Zwei Boxer im Kampf

Stand: 23.11.2025 01:13 Uhr

Boxer Artur Reis hat den heiß ersehnten Titelkampf gegen den Polen Mateusz Tryc höchst umstritten nach Punkten für sich entschieden und somit den Gürtel gewonnen. Das Urteil wird noch länger für Diskussionen sorgen.

Die SES-Boxgala in Chemnitz hat ihr Versprechen gehalten und einen denkwürdigen Abend geliefert. Für Box-Promoter Ulf Steinforth war der Hauptkampf zwischen Artur Reis und Mateusz Tryc schon vor Beginn „einer der geilsten Kämpfe, die ich veranstaltet habe.“ In einer „Schlacht“ sicherte sich Reis schließlich den EM-Titel. Auch die Team-Deutschland-Boxer Max Suske und Michel Dobler absolvierten ihre Kämpfe erfolgreich.

Artur Reis siegte am Ende nach Split Decison.

Reis holt Gürtel nach umstrittener Split Decision

Im Kampf um den EM-Titel der WBO gehörte der erste Treffer des Abends dem Herausforderer Artur Reis, der eine rechte Gerade auf das Auge von Titelträger Mateusz Tryc setzte und damit Sprechchöre in der Chemnitzer Halle verursachte. Entgegen seines üblichen Stils hielt sich der Schützling von Trainer Dirk Dzemski zunächst aus dem Nahkampf heraus und setzte eher auf Schläge aus der Mitteldistanz.

Reis blieb zunächst auf Abstand.

Obwohl die Taktik funktionierte, gefiel sie Reis nicht, der dies seinem Trainer in der Rundenpause deutlich machte. In der Folge änderte sich die Dynamik nach vier Runden, was vor allem am etwas kleineren Polen lag, der immer wieder nah heran ging, Körpertreffer setzte und dem Kampf mehr und mehr seinen Stempel aufdrückte. Beide Boxer fanden sich daraufhin oft im Clinch wieder und ließen sich zu unsauberen Aktionen hinreißen.

Reis wird unzufrieden

Beim 33-jährigen Reis sorgte der Verlauf mehr und mehr für Frustration. Coach Dzemski mahnte seinen Boxer zur Konzentration und schickte ihn mit den Worten: „Hör auf zu heulen und hau dem auf’s Maul“ in die letzten beiden Runden. Mit einer schönen One-Two-Kombination brachte Reis dort die Lippe seines Gegners zum Bluten, der selbst viele leichte, aber klare Treffer setzte.

Die Entscheidung überließen beide Boxer schließlich dennoch den Punktrichtern, deren Urteil mit 2:1 für Reis ausfiel. Die Halle quittierte die Entscheidung zum Teil mit Pfiffen, auch die ehemaligen Boxer Sven Ottke und Dominic Bösel hatten den Polen knapp vorne gesehen. Promoter Ulf Steinforth schloss sich fair an und brachte einen Rückkampf ins Spiel. Reis selbst beschrieb den nickeligen Fight im Nachgang als „keinen sauberen Kampf, aber eine Schlacht.“

Ringarzt beendet Xhoxhaj-Kampf

Im zweiten angesetzten Hauptkampf des Abends sorgten Armend Xhoxhaj und Niklas Räsänen für einen munteren Schlagabtausch. Nach einer ordentlichen ersten Runde kassierte Räsänen wenig später einen Schlag vom besser werdenden Nürnberger, der zu einem Cut unter seinem Auge führte.

Der Cut unter dem Auge des Finnen sorgte schließlich für das Kampfende.

Kurz vor dem Ende der sechsten Runde ging der Finne mit dem Knie zu Boden. Durch den vorherigen Schlag hatte sich der Cut unter dem Auge noch weiter geöffnet und ließ dem Ringarzt keine andere Wahl, als den Kampf zu beenden. Durch den TKO sicherte sich Xhoxhaj den WBO-Europe-Titel.

Max Suske dominiert über die volle Distanz

Mit dem Ziel eines Titelkampfs bei der Junioren-WM im kommenden Jahr vor Augen startete Max Suske im Ring dominant und offensiv gegen den Polen Mateusz Pawlowski. Vor allem die linke Führhand fand immer wieder den Weg ins Ziel. Der aus Krakau stammende Pawlowski konzentrierte sich hingegen eher auf die Deckung, blieb mit dem Oberkörper dynamisch und setzte diverse Konter-Kombinationen.

Suske dominierte mit der Führhand den Kampf.

Nachdem der aus Stralsund stammende Suske die ersten vier Runden, auch dank seines Größenvorteils von zehn Zentimetern, überlegen war, folgten in Runde fünf erstmals mehrere klare Treffer in Serie. Auf eine ereignisarme letzte Runde folgte schließlich das Urteil der Punktrichter, die Suske einstimmig zum Sieger kürten.

Nach seinem ersten Kampf als Papa gestand der Norddeutsche ein, dass nach der Babypause „schon ein wenig Rost dran war.“ Trotz des zwölften Sieges im 14. Kampf, der 23-Jährige will nichts überstürzen: „Ich hätte nichts dagegen, wenn noch ein Kampf dazwischen ist, danach kann dann ein Titelkampf folgen“, sagte er am MDR-Mikrofon.

TKO nach zwei Dobler-Niederschlägen

Im Schwergewichtsduell der Hühnen zeigte der zwei Meter große Michel Dobler gegen den nur fünf Zentimeter kleineren Alessandro Jandejsek (195cm) von Beginn an eine sehr reife Leistung. Bereits in der ersten Runde setzte der Magdeburger klare Treffer und brachte den Tschechen damit zum Taumeln.

Michel Dobler drängte seinen Gegner in die Ecke.

In der zweiten Runde folgte dann der Knockdown. Nach einem gelungenen Jab, traf eine wuchtige Schlaghand perfekt und brachte Jandejsek zu Fall. Nur wenig später ging er nach einer Kombination erneut in der Ringecke zu Boden, rettete sich im Anschluss aber bis zum Rundenende. In der Pause klagte der Tscheche dann über Schmerzen im rechten Arm. Der Ringarzt schaute sich die Verletzung an. Auf Nachfrage des Ringrichters bestätigte Jandejsek schließlich den Abbruch des Kampfes und damit den TKO-Sieg für Dobler.

Der 106 Kilogramm schwere Magdeburger zeigte sich nach dem Kampf zwar zufrieden, fand es jedoch „schade, dass er nicht weitermachen konnte.“ Am Mikrofon ließ er zudem durchblicken, dass er womöglich bereits zu Beginn des nächsten Jahres wieder im Ring stehen werde.

Auch der jüngste Profiboxer Deutschlands, Arminius Rolle, stand am Abend in Chemnitz im Ring. Gegen Max Teschke gewann der Berliner schließlich nach Punkten.

pka

Dieses Thema im Programm:
MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 22. November 2025 | 22:15 Uhr

Mitteldeutscher Rundfunk