Natürlich schmerzt einen Sportler eine Niederlage im Wettkampf, entsprechend herrschte keine Euphorie beim SV Sonsbeck nach dem 0:3 (0:2) im Niederrheinpokal-Viertelfinale gegen den Drittliga-Primus MSV Duisburg. Doch was der Oberligist vor der Rekordkulisse von über 3000 Zuschauern – Kinder sowie Jugendliche unter 15 Jahre durften kostenlos ins Stadion und wurden nicht offiziell gezählt – zeigte, war schon aller Ehren wert. Und damit war nicht allein das sportliche Auftreten gemeint.
Trennung der Fanbereiche aufgehoben
So richtet auch SVS-Trainer Heinrich Losing nach der Partie als erstes ein Dankeschön „an alle, die das heute hier ehrenamtlich auf die Beine gestellt haben.“ Auch das enorm friedliche, „mittlerweile schon fast freundschaftliche Verhältnis zwischen den Fans des MSV und des SVS“, lobte der Coach.
Das friedliche Miteinander hatte auch dazu geführt, dass die eigentlich vorgesehene Trennung der Fanblöcke und Zuwegung nach Rücksprache mit der Polizei aufgehoben wurde. So entstand eine Kulisse, „in der wir gewachsen sind“, sagte SVS-Kapitän Robin Schoofs, der mit seinem Innenverteidiger-Kollegen Philipp Elspaß aus einer guten Mannschaft noch ein wenig herausragte.
Sportlich konnte der Gastgeber die Partie eine ganze Weile offenhalten. Zwar sicherten sich die Zebras nach anfänglichem Abstasten immer mehr Spielanteile und drängten den Oberligisten in die eigene Hälfte, doch der ließ sich nicht einschüchtern, sondern versuchte, wie auch in der Liga, den Gegner früh anzulaufen und gar nicht erst in die Box zu lassen. So war es Joshua Bitter, der nach Doppelpass mit Mert Göckan das erste Mal mit einem Schuss aus gut 16 Metern etwas Gefahr verströmte, doch flog der Ball deutlich am langen Winkel vorbei.
Das Sonsbecker Rezept lautete in der Phase: Mit langen Bällen Klaus Keisers suchen, was auch häufig gelang. Doch hatte Keisers einen ungleich schwereren Stand als in einem Oberliga-Spiel. „Die Duisburger arbeiten schon sehr stark am Mann, das war teilweise sehr unangenehm, da musste ich mich schon ordentlich wehren“, sagte der Stürmer.
Zumal Schiedsrichter Kristijan Rajkovski auf beiden Seiten eine sehr großzügige Linie pflegte, in einer allerdings im Großen und Ganzen auch sehr fairen Partie. Dennoch konnte Elspaß Keisers richtig in Szene setzen mit einem exakt getimten Pass in den Lauf, doch bekam der Mittelstürmer den Ball nicht richtig unter Kontrolle, und MSV-Keeper Maximilian Braune nahm auf (17.).
Nun zog der Gast an. Insbesondere über die linke Bahn der Zebras wurden die Angriffe vorgetragen, doch meist konnten Schoofs, Elspaß und Ruben Martens klären. Als dann aber wirklich Duisburgs Patrick Sussek einmal vorbei kam, den Ball scharf nach innen auf Florian Krüger passte, der clever auf Conor Noß ablegte, musste sich Jan Fauseweh im SVS-Gehäuse gehörig lang machen, um den Einschlag zu verhindern.
Doch plötzlich schnuppern die Hausherren an der Führung. Gleich dreimal können die Sonsbecker schießen, doch immer steht ein Zebra dazwischen, von dem der Ball unkontrolliert abprallt. „Wenn da einer durchrutscht, läuft das Spiel anders“, erinnerte Losing später.
Florian Krüger trifft zum 1:0
Der Szene schlossen sich einige gute Minuten an, in denen der SVS mutig agierte, die Offensive suchte. Genau in dieser Drangphase stieß Meiderich gnadenlos zu. Ein feiner Konter über die linke Seite, Can Coskun, Sussek Noß spielen die Verteidiger aus, eine scharfe Flanke in die Mitte, brillante Annahme von Florian Krüger, schnelle Drehung, Abschluss und keine Chance für Fauseweh (41.).
Und noch vor der Pause setzten die Zebras nach, diesmal durch Noß. Krüger war steil geschickte worden, hatte Fauseweh schon ausgespielt, doch war der Winkel zu spitz für einen Abschluss. Noß war mitgelaufen, bekam den Ball sauber in den Fuß und vollendete mühelos (45.).
Auch nach dem Wechsel versteckte sich Sonsbeck nicht, hatte sogar die Riesenchance zum Anschlusstreffer. Nach wunderbaren Pass auf Niklas Binn legt der perfekt einen Meter zurück auf den freien Linus Krajac, doch dessen Schuss pariert Braune mit starkem Reflex. „Ich treffe den Ball leider nicht richtig“, so Krajac später.
Als dann kurz darauf die Zebras durch Sussek per Foulelfmeter – Fauseweh hatte Noß im Strafraum gefoult und dafür auch die einzige Gelbe Karte im Spiel bekommen – das 3:0 erzielte (53.), war die Partie gelaufen. „Das hat uns das Genick gebrochen“, so Losing im Nachgang. Dennoch lobte er: „Die Mannschaft halt alles versucht, wenigstens den Ehrentreffer zu erzielen.“
15 Minuten vor Ende durfte Kenan Mehmedovic noch auf den Platz. Keeper Fauseweh hatte sich nicht bei einer Glanztat ein paar Minuten zuvor verletzt, sondern „Kenan hat uns mit seiner Leistung ins Viertelfinale gebracht, da hatte er das verdient“, so Losing. „Der Gegner war individuell einfach besser“, analysierte Krajac, der aber wie Schoofs überzeugt ist: „Auf der Leistung können wir für die nächsten Oberliga-Spiele aufbauen.“