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Lecker Spekulatius! Aber Achtung: Nicht jedes Produkt ist empfehlenswert. © Michael Bihlmayer/Imago
Die Stiftung Warentest hat 17 Spekulatius untersucht. Drei Produkte eines Herstellers überschreiten deutlich den Richtwert für Acrylamid.
Dortmund – Die Stiftung Warentest hat 17 Spekulatius-Produkte auf den Schadstoff Acrylamid getestet. Während 14 Produkte mit sehr geringen Belastungen überzeugen, fallen drei Spekulatius negativ auf. Alle stammen vom selben Hersteller.
Stiftung Warentest prüft Spekulatius: Drei Produkte fallen auf
Die Verbraucherorganisation hat für ihren Test (Ausgabe 12/2024) klassische Gewürzspekulatius, Butterspekulatius sowie glutenfreie Varianten untersucht. Der gesetzliche Richtwert liegt bei 350 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm Gebäck. 14 von 17 Produkten unterschreiten diesen Wert und gelten als „sehr gering“ oder „gering“ belastet.
Die Preisspanne reicht von 0,28 bis 2,92 Euro pro 100 Gramm. Besonders günstige Produkte von Discountern schneiden dabei genauso gut ab wie teurere Markenartikel. Dies zeigt: Verbraucher müssen für schadstoffarme Spekulatius nicht tiefer in die Tasche greifen.
Spekulatius vom Discounter überzeugen mit niedrigen Schadstoffwerten
Die besten Werte erzielen glutenfreie Spezialprodukte. Der Testsieger von Hammermühle weist nur 7 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm auf. Allerdings kostet dieses Produkt 2,92 Euro pro 100 Gramm.
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Deutlich günstiger und ebenfalls empfehlenswert sind Spekulatius von Netto Marken-Discount und Penny. Beide kosten nur 0,28 Euro pro 100 Gramm und enthalten lediglich 27 beziehungsweise 44 Mikrogramm Acrylamid. Auch Produkte von Rewe, Edeka und Alnatura überzeugen mit niedrigen Schadstoffwerten.
Die Testergebnisse widerlegen das Vorurteil, Discounterwaren seien grundsätzlich schlechter. Bei der Schadstoffbelastung gibt es zwischen günstigen und teuren Produkten keine systematischen Unterschiede (mehr News zu Supermärkten und Discountern bei RUHR24).
Kekse von Aldi und Kaufland deutlich mit Schadstoff belastet
In drei Spekulatius-Produkten ist die Schadstoffbelastung deutlich. Der Gewürz-Spekulatius von Borggreve und die Winteredition von Kaufland enthalten jeweils 200 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm. Der Wintertraum-Spekulatius von Aldi erreicht sogar 225 Mikrogramm.
Alle drei Produkte stammen laut Etikett vom Hersteller Borggreve. Die Stiftung Warentest vermutet systematische Produktionsprobleme. Die Zutaten allein erklären die erhöhten Werte nicht. Mögliche Ursachen sind zu hohe Backtemperaturen oder zu lange Backzeiten. Auch bei anderen Keksen wurden erhöhte Werte von Acrylamid in einem Test gefunden.
„Potenziell krebserregende“ Stoffe in Keksen entdeckt
Acrylamid entsteht beim Backen, Braten oder Frittieren kohlenhydratreicher Lebensmittel. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wird der Stoff in der Leber zu Glycidamid umgewandelt. Diese Substanz gilt als erbgutschädigend und krebserregend.
Was ist Stiftung Warentest?
Stiftung Warentest ist eine unabhängige deutsche Verbraucherorganisation mit Sitz in Berlin. Sie testet Produkte und Dienstleistungen nach wissenschaftlichen Methoden und veröffentlicht die Ergebnisse. Die Organisation ist als Stiftung bürgerlichen Rechts rechtlich selbstständig und finanziert sich hauptsächlich durch den Verkauf ihrer Publikationen.
Die Tests finden in unabhängigen Instituten statt, Produkte werden anonym eingekauft. Neutralität ist oberstes Gebot, Werbung wird nicht veröffentlicht und der Einfluss von Herstellern ist ausgeschlossen. Stiftung Warentest hilft Verbrauchern, durch vergleichende Tests die passenden Produkte oder Dienstleistungen zu finden.
Quellen: Stiftung Warentest
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft Acrylamid als „potenziell krebserregend“ ein. Im Tierversuch schädigte der Stoff das Erbgut, erzeugte Krebs und beeinträchtigte das Nervensystem. Die genaue Wirkung auf den Menschen ist jedoch nicht abschließend geklärt.
Kaffee, Chips und Kekse: In diesen Lebensmitteln kommt der Schadstoff vor
Die EFSA veröffentlichte im Juni 2015 ein umfassendes Gutachten zur Risikobewertung. Humanstudien lieferten bislang keine einheitlichen Ergebnisse. Ein Zusammenhang zwischen Acrylamidaufnahme und Krebserkrankungen kann weder angenommen noch ausgeschlossen werden.
Dennoch gilt: Eine unbedenkliche Aufnahmemenge gibt es nicht. Das Bundesamt empfiehlt, die Belastung sollte „so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar“ sein.
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Die EFSA untersuchte seit 2010 über 43.000 Lebensmittelproben aus 24 europäischen Ländern. Die höchsten Gehalte pro 100 Gramm finden sich in Kaffee und Kaffeeersatzprodukten, gefolgt von Kartoffelchips, frittierten Kartoffelerzeugnissen sowie Keksen und Knäckebrot.
Acrylamid entsteht auch zu Hause: Bundesamt gibt wichtige Hinweise
Verbraucher sollten beim Backen, Braten und Frittieren zu Hause auf niedrige Temperaturen achten. Das Bundesamt empfiehlt die Faustregel „vergolden statt verkohlen“.
Bei Temperaturen unterhalb von 180 Grad entstehen deutlich geringere Mengen Acrylamid. Der Bräunungsgrad gibt Aufschluss über den Acrylamidgehalt: Je dunkler das Produkt, desto mehr Schadstoff enthält es. Die Stiftung Warentest rät bei Ober- und Unterhitze zu maximal 190 Grad, bei Umluft zu 170 Grad.
Auch beim Selberbacken sollten Verbraucher auf die Temperatur im Backofen achten – sonst können Schadstoffe entstehen. © imageBROKER/Harry Hart/ImagoStiftung Warentest untersucht Spekulatius – drei Produkte besser nicht kaufen
Der Test der Stiftung Warentest liefert überwiegend positive Ergebnisse. 13 von 17 Spekulatius sind sehr gering belastet und können bedenkenlos gekauft werden. Discounterprodukte überzeugen dabei mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Lediglich drei Produkte vom Hersteller Borggreve sollten Verbraucher meiden. Seit der Entdeckung von Acrylamid im Jahr 2002 haben Hersteller die Gehalte erheblich gesenkt, wie das Bundesamt bestätigt.