Inmitten der Diskussionen über ein mögliches Ende des russischen Krieges in der Ukraine ist der Preis für europäisches Erdgas zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr unter 30 Euro pro Megawattstunde gefallen.
Die Benchmark-Futures („Standardvertrag“, an denen sich Preise und Erwartungen orientieren, Anm. d. Red.) erreichten den niedrigsten Stand seit Mai 2024. Sie wurden wochenlang in einer engen Spanne gehandelt, da die Händler die reichlichen Vorräte der Region gegen die häufig wechselnden Wettervorhersagen abwägten, um abzuschätzen, ob genug Gas für den Winter vorhanden sein wird.
Die Gespräche zwischen den USA und der Ukraine am Sonntag in Genf signalisierten Fortschritte in Richtung eines Abkommens zur Beendigung des Krieges, obwohl US-Außenminister Marco Rubio sagte, dass sich die von Washington vorgeschlagene Frist bis zum 27. November, um die Unterstützung Kiews zu sichern, in die nächste Woche verschieben könnte. Ein Abkommen müsste sowohl vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelenskij als auch von US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichnet werden.
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Auswirkungen für Verbraucher in Luxemburg
Jeder Fortschritt bei der Wiederherstellung des Friedens in der Region könnte sich auf die weltweite Energieversorgung und die Preise auswirken, denn europäische Gaspreise reagieren stark auf geopolitische Entwicklungen.
Dies hat auch Auswirkungen auf luxemburgische Verbraucher, denn Luxemburg ist nahezu vollständig abhängig von europäischen Gasimporten. Dies hat zur Folge, dass das Großherzogtum die Preisentwicklung auf den europäischen Märkten unmittelbar spürt. Das wiederum spiegelt sich in den Endkundenpreisen wider. Dennoch gilt es, die derzeitigen Schwankungen auf dem Markt weiter zu beobachten. Meist kommen Preisanpassungen erst einige Monate später bei Verbrauchern an. Denn Energieversorger kaufen ihr gesamtes Gas nicht zu einem speziellen Zeitpunkt, sondern verteilen dies auf das Jahr. Der gestückelte Kauf trägt dazu bei, Preisschwankungen nicht direkt an die Verbraucher weiterzugeben – dies gilt insbesondere, wenn der Gaspreis steigt.
Insgesamt sind die Gaspreise immer noch höher als vor der Energiekrise im Jahr 2022, als die in die Höhe schießenden Terminkontrakte auf dem gesamten Kontinent eine Lebenshaltungskostenkrise auslösten. Sie sind jedoch nur noch ein Bruchteil der Spitzenwerte jenes Jahres, und es wird erwartet, dass zusätzliche Lieferungen aus den USA und anderen Ländern in den kommenden Jahren zu niedrigeren Preisen führen werden. Russland ist nicht mehr der wichtigste Gaslieferant der Europäischen Union, sondern deckt nur noch etwa zehn Prozent ihrer Brennstoffeinfuhren. In diesem Jahr haben stetige Zuflüsse von Flüssigerdgas und norwegischen Pipelines Europa geholfen, den Wechsel der Jahreszeiten zu überstehen.
Preisdeckelung in Luxemburg
Luxemburg deckelte den Gaspreis für Haushalte und kleine Unternehmen und „stabilisierte“ den Strompreis von 2022 bis 2024. Für das laufende Jahr wurde diese staatliche Unterstützung halbiert. Ohne diese staatliche Strompreissubventionierung wären die Strompreise für einen Durchschnittshaushalt im Jahr 2024 laut Statec-Berechnungen um rund 462 Euro höher gewesen. Die Kosten für den staatlichen Beitrag zur Begrenzung des Preisanstiegs belasten allerdings den Staatshaushalt mit mehreren hundert Millionen Euro. Konkret wurden 171 Millionen Euro für 2025 bereitgestellt, um Haushalte und kleine Betriebe zu entlasten.
Und wenn die „Deckelung“ des Strompreises nun 2026 komplett ausläuft? Dann übernimmt der Staat stattdessen für etwa 150 Millionen Euro jährlich die Netznutzungskosten, um die Belastung zu dämpfen. Das werde die Stromrechnung sowohl der Haushalte als auch der Unternehmen sehr deutlich senken, so das Energieministerium. MeM
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