Marten Winkler feiert seinen Treffer mit Fabian Reese

Stand: 21.11.2025 20:37 Uhr

Hertha BSC hat mit einer durchwachsenen Leistung gegen Eintracht Braunschweig seine Siegesserie fortgesetzt und mit dem fünften Pflichtspielsieg in Folge einen großen Sprung in der Tabelle gemacht. Eine solche Serie gelang den Berlinern zuletzt 2001.

Marten Winkler sorgte in der 56. Minute nach feiner Vorarbeit von Fabian Reese für das einzige Tor des Abends. Braunschweig rutscht mit seiner vierten Niederlage in Folge auf einen direkten Abstiegsplatz. Eintracht-Trainer Heiner Backhaus, dem Sportdirektor Benjamin Kessel in der Länderspielpause noch öffentlich den Rücken gestärkt hat, steht damit noch stärker unter Druck.

„Wir waren ebenbürtig, wenn nicht sogar besser in der ersten Halbzeit“, sagte Backhaus nach dem Spiel im Sportschau-Interview. „Aber davon können wir uns nichts kaufen. Der Ball muss ins Tor.“

Ruhiger Start in Berlin

In den ersten zwölf Minuten herrschte Stille im Berliner Olympiastadion. Beide Fan-Szenen schwiegen als Protest gegen die geplanten Sicherheitsmaßnahmen der Politik in deutschen Stadien.

Nur in der 8. Minute stand die Aktion vor einer großen Bewährungsprobe, als Braunschweigs Innenverteidiger Patrick Nkoa vollkommen frei am zweiten Pfosten lauernd das leere Tor nicht traf. Die Berliner, die mit vier Pflichtspielsiegen in Folge in die Länderspielpause gegangen waren und mit dementsprechend breiter Brust hätten auftreten können, blieben dagegen erstmal vollkommen ungefährlich.

„Populisten legen die Axt an die Fankultur“ – mit diesem Banner protestierten die Hertha-Fans gegen schärfere Sicherheitsmaßnahmen in deutschen Stadien.

Schwache erste Halbzeit von Hertha

Der für das 16-Jährige Super-Talent Kennet Eichhorn in die Startelf gerückte Diego Demme war häufig mit dem Berliner Spielaufbau vertraut – doch bis auf den ein oder anderen weiten Ball in den Lauf des emsigen Fabian Reese fiel ihm nichts ein, um das dichte Braunschweiger Zentrum zu überspielen. Vor dem Spiel hatte er im Sky-Interview noch vom neuen Selbstbewusstsein seiner Mannschaft und dem dadurch entstandenen „Flow“ geschwärmt, aber gegen die überraschend starken Braunschweiger sollte so gar nichts von alleine laufen.

Es brauchte Stückarbeit, über Kampf erarbeitete Impulse. Und die lieferte wie so oft Reese: In der 27. Minute dribbelte er sich links durch die Braunschweiger Defensive hindurch und fand mit seiner Flanke den freistehenden Marten Winkler, der per Kopf zumindest mal für den ersten Berliner Torschuss sorgte. Auch in der Folge konnte sich Reese immer wieder in den gegnerischen Strafraum hinein wuseln, aber für gefährliche Abschlüsse standen jedes Mal zu viele Braunschweiger Beine im Weg.

Auf der anderen Seite rettete Innenverteidiger Marton Dardai in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Sidi Sané (35.) und Christian Conteh lupfte nach starkem Dribbling aus spitzem Winkel zwar über Hertha-Keeper Tjark Ernst aber knapp am zweiten Pfosten vorbei (45.+1).

Christian Conteh vergibt aus spitzem Winkel

Reese-Flanke erlöst die Berliner

Die zweite Halbzeit fing erst da an, wo die erste aufgehört hatte. Die Berliner waren bemüht, aber Braunschweig war diszipliniert und clever genug, um sie vom eigenen Tor fernzuhalten. Erst ein Geistesblitz von Reese sorgte für Herthas Erlösung: Der Kapitän verschaffte sich mit einer Körpertäuschung viel Platz auf seinem linken Flügel und brachte so eine perfekte Flanke in den Strafraum, die Winkler mit Herthas zweitem Torabschluss des Abends zum 1:0 verwandelte.

Vorausgegangen war ein kleiner Schubser, der Schiedsrichter Michael Bacher aber nicht ausreichte, um auf Stürmerfoul zu entscheiden. „Ich gebe ihm wahrscheinlich einen leichten Kontakt, damit er ein bisschen Schwung verliert“, beschreibt der Torschütze die Szene am Sportschau-Mikrofon, „und dann köpfe ich ihn halt rein. Ob das jetzt ein Foul war oder nicht, ist mir eigentlich egal.“

Die Eintracht verlor nach dem Gegentor ihre bis dahin gute Organisation. Fehlpässe und Stellungsfehler luden Hertha immer wieder zu Kontern ein, unnötige Fouls sorgten für gute Freistoß-Gelegenheiten. Braunschweigs Mehmet Aydin hatte in der 65. Minute Glück, nach einer übermotivierten Grätsche nicht die zweite gelbe Karte innerhalb zwei Minuten zu bekommen.

Nach einem gepfiffenen Handelfmeter hätte Braunschweig in der Schlussphase fast doch noch die große Chance auf den Ausgleich bekommen (88.), aber Bacher nahm den Pfiff nach Ansicht der VAR-Bilder wieder zurück. Es war die richtige Entscheidung, Linus Gechter wurde zwar am Ellenbogen getroffen, aber sein Arm lag eng an der Brust an.

Hertha in Kiel, Braunschweig gegen Lautern

Hertha springt damit zumindest über Nacht auf den vierten Tabellenplatz. Nächste Woche sind die Berliner am Samstagmittag bei Holstein Kiel zu Gast (13 Uhr). Braunschweig empfängt zeitgleich den 1. FC Kaiserslautern.