„Mit Faulpelzen können wir nichts anfangen“
Franca Lehfeldt im BUNTE.de-Interview mit Freundin Nena
von Paula Kessler
22.11.2025, 17:46 Uhr
22. November 2025 um 17:46 Uhr
Unternehmerin Franca Lehfeldt spricht im BUNTE.de-Doppel-Interview mit Freundin und Journalistin Nena Brockhaus über gelebte Gleichberechtigung.
Nur noch wenige Stunden, dann startet ihr großes Event. Doch von Hektik ist bei Franca Lehfeldt (36) und Nena Brockhaus (33) erstmal keine Spur, als BUNTE.de sie zum Interview trifft. Am Abend vom 22. November verliehen die beiden Freundinnen erneut den „WoMen on Top„-Award ihrer gleichnamigen Initiative. Das Credo: Gleichberechtigung von Frauen funktioniert nur zusammen mit Männern.
Franca Lehfeldt & Nena Brockhaus: „Davon brauchen wir mehr in unserer Gesellschaft!“
BUNTE.de: Worauf freut ihr euch heute Abend am meisten?
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Franca: Wir sind wahnsinnig stolz und dankbar, dass wir das Event neben unseren Hauptjobs mobilisieren und dass wir den WoMen-on-Top-Award dieses Jahr bereits zum zweiten Mal vergeben können. Ich freue mich wahnsinnig auf all unsere Gäste! Isabell Werth, die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt, ist etwa da. Sie ist für mich das personifizierte Leistungsprinzip, die einen Sport ausführt, in dem Männer und Frauen gemeinsam antreten. Im Reitsport gibt es kein „Team weiblich oder Team männlich.“ Isabell Werth ist es also gewohnt, Männern im Wettbewerb auf Augenhöhe zu begegnen.
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Gehen zusammen durchs (private und berufliche) Leben: Franca Lehfeldt und Nena Brockhaus. Getty Imges
Nena: Das ist das Schöne an dem Event, als Initiatorinnen können wir natürlich immer so ein bisschen unsere Lieblingspersonen einladen. Ich freue mich auf Bitpanda-Gründer und Inhaber Erik Demuth. Ich finde ihn wahnsinnig spannend, weil er Wirtschaft neu denkt. Er wiederum ist für mich das personifizierte „Kiss the Sky“ in männlicher Form. Davon brauchen wir mehr in unserer Gesellschaft! Grenzen sprengen, den Himmel küssen und einfach Gas geben wollen.
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„Die Idee zu WoMen on Top entstand durch eine Kindheitsfreundin“
Nena, du hast WoMen on Top 2021 zusammen mit deiner Freundin, der Schauspielerin Vivian Wulf, gegründet. Gab es einen konkreten Moment in deiner Karriere, in dem die Idee dazu entstanden ist?
Nena: Die Idee zu WoMen on Top entstand durch eine Kindheitsfreundin. Sie kam vier Monate nach mir auf die Welt und ich kenne mein Leben gar nicht ohne sie. Eigentlich empfand ich uns immer als ziemlich gleich, bis wir jeweils unser Studium begonnen haben. Während mein Vater mir mein Studium in Maastricht finanziert hat, musste sie einen extrem hohen Kredit aufnehmen. Ich finde das bis heute ein Unding. Frauen oder auch Männer, die es wagen, für ihre Zukunft ins Risiko zu gehen, werden mit abnormalen Zinsen bestraft. Ich bin davon überzeugt, dass Bildung für alle da sein sollte.
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Franca und Nena mit dem CEO von Hubert Burda, Philipp Welte, sowie „WoMen on Top“-Mitgründerin Vivien Wulf im Juni 2025. Getty Images
Franca, mit welcher Motivation bist du 2023 bei WoMen on Top eingestiegen?
