Hannah Sophie Schad und Jörg Pauly in „Barfuß im Park“ Foto: Martin Sigmund
In Neil Simons „Barfuß im Park“ in der Komödie im Marquardt in Stuttgart ist die Pointendichte hoch. Warum das mehr als sechzig Jahre alte Stück immer noch blendend funktioniert.
Was für ein Gegensatz! Blick in ein heruntergekommenes Sechziger-Jahre-Apartment mit fleckigen Wänden und einer Aussicht auf ein eher hässliches New York. Doch aus einem Kofferradio dudelt ein wunderbarer Beatles-Song, und eine quirlige junge Frau wirbelt in einem Sixties-Minikleid durch den Raum (einleuchtende Ausstattung: Tom Grasshof). Seit sechs Tagen ist Corie mit Paul verheiratet. Es folgt noch ein Kontrast: Corie ist die Lebendigkeit und der Optimismus in Person, ihr Gatte dagegen, der Junganwalt Paul (Jörg Pauly), ein dröger und dauersachlicher Schlipsträger.
Schaurige Don-Juan-Type
Neil Simons Broadway-Knaller von 1963, hat Robin Telfer jetzt in einem guten Tempo und dem Text sehr angemessen inszeniert, ohne unnötige Überdrehungen, und er kann auf überzeugende Darsteller vertrauen. Simon hat dem Jungpaar noch zwei ältere Figuren beigesellt. „Versuch dich treiben zulassen, entspann dich“, sagt Corie zu ihrer konventionellen Mutter. Das klingt überraschenderweise nach dem Jahr 2025. Victor (Marius Hubel) ist ein schräger Nachbar, der Corie auf eine schrecklich schmierige Weise anmacht, die 1963 womöglich noch geschluckt wurde. Heute erscheint er als schaurige Don-Juan-Type vergangener Zeiten.
Neil Simon lässt die vier Figuren mit netten Einfällen aufeinander los. Das ist gekonnte Komödienkunst, und die dicht gestrickten Pointen zünden oft prächtig, wirken aber bisweilen leicht angestaubt. Nun gut, das Stück ist über sechzig Jahre alt. Aber es funktioniert im Marquardt noch tadellos, das Publikum amüsiert sich köstlich. Immerhin gönnt Neil Simon seinen Figuren auch eine gewisse Entwicklung – genau das macht Reiz und Spannung seines Lustspiels aus. So wird etwa Mrs. Banks, Cories Mutter (amüsant: Bettina Franke), schön aufgeweicht.
Vergnüglicher Abend
Höhepunkt des Abends ist ein heftiger Streit des jungen Paars mit den klassischen Vorwürfen solcher Konflikte: Du bist so und so. Du hast dich geweigert, das und das zu tun. Wir haben nichts gemeinsam. Jörg Pauly spielt den Gatten mit Hundeblick und langweiliger Vernünftigkeit. Und was bedeutet der Titel des Stücks? „Du hast dich geweigert, mit mir barfuß durch den Park zu gehen“, schleudert Corie dem Gatten entgegen. „Es hatte acht Grad minus“, entgegnet Paul.
Hannah Sophie Schad als Corie ist das Zentrum der Aufführung. Sie präsentiert eine auf Sexyness ausgerichtete, konventionell feminine Körpersprache, und das macht sie ganz wunderbar auf eine geradezu parodistische Weise, die an Frauen in der Werbung der sechziger Jahre erinnert. Schad spielt Corie mit witziger Überzeichnung, und das ist gut so. Ein vergnüglicher Abend.
Barfuß im Park: Komödie im Marquardt. Weitere Aufführungen bis 18. Januar