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Etwa 40 Prozent der Deutschen werden im Rentenalter in die Altersarmut rutschen. (Symbolfoto) © IMAGO/Wolfilser
Schockierende Zahlen: 9,2 Millionen Deutsche verdienen zu wenig für eine sichere Rente. Aber ab welchem Gehalt droht die Altersarmut?
Hamm – Morgens um sechs klingelt der Wecker, acht Stunden Vollzeitjob bei einem Gehalt über dem Mindestlohn – und trotzdem droht vielen der 22,18 Millionen Vollzeitbeschäftigten in der Rente die Armut. Doch wie kann das sein?
Laut der Linken im Bundestag ist ein Monatsbruttolohn von rund 3.300 Euro nötig, um später eine Rente über der Armutsgrenze zu erhalten. Das entspricht einem Verdienst von etwa 20 Euro brutto in der Stunde. Dabei geht man von 45 Jahren Erwerbstätigkeit aus, in der Rentenbeiträge gezahlt werden. Die Armutsgrenze wird aktuell bei 1.378 Euro netto gezogen. Was viele nicht wissen: Mit dem Rentenausweis können Rentner bares Geld sparen.
Gesetzliche Rentenversicherung: Ab wann in der Rente die Armut droht
Das Problem: In Deutschland verdienen etwa 9,2 Millionen oder 40 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Vollzeitangestellten weniger als 3.500 Euro im Monat. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung an den Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervor. 4,6 Millionen Menschen, etwa jeder fünfte Vollzeitarbeitende, verdient weniger als 2.750 Euro monatlich. Diese Menschen würden im Rentenalter unter die Armutsgrenze fallen. Dies schließt allerdings nur die gesetzliche, nicht die private Altersvorsorge ein.
„Deutschland ist kein Hochlohnland, sondern hat ein millionenfaches Lohnproblem“, sagte Bartsch der dpa. Laut dem Armutsbericht 2025 des Paritätischen Gesamtverbands sind 15,5 Prozent, also rund 13 Millionen Menschen von Einkommens-Armut betroffen. Besonders stark trifft es Alleinerziehende (27 Prozent) und Alleinlebende (29 Prozent), aber auch Menschen ab 65 Jahren (19,4 Prozent). Immerhin steigt 2026 die Minijob-Grenze, sodass Rentner sich etwas mehr dazuverdienen können.
Rente: Das sind die 15 größten Mythen zur Altersvorsorge
Fotostrecke ansehenAltersarmut vermeiden: Experten raten zur privaten Vorsorge
Besonders hart trifft es Frauen: Ihre Rentenansprüche sind durchschnittlich 31,4 Prozent niedriger als die von Männern. „Löhne unter 3.500 Euro sind faktisch eine Garantie für Renten auf Armutsniveau“, warnt Bartsch. Zwar ist die Armutsgrenze seit 2020 nominal gestiegen, nämlich von 1.300 Euro auf 1.378 Euro in 2024. Das heißt aber nicht, dass Menschen mehr Geld zur Verfügung haben. Durch die Inflation hat sich die Lage sogar verschärft. Im Schnitt hatten arme Menschen 2020 etwa 981 Euro übrig. Im Jahr 2024 sind es noch 914 Euro.
Experten raten dringend zur privaten Vorsorge. Die gesetzliche Rente macht laut aktuellem Alterssicherungsbericht 2024 des BMAS nur noch 53 Prozent der Bruttoeinkommen der Über-65-Jährigen aus. Betriebsrenten, private Vorsorge und weiteres Erwerbseinkommen müssen die Lücke schließen. Zuvor sollten Tipps, wie die gesetzliche Rente erhöht werden kann, beachtet werden.
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Die regionalen Unterschiede sind gravierend: In den ostdeutschen Bundesländern verdienen laut Stern 60 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 3.500 Euro. Fast jeder dritte Ostdeutsche kommt nicht einmal auf 2.750 Euro brutto. Zum Vergleich: In Hamburg verdienen nur 15 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 2.750 Euro. In Baden-Württemberg lebt mit 33,6 Prozent der geringste Anteil von Menschen, die unter 3.500 Euro verdienen. (Quellen: dielinkebt.de, der-paritaetische.de, bmas.de, stern.de) (resa)