Franca: Ich bin keine Anhängerin des Gleichheitsprinzips. Im Gegenteil, ich bin absolut dafür, dass es Unterschiede gibt und geben muss. Aber Ungleichheit darf nicht auf Geschlecht oder Herkunft gründen, sondern muss sich aus unterschiedlichem Fleiß und Talent ergeben. Da haben wir in unserer Gesellschaft noch viel zu tun. Das betrifft nicht nur das Verhältnis der Geschlechter, sondern geht weit darüber hinaus. Deshalb sehe ich WoMen on Top nicht als Netzwerk nur von Frauen, sondern als ein Netzwerk von Individualistinnen und Individualisten, die gemeinsam an Zukunftsperspektiven arbeiten.
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ANZEIGE“Nena und ich fassen uns nicht mit Samthandschuhen an“
Was war der unbequemste Moment eurer Karriere – und was habt ihr daraus gelernt?
Nena: Das feste Angestelltenverhältnis zu beenden! Und das haben wir im selben Jahr getan. Franca und ich kennen uns seit unserem Einstieg in den Journalismus, konnten seitdem Hand in Hand gehen – das ist etwas Besonderes. Ich war erst beim „Handelsblatt“, sie bei RTL, dann waren wir beide beim Axel-Springer-Verlag. Und jetzt sind wir eben beide selbstständig. Für mich der bisher mutigste und schönste Schritt in meiner Karriere. Ich weiß nicht, wie du das siehst, Franca, aber heute würde ich sagen, dass unsere Freundschaft unsere Karrieren sehr stark beeinflusst hat.
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Franca: Absolut! Es ist aber nicht nur diese Parallelität in unserem Berufsleben. Es ist auch diese Art, wie wir miteinander sind. Wir fassen uns nicht mit Samthandschuhen an. Wir ringen miteinander und streiten über die beste Lösung, aber konstruktiv und in Liebe. Denn: Kritik ist Liebe.
„Es gibt so tolle Frauen in unserem Land“
Die Verleihung des „Women on Top“- Awards beschreibt ihr als „Herzstück des Abends“. Dabei wird eine Studentin für ihre außergewöhnlichen Leistungen ausgezeichnet. Der Gewinn: Die Rückzahlung des Studienkredits. Seid ihr mit den bisherigen Gewinnerinnen nach wie vor im Austausch?
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Nena: Wir haben mit allen Gewinnerinnen Kontakt und sie haben untereinander eine WhatsApp-Gruppe. Und was ich besonders süß finde: Sie kommen jedes Jahr wieder zum Award.
Franca: Es ist quasi ein Netzwerk im Netzwerk. Es ist großartig, dass sie miteinander verbunden bleiben. Und unsere Partner finden es wiederum sehr wertvoll, Impulse von jungen Menschen zu bekommen, die in den Arbeitsmarkt einsteigen. Da schließt sich ein Kreis.
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Nena: Mit der heutigen Gewinnerin Julia haben wir eine ganz tolle Frau, deren Geschichte viele berühren dürfte. Sie hat ihren Opa bis zu seinem Tod gepflegt und studiert Medizin. Beim Sichten der Bewerbungen fällt mir immer wieder auf, was für tolle Frauen wir in unserem Land haben. Wir vergeben den Award übrigens nur an Frauen, weil die auch Kinder bekommen. Unter diesem Aspekt ist es nochmal eine andere Hürde, einen Kredit aufzunehmen.
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Nena Brockhaus: „Eine Freundin meinte mal zu mir, ich sei die Caritas“
Wie lebt ihr die Art von Gleichberechtigung im Alltag vor, die ihr euch von unserer Gesellschaft wünscht?
Nena: Ich würde von mir behaupten, dass ich mehr Frauen gefördert habe, als jede andere in meinem Umkreis. Nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Ich sehe mich als Mentorin. Eine Freundin meinte mal zu mir, ich sei die Caritas. Die bin ich sehr gerne! Ich teile mein Netzwerk. Zudem ist es mir wichtig, dass man gerne Zeit mit mir verbringt. Wenn du Menschen ein schlechtes Gefühl gibst, ist das nicht empowernd. Auch Franca hat viele Karrieren maßgeblich gefördert. Uns geht es dabei um Leistung. Mit Faulpelzen können wir nichts anfangen!
