohn Johann Sebastian Bachs, der nie wirklich aus dem Schatten des Vaters treten kann. Anspielung auf die Manns? Denkbar. Nach dem Krieg kommt Klaus Mann, als US-Soldat zurück nach Deutschland. Ist entsetzt, dass Gründgens nach einigen Monaten Kriegsgefangenschaft wieder Karriere macht. „Die Deutschen zeigen nicht die Spur einer Empfindung von Verantwortung. Geschweige denn ein Gefühl von Schuld“, schreibt er.

Wahre Geschichte wie aus einem Roman

1949 nimmt Klaus Mann sich das Leben. Gründgens wird dann Intendant am Schauspielhaus in Hamburg. 1963 stirbt er während einer Reise in Manila. Erst 1981 darf ein deutscher Verlag „Mephisto“ in Deutschland verlegen. Vorher hatten es Urteile gegeben, dass das Buch Gründgens‘ Persönlichkeitsrechte zu sehr verletze. Die Mann-Gründgens-Saga, die in Hamburg ihren Anfang nahm, ist eine wahre Geschichte – und klingt doch wie aus einem Roman.

Buchcover: Thomas Medicus - Klaus Mann. Ein Leben

Der Biograf erzählt im Gespräch vom Dauerkonflikt zwischen Klaus Mann und seinem Vater Thomas Mann – und von Manns traurigem Schicksal.

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Mann verfasste Flugblätter im Dienst der US-Armee. Acht Originaldokumente von 1944 konnte das Buddenbrookhaus nun kaufen.

Deutsches Schauspielhaus in Hamburg,

Am 15. September 1900 öffnet die Sprechbühne in Hamburg. Mehrfach erhält das Schauspielhaus die Auszeichnung „Theater des Jahres“.

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