1. Startseite
  2. Wirtschaft

DruckenTeilen

Ein Naturkostunternehmen aus Baden-Württemberg meldet Insolvenz an: Ein KI-generiertes Symbolbild.Ein Naturkostunternehmen aus Baden-Württemberg meldet Insolvenz an: Ein KI-generiertes Symbolbild. © KI-Bild (FLUX.1)

Der einstige Marktführer für Chiasamen-Reinigung steht vor dem Aus. Die Beschäftigten bangen um ihre Arbeitsplätze und Gehälter.

Ravensburg – Die wirtschaftliche Krise hat einen weiteren traditionsreichen Betrieb erfasst. Die Naturkost Übelhör GmbH & Co. KG aus Friesenhofen bei Leutkirch im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg musste Insolvenz anmelden und reiht sich damit in die dramatisch ansteigende Zahl deutscher Unternehmenspleiten ein.

Das Ravensburger Amtsgericht hat am 15. Oktober das Insolvenzverfahren eingeleitet, wie der Schwäbische Verlag berichtet. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Rechtsanwalt Alexander Hubl von der Kanzlei Schneider Geiwitz & Partner. Das 1987 gegründete Unternehmen kann seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.

Insolvenz-Welle in Deutschland: Teil einer besorgniserregenden Entwicklung

Die Firma hatte sich über Jahrzehnte vom Ein-Mann-Betrieb zu einem international agierenden Unternehmen entwickelt. Mit Niederlassungen in Peru, Mexiko und den USA importierte und veredelte Übelhör Bio-Rohstoffe wie Chiasamen, Hülsenfrüchte und Kakaoprodukte für die Lebensmittelindustrie. Am Stammsitz in Friesenhofen betrieb das Unternehmen zeitweise die einzige Reinigungsanlage für Chiasamen in ganz Europa.

Die Insolvenz von Naturkost Übelhör steht im Kontext einer dramatischen Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Laut einer aktuellen Studie des Kreditversicherers Allianz Trade steigen die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2025 um elf Prozent auf rund 24.320 Fälle – fast doppelt so stark wie der weltweite Durchschnitt. Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade in Deutschland, warnt: „Nach einem sehr turbulenten Jahr 2025 zeigt sich für Deutschland langsam Licht am Ende des Insolvenz-Tunnels“. Dennoch bleiben die Prognosen düster: Für 2026 werden 24.500 Insolvenzen erwartet – der höchste Wert seit zwölf Jahren.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehrDie Geräte- und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm (links). Die bedeutende Farbenfabrik Siegle in Stuttgart (Mitte). Die Schokoladenfabrik Roth in Stuttgart (rechts). Fotostrecke ansehenNaturkost Übelhör vor dem Aus: 38 Arbeitsplätze bedroht

Die Zukunft der 38 Beschäftigten steht auf dem Spiel. Patrick Hacker, Pressesprecher des Insolvenzverwalters, bestätigt, dass bereits „erste wichtige Schritte“ eingeleitet wurden. Die Sicherung der Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld hat oberste Priorität. Da diese Zahlungen erst nach Eröffnung des Verfahrens erfolgen, organisiert der Insolvenzverwalter eine Vorfinanzierung. Gleichzeitig müssen die vorrätigen Bio-Rohstoffe zeitnah verkauft werden, da sie teilweise verderblich sind. Das Unternehmen will zudem laufende Aufträge im Dienstleistungsgeschäft abwickeln.

Die Pleite verdeutlicht die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft. Unternehmen leiden unter hohen Zinsen, restriktiven Kreditbedingungen und dem Wandel in verschiedenen Branchen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen geraten unter Druck.

Ungewisse Zukunft des Naturkost-Unternehmens Übelhör

Ob eine Rettung des Betriebs möglich ist, bleibt offen. Zu konkreten Restrukturierungsmaßnahmen erklärt Sprecher Hacker: „Derzeit ist es noch zu früh, um hierzu belastbare Aussagen zu treffen“. Das Insolvenzverfahren wird prüfen, ob eine Sanierung gelingt oder eine Schließung unvermeidlich ist. Das Unternehmen selbst hat bislang nicht auf Anfragen reagiert. Zuletzt musste auch ein anderes Unternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz anmelden, das während Corona noch geboomt hatte. (Quellen: Schwäbischer Verlag, DPA, AFP) (cgsc)