Ballonflucht erlebt im Erzgebirge eine Neuauflage
Günter Wetzel wird mit seiner beeindruckenden Geschichte noch einmal nach Gelenau kommen

Von Andreas Bauer

12.11.2025, 17:02 Uhr


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Gelenau. 

Mittlerweile dürfte sich Günter Wetzel in Gelenau fast heimisch fühlen. Der 70-Jährige, der am 16. September 1979 mit seiner Familie sowie der von Peter Strelzyk per Heißluftballon die Flucht in den Westen schaffte, wird am 7. März kommenden Jahres erneut zu Gast sein im Gelenauer Volkshaus. „Dann starten wir zu unserer nächsten Ballonfahrt“, sagt Lehrer Hendrik Seibt von der Freien Schule Erzgebirgsblick, der den prominenten Gast schon mehrfach in seinem Heimatort begrüßen konnte. Dem Vortrag an der Schule folgte diesen November eine öffentliche Veranstaltung, die sich als riesiger Erfolg erwies. Die Nachfrage war so groß, dass die Schule nun zu einem weiteren Vortrag einlädt.

DDR-Zeit wird wieder lebendig

„Binnen zwei Tagen waren alle 400 Karten ausverkauft“, berichtet Seibt, der mit seinen Schülern für einen würdigen Rahmen sorgte. Mit einer DDR-Tombola, Puppen in Volkspolizei-Uniform und Pionierhemd sowie entsprechender Verpflegung mit Bockwurst und Speckfetbemme wurde ein Flair geschaffen, das an die Zeit vor dem Mauerfall erinnerte. Auch präsentierten der Musiklehrer und sein Chor die passenden Lieder. Doch so richtig Gänsehaut bekamen viele Gäste bei den Worten von Günter Wetzel, der die damaligen Verhältnisse in der DDR ebenso schilderte wie Hintergründe zu seiner Ballonflucht.

Mit Humor gewürzt

Dabei bewies der gebürtige Thüringer, der jetzt in Chemnitz wohnt, auch seinen Humor. So seien er und Strelzyk beim Beschaffen des Stoffs für den Ballon lediglich den Worten Erich Honeckers gefolgt. „Er meinte ja, aus dem VEB ist noch mehr herauszuholen. Das haben wir gemacht“, so Wetzel. Bei der Schilderungen seiner damaligen Erlebnisse betonte er, dass für Angst damals gar keine Zeit blieb: „Wir haben nur funktioniert und dachten, es passiert schon nichts.“ Rückblickend gesteht Wetzel, dass seine Improvisations- und Handwerkskünste schon ein gewisses Risiko mit sich brachten. „Ich fahre immer noch gern Ballon, aber in das Ding würde ich nicht gern einsteigen“, so der 70-Jährige, der seine von Michael „Bully“ Herbig verfilmte Geschichte am 7. März 2026 noch einmal in Gelenau erzählen wird.