Die Krise im Maschinenbau hat ein weiteres Unternehmen aus dem Südwesten erfasst: Der traditionsreiche Werkzeugmaschinenbauer Emag aus Salach (Landkreis Göppingen) hat bekannt gegeben, 455 Arbeitsplätze abbauen zu müssen. „Die aktuelle Marktsituation zwingt uns zu schwierigen, aber notwendigen Entscheidungen“, begründete Emag-Chef Markus Clement den Schritt. Und weiter: „Wir müssen die Organisation an die geringeren Auftragsvolumina anpassen und gleichzeitig sicherstellen, dass wir handlungsfähig bleiben.“

Die Emag-Gruppe blickt auf eine mehr als 150-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Gegründet 1867 im sächsischen Bautzen, zog die Firma 1952 nach Eislingen an der Fils. Seit 1969 ist der Unternehmenssitz das benachbarte Salach. Emag entwickelt und baut Werkzeugmaschinen für den Einsatz vor allem in der Automobilindustrie.

Ein Drittel der deutschen Belegschaft muss gehen

Der Arbeitsplatzabbau betrifft ausnahmslos die deutschen Standorte des Unternehmens, an denen Emag insgesamt 1509 Mitarbeiter beschäftigt. Weltweit sind es rund 1000 mehr. Damit trennt sich der Maschinenbauer von rund einem Drittel seiner einheimischen Belegschaft. Allein 300 der Stellenstreichungen betreffen laut IG Metall Göppingen-Geislingen den Stammsitz in Salach. Erst im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen dort 124 Mitarbeiter entlassen.

Der Grund für den personellen Kahlschlag ist das schwierige Marktumfeld für Werkzeugmaschinenbauer – laut Branchenverband VDW das schwierigste der vergangenen zehn Jahre. Zum dritten Mal in Folge hat die Branche ein Minus bei den Auftragseingängen verbucht: 2023 waren es minus elf Prozent, 2024 minus 19 Prozent und im ersten Halbjahr 2025 nochmals minus fünf Prozent. Laut VDW verdeutliche diese Entwicklung, „dass sich die anhaltende Schwäche der Industrie zunehmend strukturell verfestigt“.

Vor allem die Inlandsnachfrage bleibt schwach. Nach VDW-Angaben ist der Auftragseingang im Inland im ersten Halbjahr 2025 um rund 17 Prozent zurückgegangen. Aber auch international ist die Lage angespannt. Die Zollmaßnahmen der USA, eine schwächelnde Konjunktur in China sowie schleppende Investitionen in Europa belasteten laut VDW die Exportaussichten.

Zukunftsfähigkeit der Gruppe steht auf dem Spiel

Schon in den vergangenen Monaten hatte die Emag-Gruppe deshalb mit umfassenden Maßnahmen reagiert – „von intensiver Kurzarbeit über Effizienzsteigerungen und Prozessoptimierungen bis zu Standortanpassungen und gezielten Investitionen in Automatisierung, Retrofit und neue Technologien“, hieß es seitens des Unternehmens. Trotzdem habe sich der nun angekündigte Arbeitsplatzabbau nicht vermeiden lassen.

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Gemeinsam mit dem Betriebsrat sei ein Sozialplan erarbeitet worden, der den betroffenen Beschäftigten den Wechsel in eine Transfergesellschaft ermöglicht und die Auswirkungen sozialverträglich abfedert. „Unser Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit der Emag-Gruppe zu sichern und auch in einem angespannten Marktumfeld ein verlässlicher Partner für unsere Kunden zu bleiben“, sagte Firmenchef Clement.

Im Jahr 2023 – neuere Zahlen liegen nicht vor – erwirtschaftete die Emag-Gruppe Umsätze von 520 Millionen Euro, ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2022. Unter dem Strich stand 2023, wie im Jahr zuvor, jedoch ein Verlust von 25 Millionen Euro.