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Franca Lehfeldt: „Ich arbeite nicht für Materielles“
Woher kommt dieser innere Antrieb?
Franca: Ich bin zu 110 Prozent intrinsisch motiviert, arbeite nicht für Materielles. Ich habe diesen inneren Drive von zu Hause mitbekommen. Mein Vater ist Unternehmer und hat sieben Tage die Woche gearbeitet. Das hat er getan, weil er sich in seinem Beruf selbst verwirklicht hat und seine Persönlichkeit entfaltet hat. So ist es bei mir auch. Ich habe ursprünglich Hotelmanagement und Marketing studiert. Später habe ich meinen Job im Hotel gekündigt, um an die Journalistenschule zu gehen. Wiederum später habe ich die Rolle als Anchor einer Nachrichtensendung verlassen, um mein Unternehmen zu gründen. Ich habe mich immer wieder verändert, bis ich meine berufliche Aufstellung gefunden hatte, die nicht nur Work ist, sondern Life.
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Nena Brockhaus: „Selbst als mein Vater schwer krebskrank war, ist er noch arbeiten gegangen“
Nena: Ich hatte mein Ziel immer klar vor Augen. Mit 13 Jahren wollte ich eine politische Talkshow moderieren. Ich wusste, dass ich für meinen Traum härter arbeiten muss als andere. In meinen Zwanzigern war ich kaum vor 23 Uhr auf einer Geburtstagsfeier. Ich habe fünf Spiegel-Bestseller in fünf Jahren geschrieben, neben meinem Vollzeitjob. Mein verstorbener Vater hat mich hier sehr geprägt. Er stammte nicht gerade aus privilegierten Verhältnissen. Ist zur Hauptschule gegangen, hat mit viel Fleiß seinen Handwerksmeister gemacht und sich dann selbstständig gemacht. Zum Einstieg in die Journalistenschule habe ich eine Rolex bekommen. Diesen sozialen Aufstieg vorgelebt zu bekommen, hat mich geprägt. Selbst als mein Vater schwer krebskrank war, ist er noch arbeiten gegangen. Er ist mein größtes Vorbild. Er fehlt mir jeden Tag.
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Franca Lehfeldt und Ex-Finanzminister Christian Lindner sind seit 2022 verheiratet und haben ein gemeinsames Kind. Getty Images „In puncto Kindererziehung sind unsere Ehemänner genauso in Charge wie wir“
Wie steht es um das Thema Gleichberechtigung in eurer Ehe?
Nena: Wir führen beide absolut gleichberechtige Partnerschaften. Lustigerweise gibt es auch hier wieder Parallelen zwischen uns. Wir haben beide Ehemänner, die mit C anfangen und das Sternzeichen Steinbock haben. In puncto Kindererziehung sind sie genauso in Charge wie wir. Das finde ich eine wichtige Botschaft: Es muss möglich sein, dass das Kind auch beim Vater bleiben kann.
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Franca: Ich habe neulich gelesen, der Partner sei die wichtigste Entscheidung, die man für seine Karriere trifft. Ich habe länger darüber nachgedacht und bin zu dem Fazit gekommen: Am Ende des Tages ist das so. Respekt vor der Arbeit des anderen ist unabdingbar. Die Erwartungshaltungen müssen zueinander passen. Es geht darum, dass man sich in der Partnerschaft aufeinander verlassen kann und dass beide das Selbstverständnis haben, dass neben der Familie auch die Karriere eine Rolle spielt. Sich gegenseitig zu unterstützen, ohne, dass man es groß zum Thema macht.
Wer die Gespräche der Eventreihe nachhören möchte, kann das hier auf Spotify tun.