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Prozess am Landgericht Wuppertal

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Schulterverletzung nach Parkverstoß: Gericht ringt mit fehlenden Zeugen

Eine Solinger Geschäftsfrau soll 2021 eine Politesse geschlagen haben – so schwer, dass eine Operation erforderlich wurde. Sechs Wochen lang fehlen Antworten auf Gerichtsanfragen, zuletzt vom Klinikum. Der Richter zeigt sich frustriert – und kündigt drastische Schritte an, um den Fall endlich aufzuklären.

Solingen/Wuppertal. Der Fall um einen Angriff auf eine Mitarbeiterin des Solinger Ordnungsamtes stellt das Landgericht Wuppertal auf die Probe. Eine 51-jährige Geschäftsfrau aus Solingen soll eine Politesse wegen eines Knöllchens derart geschlagen haben, dass eine Schulteroperation nötig wurde. Seit sechs Wochen fehlen Zeugen, Antworten auf Fragen des Gerichts bleiben aus – zuletzt vom Solinger Klinikum.

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Sichtlich frustriert kommentierte der Richter beim vierten Verhandlungstag am Montag: „Es gestaltet sich zunehmend mühsam“, und fügte kurz darauf hinzu: „Ich bin jetzt so weit, dass ich als Nächstes den Chefarzt vorlade.“ Er kündigte an, die Ladung für erledigt zu erklären, sobald das Klinikum endlich auf seine sechs Wochen alte E-Mail antwortet.

Identität von beteiligtem Mann ist nicht geklärt

Der Vorfall in der Solinger Innenstadt geschah an einem Wochentag im Herbst 2021. Die Geschädigte notierte den falsch parkenden Kombi der Angeklagten. Die 51-Jährige soll aus ihrem Laden gekommen sein – wild gestikulierend mit der Forderung, die Verwarnung zu streichen. Dann soll sie die Ordnungsamtsmitarbeiterin mit der Faust geschlagen haben.

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Währenddessen setzte ein unbekannter Mann den Kombi der Geschäftsfrau auf deren Bitte hin um und fuhr dabei über den Fuß der Geschädigten. Zur Identität dieser Person machte die Beschuldigte keine Angaben, die Ermittlungen dauern an. Die verletzte Frau rief Polizei und Kolleginnen hinzu und ließ sich ins Klinikum bringen. Die Schulteroperation wurde erforderlich, weil die Beschwerden anhielten.

Bei allem Verständnis für die Überlastung im Klinikum – ich finde das … Ach, denken Sie sich ein Wort.

Vorsitzender Richter

Es folgten eine Verhandlung am Amtsgericht, eine Geldstrafe und nun der Prozess am Landgericht. Die Angeklagte bestreitet die Tat. Die Geschädigte bekräftigte hingegen ihre Aussage und berichtete aufgewühlt, wie ihr der lange Prozess zusetze. Das Landgericht will die Tat aufklären und feststellen, wie schwer die Schulterverletzung ist.

Den Ablauf im Prozess kommentierte der Vorsitzende Richter hörbar frustriert: „Bei allem Verständnis für die Überlastung im Klinikum – ich finde das … Ach, denken Sie sich ein Wort.“ Er rufe inzwischen täglich dort an.

Der Richter setzte zwei Fortsetzungstermine bis Weihnachten für Zeugenaussagen an. Die Geschädigte verfolgte das sichtlich angeschlagen vom Platz neben ihrem Nebenklageanwalt aus. Sie wartete anschließend weinend vor dem Gerichtsgebäude auf ihre Angehörigen.

ST