Eine Frau im Auto wendet sich von einem Polizisten ab, Szenenbild aus Alfred Hitchcocks Fim "Psycho".

AUDIO: Zeitzeichen 7. Oktober 1960: Hitchcocks „Psycho“ startet in deutschen Kinos (15 Min)

Stand: 10.11.2025 10:55 Uhr

Heute eröffnet das Braunschweig International Film Festival (BIFF) seine 39. Ausgabe. In der dortigen Volkswagen Halle spielt das Staatsorchester Braunschweig live zum Psychothriller „Psycho“ von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1960.

Das Festival startet mit einem cineastischen wie musikalischen Höhepunkt. Das Eröffnungsfilmkonzert zu „Psycho“ wird in Kooperation mit dem Staatsorchester Braunschweig sowie dem Staatstheater Braunschweig präsentiert – unter der Leitung von Dirigent Ernst van Tiel. „65 Jahre nach Kinostart hat Alfred Hitchcocks erfolgreichster Film nichts von seiner Wirkung eingebüßt. Ich freue mich unheimlich auf diese einzigartige Aufführung von Bernard Herrmanns Musik durch das Staatsorchester Braunschweig zum Auftakt des BIFF „, erklärt Co-Festivalleiterin Karina Gauerhof des Filmfests Braunschweig.

Zum Inhalt des Thrillers um Norman Bates

In dem vor 65 Jahren im Kino gestarteten Thriller trifft sich die Sekretärin Marion Crane (Janet Leigh) mit ihrem Liebhaber in einem Stundenhotel in in Phoenix (US-Staat Arizona). Etwa eine Stunde später bekommt die junge, unbescholtene Sekretärin von ihrem Chef den Auftrag, 40.000 Dollar zur Bank zu bringen, doch stattdessen flieht Marion Crane mit ihrem Wagen aus der Stadt. Sie ist zur Diebin geworden. In Nordkalifornien findet sie erschöpft am Rande eines Highways im dichten Regen ein Motel.

Der freundliche Mitarbeiter Norman Bates (Anthony Perkins) zeigt ihr die Unterkunft und bietet ihr einen Sandwich an. Danach richtet sie sich im Zimmer Nummer eins ein, versteckt das gestohlene Geld in einer Zeitung – und nimmt die letzte Dusche ihres Lebens.

Berühmteste Duschszene der Kinogeschichte

Alfred Hitchcock hat hier die berühmteste Duschszene der Filmgeschichte geschaffen. Sie wurde unzählige Male zitiert, referenziert und parodiert. „Wir haben sieben Tage gebraucht, die Duschszene zu drehen und wir hatten für 45 Sekunden 70 Kamerapositionen“, erzählte der Regisseur später. „Selbstverständlich berührt das Messer nie den Körper, das ist alles beim Schnitt gemacht worden.“

1960 veränderte Hitchcock mit „Psycho“, der heute eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren hat, nachhaltig die Erwartungen des Publikums an Sex, Gewalt und Horror. Viele Kritiken empfanden den Film als geschmacklos. Übrigens auch, weil zum ersten Mal der Inhalt einer Toilettenspülung gezeigt wurde. Trotzdem wurde er schnell zum Publikumserfolg. Weltweit nahm „Psycho“ mehr als umgerechnet 50 Millionen Euro ein und wurde für vier Oscars nominiert.

Alfred Hitchcock: „Man startet einen Thriller nicht auf Seite 100“

Stundenlang standen die Menschen Schlange, um den Film zu sehen. Der Meisterregisseur machte sogar die Auflage, dass nach Filmstart – anders, als damals üblich – niemand mehr in den Saal gelassen werden durfte. In einem historischen Interview mit dem NDR erklärte Alfred Hitchcock einmal auf Deutsch: „Man startet einen Thriller nicht auf Seite 100.“ In diesem Film sei „so viel überraschend“. Die Menschen könnten nicht in der Mitte hineingehen und nach Marion Crane Ausschau halten, wenn diese bereits im ersten Drittel des Filmes ermordet wurde. „Wenn man mitten in diesen Film hineingeht, kann das Publikum das nicht verstehen“, so der Brite.

