Ein Van Carrier transportiert einen Container der Reederei MSC zwischen unzähligen Containern auf dem Container Terminal Tollerort im Hamburger Hafen.

Stand: 13.11.2025 18:46 Uhr

Obwohl die Gütermenge von in Deutschland ansässigen Logistikern zunimmt, steht es schlecht um den deutschen Außenhandel. Besonders die chinesische Stärke und US-amerikanische Zölle machen zu schaffen.


Ingo Nathusius

Die deutsche Industrie tut sich im internationalen Geschäft zunehmend schwer. Gleichzeitig erfreuen sich Unternehmen, die den Außenhandel praktisch abwickeln, bester Geschäfte. Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und die Großreederei Hapag-Lloyd haben gute Zahlen für die ersten neun Monate des Jahres veröffentlicht.

Eine volkswirtschaftliche Analyse der Frankfurter Deka-Bank zeigt, dass auch im laufenden Jahr weltweit mehr Gütermengen als zuvor gehandelt wurden. HHLA, die einen Großteil des Hamburger Hafengeschäfts abwickelt, setzte in den ersten drei Quartalen 4,8 Millionen Container um. Der Umsatz stieg um ein Achtel auf 1,3 Milliarden Euro.

Die Hapag-Lloyd AG, eine der größten Reedereien der Welt, berichtet auch von mehr transportierter Tonnage. Da die Frachtpreise sanken und der US-Dollar schwach ist, ist der Gewinn noch immer beachtlich, aber nicht mehr enorm – 800 Millionen Euro Betriebsgewinn. 

Wer Waren produziert, hat Probleme

Es gibt also noch reichlich Im- und Exporte auf der Welt. Die deutschen Produzenten nehmen aber nicht mehr im gewohnten Umfang teil. Und das verbliebene Geschäft ist nicht mehr so profitabel. Dafür gibt es zwei interne Gründe: Die deutsche Exportindustrie ist in alten Branchen verwurzelt und hat für moderne Digitaltechnik, allemal für Künstliche Intelligenz, wenig zu bieten. Hinzu kommt, dass Produktion viel mehr kostet als andernorts, weil in Deutschland Energie sehr teuer ist.  

Die deutsche Industrie leidet nicht nur unter internen Problemen. Die beiden größten Zielländer machen Sorgen: China kauft immer weniger ein und produziert mittlerweile selbst weltweit beliebte Industriegüter. Und die USA erschweren das Geschäft durch hohe Zölle.

Zölle torpedieren Welthandel

Der Versicherungskonzern Allianz hat errechnet, dass vergangenes Jahr weltweit 179 neue Zölle eingeführt wurden. Bis Oktober dieses Jahres sind es bereits 309 neue Zölle. Der durchschnittliche Einfuhrzoll in den USA ist von gut zwei Prozent auf gut 14 Prozent gestiegen, wie Berechnungen der Bundesbank zeigen.

Nur China begann daraufhin einen Handelskrieg mit den USA. „Von Europa hat man nichts gehört“, kommentiert Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater, „ökonomisch groß, politisch ein Zwerg“. Die EU habe sich verhalten wie kleinere Länder, die keine Gegenmaßnahmen wagten. Im Ergebnis habe Amerika weitgehend problemlos 400 Milliarden US-Dollar abschöpfen können.

Außenhandel bricht ein

Zahlen des Statistischen Bundesamtes lassen die Lage dramatisch erscheinen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres hat Deutschland für 54 Milliarden Euro mehr Waren aus China bezogen, als dorthin verkauft wurden. Die Handelsbilanz mit China war schon immer negativ, weil China lange als Lieferant großer Mengen einfacher Produkte genutzt wurde. Doch verkaufen chinesische Unternehmen mittlerweile auch aufwendige Waren und sie kaufen immer weniger teure Güter in Deutschland. Vergangenes Jahr betrug das Handelsbilanzdefizit der ersten acht Monate noch 37 Milliarden Euro. 

Gegenüber den USA ist die deutsche Handelsbilanz nach wie vor positiv, aber auch hier gehen die Zahlen runter. Waren es von Januar bis August 2024 noch 45 Milliarden Überschuss, sind es dieses Jahr nur noch 36 Milliarden Euro. 

 

Der „Rotterdam Effekt“

Deutsche Handelsstatistiken sind mit Vorsicht zu genießen. Denn bei weitem nicht alles, was im- oder exportiert wird, kommt direkt in Deutschland an oder wird von hier verschifft. Der „Rotterdam- Effekt“ verzerrt deutsche Daten extrem. Waren werden in Rotterdam ein- und ausgeschifft. Von dort und dorthin kommen sie mit Binnenschiffen, der Bahn oder Lastwagen.

An der Grenze werden sie als deutscher Außenhandel mit den Niederlanden gebucht, auch wenn sie anderntags nach Übersee aufbrechen oder gestern erst angelandet sind. Daten von Eurostat zeigen, dass die Niederlande vor allem für Importe aus Ländern jenseits der EU große Bedeutung haben. Das bedeutet, dass deutsche Zahlen die deutschen Handelsbilanz eher zu günstig darstellen.

China wird dominanter

Die Bundesbank analysiert den Außenhandel genauer, rechnet innereuropäische Warenströme um und erstellt umfassende Leistungsbilanzen für einzelne Länder. Hier werden nicht nur der Handel, sondern alle wirtschaftlichen Aktivitäten erfasst.

Im Chinageschäft wird deutlich: Die deutsche Leistungsbilanz ist so tiefrot wie nie zuvor: Fast 22 Milliarden Euro flossen vergangenes Jahr mehr nach China als von dort zurückkamen. Gegenüber den USA sieht es noch viel besser aus: Ein Plus von mehr als 100 Milliarden ist noch im vergangenen Jahr geblieben. Angesichts der schwachen Außenhandelsdaten in diesem Jahr wird sich das ändern.