Die Arbeitsstelle kokon für konstruktive Konfliktbearbeitung in der bayerischen Landeskirche rät nach der Einigung der schwarz-roten Koalition auf Bundesebene zum neuen Wehrdienst zu Gelassenheit.
„Es besteht jetzt aus unserer Sicht keine Notwendigkeit, als junger Mensch sofort eine schriftliche Verweigerung vorzubereiten“, sagte der kokon-Referent Pfarrer Martin Tontsch am Donnerstag in Nürnberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gut wäre es jedoch, wenn sich „alle jungen Menschen mit dem Thema Wehrdienst inhaltlich auseinandersetzen“.
Die Koalition von Union und SPD hat zwar beschlossen, dass es zunächst bei einem Wehrdienst auf freiwilliger Basis bleiben soll. Wird die angepeilte Zahl an Soldatinnen und Soldaten aber nicht erreicht, kann es zur „Bedarfswehrpflicht“ kommen. Darüber müsste aber zunächst erneut der Bundestag abstimmen. Das neue Wehrdienstgesetz soll zum 1. Januar in Kraft treten. Ab dem Jahr 2008 Geborene sollen einen Fragebogen ausfüllen, mit dem ihre Bereitschaft für einen Wehrdienst abgefragt wird. Zudem soll es eine verpflichtende Musterung aller jungen Männer geben.
Tontsch: Armee-Mitglieder sollten aus Mitte der Gesellschaft kommen
Tontsch sagte, die Zahl an Beratungsanfragen bei kokon habe sich seit Beginn des Ukraine-Krieges seit Februar 2022 verzehnfacht. Auch nach Beginn der Wehrpflicht-Diskussion im September habe man wieder eine stärkere Nachfrage nach Beratung verzeichnet. „Wir empfehlen allen jungen Männern und Frauen, sich einmal ergebnisoffen mit der Frage auseinanderzusetzen, ob sie sich einen Dienst in der Bundeswehr vorstellen können“, sagte Tontsch:
„Einer Armee tut es schließlich gut, wenn ihre Mitglieder aus der Mitte der Gesellschaft kommen und diese damit abbilden.“
„Wir stehen für alle, die zu dem Thema Fragen haben, jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung“, betonte Tontsch. Man sei angesichts der aktuellen Entwicklungen zusammen mit der Evangelischen Jugend in Bayern dabei, ein neues Beratungsnetzwerk aufzubauen. Wer sich schon jetzt absolut sicher sei, dass er sich einen Dienst an der Waffe nicht vorstellen kann, sollte dies am besten „schriftlich dokumentieren“ und gerne auch mit den kokon-Experten besprechen: „Generell gilt: Niemand sollte sich große Sorgen machen, gegen seinen Willen Wehrdienst leisten zu müssen.“