Am 20. November jährt sich die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention zum 36. Mal. Fast alle Staaten der Welt haben das Abkommen ratifiziert und sich damit verpflichtet, Kindern Schutz, Förderung und Teilhabe zu garantieren. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft vielerorts eine Lücke – auch in Deutschland.

„Jedes Kind zählt!“, lautet das diesjährige Motto des Internationalen Tags der Kinderrechte. UNICEF Deutschland mahnt: „Obwohl sich fast alle Staaten dazu verpflichtet haben, die Rechte von Kindern anzuerkennen und umzusetzen, ist die Realität für Millionen Mädchen und Jungen oft eine ganz andere.“

Kinderrechte in der Kita: Warum frühe Bildung zu oft versagt

Besonders deutlich zeigt sich das Versprechen der Kinderrechte in der frühkindlichen Bildung. Christiane Münderlein, Vorständin des evangelischen Kitaverbands Bayern, warnt in einer Pressemitteilung:

„Die UN-Kinderrechtskonvention garantiert jedem Kind das Recht auf Bildung, auf faire Chancen, auf echte Teilhabe. Aber in der frühen Bildung – dort, wo die Bildungsbiografie der Kinder am stärksten geprägt wird – versagt unser System noch immer zu oft.“

Die Forschung gibt ihr recht: Gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die am dringendsten von früher Förderung profitieren würden, kommen häufig erst kurz vor der Einschulung in eine Kita. Sprachförderung, soziale Teilhabe, frühe Lernchancen – all das erreicht sie zu spät oder gar nicht.

Doch selbst der Zugang zu einer Einrichtung ist keine Garantie für gleiche Chancen. Kitas in belasteten Stadtteilen kämpfen mit unzureichenden Ressourcen, während woanders bessere Bedingungen herrschen. Münderlein warnt vor „Kitas zweiter Klasse“ – nicht wegen fehlenden Engagements der Fachkräfte, sondern weil die Rahmenbedingungen den besonderen Herausforderungen nicht gerecht werden.

Kinderstartgeld Bayern: Zwischen Direktzahlungen und Kita-Ausbau

Die prekäre Lage in der frühen Bildung ist längst Gegenstand politischer Debatten. Wie der Staat seine Verantwortung für Kinderrechte wahrnimmt, zeigt sich exemplarisch in Bayern: Die Staatsregierung kündigte an, bis 2030 drei Milliarden Euro zusätzlich in Kita-Betriebskosten zu investieren. Finanziert werden soll dies unter anderem durch die Abschaffung des erst vor einem Jahr eingeführten Kinderstartgelds von 3.000 Euro – noch vor der ersten Auszahlung.

Die Entscheidung sorgt für massive Proteste: Laut dem „Bayerischen Rundfunk“ sammelten Online-Petitionen mehr als 200.000 Unterschriften gegen die Streichung. Viele Familien hatten fest mit dem Geld gerechnet und ihre Elternzeit entsprechend geplant. Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) verteidigt den Kurswechsel: Eine verlässliche Kinderbetreuung sei für Eltern letztlich entscheidender als Direktzahlungen. Ohne die Umschichtung drohe die Schließung von Kitas.

Frühkindliche Bildung: Was sich jetzt ändern muss

Die Kontroverse illustriert ein Grundproblem: Solange Investitionen in Kita-Infrastruktur gegen Direktleistungen an Familien ausgespielt werden, bleiben strukturelle Defizite bestehen. „Wenn wir Kinderrechte ernst nehmen wollen, dann müssen wir mehr tun als sie zu feiern“, fordert Münderlein.

„Wir müssen sicherstellen, dass jedes Kind – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Wohnort – tatsächlich Zugang zu guter frühkindlicher Bildung hat.“

Es gehe dabei nicht nur um Chancengerechtigkeit für Kinder und Entlastung für Familien. Verlässliche Betreuung sei auch ein Standortfaktor für Kommunen und Voraussetzung dafür, dass Eltern arbeiten können.

Entscheidend werde sein, dass angekündigte Mittel auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden, betont Münderlein. Verlässliche Betreuung sei schließlich nicht nur für Kinder und Familien elementar, sondern auch ein wichtiger Standortfaktor für Kommunen – und Voraussetzung dafür, dass Eltern überhaupt arbeiten können.