Zwei Stockbetten für vier Menschen, vier abschließbare Spinde, ein Tisch, vier Stühle, ein Kühlschrank, Fenster. So sieht ein Zimmer in der neuen Gemeinschaftsunterkunft an der Inselstraße in Stuttgart-Wangen aus. Das ehemalige Bürogebäude hat sechs Etagen, auf die 36 Zimmer verteilt sind. Bis zu 138 Menschen können dort eine Bleibe auf Zeit finden. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) wird die Unterkunft betreuen, die Schlüssel dafür sind gerade erst übergeben worden.

Kommende Woche werden die ersten geflüchteten Menschen einziehen, Ende November soll die Unterkunft voll belegt sein. Etwa 50 interessierte Einwohnerinnen und Einwohner aus Wangen haben die neue Einrichtung am Dienstagabend besichtigt.

Die Unterbringung von Geflüchteten in Hotels ist für die Stadt Stuttgart viel teurer

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat derzeit gut 9000 Geflüchtete untergebracht. Dazu ist die Stadt verpflichtet. Rund 8000 Menschen leben in sogenannten regulären Unterkünften, also mit der Möglichkeit zur Selbstversorgung. 1320 Personen waren Ende September in Notunterkünften wie angemieteten Hotels untergebracht. Dort werden sie per Catering-Service versorgt. Diese Notunterkünfte kosten die Stadt sehr viel mehr Geld als Gemeinschaftsunterkünfte. Deswegen sollen möglichst bis Ende dieses Jahres alle Notunterkünfte geschlossen werden.

Notunterkünfe in Hotels sind für die Stadt sehr viel teurer als Gemeinschaftsunterkünfte wie in Wangen. (Symbolbild) Foto: imago/Sylvio Dittrich

Die neue Wangener Unterkunft hätte eigentlich längst eröffnet und belegt sein sollen. Baurechtliche Vorgaben und Probleme mit dem Brandschutz verzögerten das Projekt. Ursprünglich war auf ein Ende der Bauarbeiten Mitte 2023 gehofft worden. Zwischenzeitlich drohte das Projekt ganz zu scheitern, bevor dann doch Lösungen gefunden wurden.

Bis jetzt gab es in Stuttgart-Wangen 16 Plätze für geflüchtete Menschen. Damit lag Wangen im Vergleich aller Stadtbezirke ganz am Ende. Die meisten Plätze gibt es derzeit in Weilimdorf (1237) vor Bad Cannstatt (1086) und Feuerbach (943). In Wangens Nachbarbezirken Hedelfingen und Untertürkheim stehen jeweils rund 200 Plätze zur Verfügung.

An der Inselstraße in Wangen sind die Bewohner für die Reinigung der Zimmer selbst zuständig

Belegt werden die Zimmer an der Inselstraße – wie in allen Unterkünften – möglichst gemischt, also mit Menschen „unterschiedlichster Nationalitäten, Religionen und Kulturen”, wie es am Dienstagabend hieß. Etwa ein Drittel werden alleinstehende Personen sein, etwa zwei Drittel Familien. Ziel ist, „Offenheit und Akzeptanz zu schaffen und gegenseitigen Vorurteilen vorzubeugen“.

An der Inselstraße gibt es auf jeder Etage eine Gemeinschaftsküche und Sanitärräume. Im Erdgeschoss stehen zwei Gemeinschaftsräume zur Verfügung, im Untergeschoss ein Waschraum mit zwei Waschmaschinen und zwei Trocknern. Die Reinigung der Zimmer und der Gemeinschaftseinrichtungen wird von den Bewohnern unter Anleitung der Hausleitung selbst organisiert. Ein Sicherheitsdienst ist nicht vorgesehen.

Die Arbeiterwohlfahrt betreut in Stuttgart derzeit 32 Unterkünfte für Geflüchtete

„Wir unterstützen die Menschen in allen Lebenslagen“, sagte Johannes Engelhardt von der AWO Stuttgart. „Und wir kommen in der Regel gut aus.“ Die AWO betreut in Stuttgart zurzeit 32 Gemeinschaftsunterkünfte in zwölf Stadtteilen mit etwa 1400 Klientinnen und Klienten.

Der Bezirksbeirat von Wangen hatte die Unterkunft an der Inselstraße mehrheitlich befürwortet. Bezirksvorsteher Jakob Bubenheimer bot sich am Dienstagabend allen als erster Ansprechpartner an, sollte es in der Nachbarschaft Nachfragen geben. Bubenheimer vermittelt auch gerne, wenn sich jemand in der Unterkunft ehrenamtlich für die Geflüchteten engagieren will.