Kreischende Streicher zu Hermanns Soundtrack

„Besonders markant ist die Tatsache, dass wir ein reines Streichorchester erleben werden“, erklärt Verena Rast, Orchesterdirektorin des Staatsorchesters Braunschweig. „Die Musik von Bernard Herrmann mit ihren scharfen, dissonanten Klängen verstärkt die psychologische Spannung des Films.“

Unsterblich wurde der Duschmord durch die kreischenden Streicherklänge, die das Geschehen mit rasanten Schnittfolgen musikalisch zuspitzen. Verantwortlich dafür war der US-amerikanische Komponist Bernard Herrmann, der zwischen 1955 und 1966 insgesamt acht Filmmusiken für Hitchcock schrieb. Die Musik zu „Psycho“ wurde dabei sein größter Triumph, nicht zuletzt wegen ihrer radikal reduzierten Besetzung: Aus Budgetgründen komponierte Herrmann den gesamten Score ausschließlich für ein Streichorchester – mit durchschlagendem Erfolg. Das American Film Institute zählt diese Komposition bis heute zu den fünf besten Filmmusiken aller Zeiten.

Hitchcock – Der Master of Suspense

Der britische Meisterregisseur war bereits 61 Jahre alt, als er mit seiner Fernsehcrew einen selbstproduzierten Kinofilm für 800.000 US-Dollar drehte. Als Vorlage für das Drehbuch von Josef Stefano diente Robert Blochs gleichnamiger Roman. Die Faszination an seinen Thrillern, so der Hamburger Hitchock-Experte Jens Wawriczeck, mache aus:

Wir wollen den Kitzel spüren, diese Mischung aus Freude und Furcht, das wohlige Schauern, dass wir uns der Gefahr nähern. Hitchcock soll uns Angst machen. Aber er soll uns, bitteschön, wieder von ihr befreien. Beide Wünsche werden bei ihm erfüllt. (…) Der Master of Suspense lässt uns nie auf stürmisches Meer hinausrudern, ohne uns wieder sicher ans Ufer zu bringen. Natürlich müssen wir da draußen erst einmal die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen durchlaufen. Das ist der Pakt, den wir eingehen, wenn wir einen Film von Alfred Hitchcock sehen. Von passiver Berieselung ist das weit entfernt.

Jens Wawriczek, „How to Hitchcock“, Seite 9

Alfred Hitchcock blickt in die Kamera und stapelt Drehbücher übereinander (Archivbild)

Der englische Regisseur und Schöpfer von „Marnie“, „Die Vögel“, „Fenster zum Hof“ und „Psycho“ war der „Master des Suspense“.

Besucher:innen betreten beim Filmfest in Braunschweig einen Kinosaal.

Die offizielle Website des Filmfestes informiert über das Programm, den Wettbewerb und liefert ausführliche Besprechungen der gezeigten Filme.

Schauspielerin Sandra Hüller hält eine Rede beim Filmpreis César.

Die Schauspielerin nimmt den Preis am 15. November im Astor Kino in Braunschweig entgegen.

Schauspieler, Autor und Hörspielsprecher Jens Wawrczeck lächelt im Landesfunkhaus des Norddeutschen Rundfunks Hamburg

Der Hamburger Schauspieler erzählt in seinem Buch „How to Hitchcock“ von dem britischen Kinogenie, das heute vor genau 125 Jahren geboren ist.

Laurent Bouzereau: Alfred Hitchcock, Buchcover

Woher kommt die Angst, die Hitchcock uns so unvergleichlich einflößen konnte? Ein liebevoll gestalteter Bildband gibt Antworten und bringt zugleich die Person Hitchcocks nah.

Blick in einen Kinosaal beim 37. Filmfestival Braunschweig

Das Programm reicht von cineastisch anspruchsvollen Arthouse-Filmen bis zum innovativen Mainstreamkino.