rbb|24: Herr Theile, man sagt Ihnen nach, einer der reisefreudigsten unter den Eisbären-Fans zu sein. Wo hat Sie die noch recht junge Saison schon überall hingeführt?

Spencer Theile (Eisbären Berlin): Ja, das stimmt. In der Bundesliga war ich letzte Woche in Bremerhaven und ich war bei beiden Champions-League-Spielen dabei – in Norwegen und in Klagenfurt. Und natürlich am Sonntag beim Heimspiel gegen Schwenningen.

Gegen Schwenningen setzte es zuletzt die vierte Niederlage in Serie. Macht Ihnen der schlechte Saisonstart Sorgen?

Gar nicht. Null. Wir spielen gerade mal vier Wochen. Da jetzt in Panik zu verfallen, wäre der falsche Weg. Wenn du beim Fußball vier Mal verlierst, sieht das schon sehr arg aus. Beim Eishockey spielst du zwei- bis dreimal die Woche und kannst über die Saison hinweg superviele Punkte einfahren. Da geht das schon noch.

Nicht einmal eine Klatsche gegen den Erzrivalen aus Mannheim, kann Ihren Fan-Freuden etwas anhaben?

Ich gönne es den Mannheimern sogar fast. Natürlich ist es ärgerlich, gegen den Erzrivalen so hoch zu verlieren … aber so können sie sich zumindest mal wieder ein bisschen Hoffnung machen, dass sie am Ende Deutscher Meister werden. Auch wenn ich das nicht glaube. Denn die wichtigen Spiele gewinnen ja meistens wir.

Zur Person

Seit rund 30 Jahren ist Spencer Theile Fan der Eisbären Berlin und hat als solcher die großen Erfolge der vergangenen Jahre hautnah miterlebt.

Der Berliner DJ und Konzertveranstalter war schon im altehrwürdigen Wellblechpalast ein Stammgast und begleitet seinen Herzensverein zu vielen von dessen Auswärtsspielen.

Geht der Rest der Eisbären-Fans ähnlich entspannt mit den vergangenen Wochen um?

Ich kann mir vorstellen, dass einige der Leute, die nur den Erfolg gewohnt sind, jetzt erstmal ein bisschen doof gucken. Aber die von uns, die schon lange dabei sind, sind eigentlich alle ziemlich gelassen. Wir wissen, dass die Hauptrunde sowas wie das Vorspiel ist. Zu verlieren ist zwar nervig und sieht in der Tabelle doof aus – aber so ist der Sport, wenn vielleicht auch mal das kleine bisschen Glück fehlt.

Mal abgesehen von dem kleinen bisschen Glück – wo sehen Sie die Gründe für die vielen Niederlagen?

Wir sind ja meistens nicht krachend untergegangen, aber in schwierigen Phasen kommt alles zusammen. Es sind viele Spieler verletzt und wir haben überhaupt nicht das Team auf dem Eis, das eingeplant war. In Bremerhaven haben wir wegen der vielen Verletzten mit nur 15 Mann gespielt. Und die letzten beiden Spiele hättest du eigentlich gar nicht verlieren dürfen. Gegen Schwenningen schießt du doppelt so oft auf das Tor wie der Gegner. Aber sie treffen halt das Tor nicht.

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Manchmal ist es ja auch gar nicht verkehrt, mal gemeinsam zu verlieren.

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Eisbären-Fan Spencer Theile

Was glauben Sie, macht diese komplizierte Situation mit der Mannschaft selbst?

Ich glaube, dass die Stimmung im Team trotzdem noch sehr gut ist. Das war ja auch letzte Saison inmitten der ganzen Tragik die große Stärke. Ich glaube, dass das Team die aktuelle Situation gemeinsam auffangen kann, aber das dauert eben ein bisschen. Und manchmal ist es ja auch gar nicht verkehrt, mal gemeinsam zu verlieren.

Drei weitere Spiele muss das Team auch noch den sportlichen Verlust von Yannick Veilleux auffangen, der nach seinem Check gegen Mannheims Luke Esposito sechs Spiele gesperrt wurde. Wie wurde die Thematik unter den Eisbären-Fans diskutiert?

Wir haben uns das natürlich alle angeguckt. Der Check sah schon hart aus. Es sah aber auch aus, als hätte der Gegner Yannick überhaupt nicht kommen sehen. Und der ist natürlich kein Kostverächter und Eishockey ist eine körperliche Sportart. Wir sind ja nicht beim Basketball, beim Tennis oder noch schlimmer: beim Fußball. Es war klar, dass die Szene von der DEL irgendwie sanktioniert wird. Das „Wie“ möchte ich dabei gar nicht bewerten. Ich finde das mit Lean viel schlimmer.

Yannick Veilleux von den Eisbären Berlin | Bild: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie

Fehlt aktuell noch gesperrt: Yannick Veilleux von den Eisbären | Bild: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie

Meinen Sie die Geldstrafe für Lean Bergmann nach dessen genervter Kritik an der Sperre durch die DEL und der Linie ihrer Schiedsrichter?

Ich blicke in diesem Fall sehr kritisch auf die DEL. Wir leben immer noch in einem Land, in dem es die Meinungsfreiheit gibt. Und wenn ein Spieler eine Geldstrafe bekommt, nur weil er etwas sagt, was der Liga nicht gefällt, dann ist das eine Frechheit. Man versucht da, die eigenen Schwächen zu kaschieren, indem man solche Leute mundtot macht.

Die Eisbären wollen ihre sportlichen Schwächen in den nächsten Wochen nicht nur kaschieren, sondern bestenfalls ausradieren. Wie kann das gelingen?

An der Grundeinstellung würde ich gar nicht zweifeln. Es wurde jetzt nochmal jemand nachverpflichtet, der helfen kann, aber das wird ein bisschen dauern. Und dann hat es natürlich auch etwas mit mentaler Stärke zu tun, aber in diesem Bereich wird ja sehr viel gearbeitet im Verein.

Das klingt nach viel Vertrauen in die Mannschaft. Was müsste passieren, damit dieses Vertrauen in die sportliche Wende doch langsam in Sorge umschwingt?

Ich würde mir schon Sorgen machen, wenn die nächsten Spiele auch alle verloren gehen – spätestens, wenn es nach der Länderspielpause im November nicht wirklich aufwärts geht. Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass wir die nächsten vier Spiele auch noch verlieren. Ich gehe davon aus, dass wir diese Saison noch sehr weit kommen werden.

Viele Dank für das Gespräch!

Das Interview wurde geführt von Lukas Witte.

Sendung: rbb24, 28.09.2025, 21:45 Uhr